03.09.2010
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Interview

Ägypten: Energie für Westeuropa

Osama Saleh, Vorsitzender der offiziellen Investitionsbehörde von Ägypten (GAFI) erklärt, worin im Bereich der erneuerbaren Energien die entscheidenden Vorteile des Landes liegen.

Die Umweltbelastung durch die Nutzung fossiler Brennstoffe sowie deren Knappheit ist ein Thema, das nicht nur Industrienationen beschäftigt. Auch Schwellenländer wie Ägypten setzen sich stark für die Entwicklung erneuerbarer Energien ein. Die ägyptische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, 20 Prozent des Energiebedarfs bis 2020 aus erneuerbarer Energie zu decken. Hierfür bedarf es massiver Investitionen, die zum Teil durch private Investoren gedeckt werden sollen. Osama Saleh, Vorsitzender der offiziellen Investitionsbehörde von Ägypten (GAFI) erklärt, worin die entscheidenden Vorteile des Landes liegen.

Herr Saleh, die ägyptische Regierung hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Auch andere Länder sind sehr aktiv im Bereich erneuerbare Energien und suchen Investoren. Was spricht für Ägypten?
Osama Saleh: Ägyptens Stärke liegt in der strategischen Lage, dem optimalen Klima und der Unterstützung durch die Regierung. In der Weltwirtschaftskrise hat sich das Land als belastbar gezeigt. Ausländische Investoren suchen verstärkt nach Investitionsmöglichkeiten im Bereich Wind- und Solarenergie. Die Nutzung erneuerbarer Energien wird durch den Wandel in der Industrie und in den Märkten immer bedeutender. Obwohl es viele Herausforderungen bei der Energiegewinnung gibt, hat Ägypten den schnellen Übergang hin zu erneuerbarer Energie stets gefördert.

Wie sehen die Bemühungen der Regierung aus?
Die Regierung ist bestrebt, den Sektor sowohl durch private als auch öffentlich-private Partnerschaften mit Ländern wie beispielsweise Deutschland, den Vereinten Arabischen Emiraten, Japan, Italien und Großbritannien zu entwickeln. So erhält der private Sektor die Gelegenheit Infrastruktur und Energiequellen mitzuentwickeln. Bislang können die meisten Solar-, Wind-, oder Wasserkraftwerke nur eine geringe Menge Strom ins ägyptische Netz speisen. Aber die ägyptische Regierung und ausländische Investoren arbeiten daran, mehr Energie zu erzeugen, um nicht nur den heimischen Markt sondern auch das Ausland zu beliefern. Ägypten ist in der Region anerkannt. Dies zeigt die Gründung des regionalen Zentrums für Erneuerbare Energie und Energieeffizienz, das von der Europäischen Kommission, der GTZ und der dänischen Behörde für internationale Entwicklung (DANIDA) unterstützt wird. Ägypten wurde außerdem als Co-Präsident des Mediterranean Solar Plans ernannt, dessen Ziel es ist, erneuerbare Energie in die europäischen Märkte zu exportieren. Im Juli 2008 wurde die “Union for the Mediterranean” mit dem Ziel gegründet, regionale Kooperation zwischen den Mitgliedstaaten im Bereich Entwicklung von nachhaltigen Energiequellen zu fördern. Außerdem unterzeichnete Ägypten 2009 das Gründungsabkommen der “International Renewable Energy Agency” (Irena).

Im Moment scheint sich Ägypten besonders auf Windenergie zu fokussieren…
Wind- und Solarenergie sind die Schwerpunkte der ägyptischen Regierung, es gibt aber auch eine aktive Hydroanlage. Die Behörde für neue und erneuerbare Energie (NREA) hat in den letzten 13 Jahren viel im Bereich Windenergie geleistet, zum Beispiel die Erstellung deines hochmodernen Windatlas in Kooperation mit dem Risoe National Laboratory. Weiter wurden Windparks wie der Zafarana-425-Megawatt-Windpark am Roten Meer und der kleinere Windpark in Hurghada aufgebaut. Im Hurghada Windpark liegt die Kapazität der Windturbinen zwischen 100 bis 300 Kilowatt. Ende 2009 betrug die verzeichnete Wachstumsrate 30 Prozent - ein deutlicher Hinweis, dass Windenergie vermehrt verwendet wird. Die gesamte Produktion der Anlage lag 2008/2009 bei circa sieben Gigawattstunden. Dies entspricht rund 1.500 Tonnen Öl. Der Kohlenstoffdioxidausstoß konnte 2008/2009 um rund 4000 Tonnen gesenkt werden. Aber Ägyptens Potential ist noch nicht erschöpft. Bis 2022 sollen mindestens 7.200 Megawatt im Golf von Suez und weitere 1.000 Megawatt an den West- und Ostufern des Nils produziert werden. Die hierbei gewonnene Energie ist sowohl für den inländischen Gebrauch als auch für den Export bestimmt.

Der Zafarana Windpark am Roten Meer ist mit deutscher Beteiligung aufgebaut worden…?
Osama Saleh: Das stimmt. Der Zafarana Windpark wird seit 2001 in Kooperation mit Deutschland, Dänemark, Spanien und Japan gebaut. Er umfasst 482 Turbinen mit verschiedenen Technologien und Kapazitäten. Aus Deutschland sind die Unternehmen Nordex und Vestas Deutschland beteiligt. Das Projekt wird im Juni 2010 fertiggestellt, wobei mehrere Teile bereits in Betrieb sind. Nach Fertigstellung liegt die Gesamtkapazität bei 545 Megawatt. Die gewonnene Energie wird in das Hauptenergienetz eingespeist und nach Ende der letzten Bauphase ganz Ägypten mit Strom versorgen. Die Gesamtproduktion erreichte 2008/2009 rund 941 Gigawattstunden. Dadurch konnten rund 203.000 Tonnen Öl- gespart und der Kohlenstoffdioxidausstoß um 513.000 Tonnen reduziert werden.

Welche Projekte stehen aktuell interessierten Investoren offen?
Der Sektor für erneuerbare Energie entwickelt sich in Ägypten schnell und bietet Investoren viele Chancen. Der Golf von El Zayt Windpark ist ein neues Projekt, das für zukünftige Investitionen offen steht. Dieses Projekt ist folgendermaßen unterteilt: 200 Megawatt werden in Kooperation mit Deutschland und der European Investment Bank (EIB) realisiert, 220 Megawatt mit Japan und ein 300 Megawatt Windpark wird in Zusammenarbeit mit Spanien (die Pipeline) aufgebaut. Eine italienische Firma interessiert sich zurzeit für den Bau eines 120-Megawatt-Windparks, der auf 400 Megawatt erweitert werden kann.

Ägypten ist bekannt als eines der sonnenreichsten Länder. Projekte wie Desertec, die bis zu 15 Prozent von Europas Energiebedarf durch gigantische Solaranlagen in den nordafrikanischen Wüsten decken möchten, werden teilweise kontrovers diskutiert. Wie sehen Sie Ägyptens Engagement in diesem Bereich?
Ägypten verfügt über reichlich Sonne und Wärme. Die direkte Sonnenbestrahlung beträgt zwischen 2.000 und 2.600 Kilowattstunden im Jahr, einer der höchsten Werte Nordafrikas im Direct Normal Irradiation (DNI) Index. Ägypten ist ein stabiles und produktives Solarenergiezentrum. Desertec spielt für Afrika und Europa eine wichtige Rolle. Erst kürzlich hat die Initiative den Bau einer ersten Solarthermieanlage in Ägypten bis Ende des Jahres bestätigt.

Das Kuraymat-Solarprojekt, das mit Hilfe des deutschen Unternehmens Solar Millennium aufgebaut wurde, gilt als Vorreiter für Desertec.
Die Kuraymat Solarthermieanlage liegt 90 Kilometer südlich von Kairo und erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 600.000 Quadratmetern. Die Anlage geht Ende 2010 in Betrieb. Die Kapazitäten der Anlage betragen insgesamt 140 Megawatt, inklusive eines Solaranteils von 20 Megawatt, der von dem Solarfeld aus Parabolrinnen gewonnen wird. Verbunden ist die Solaranlage an ein Erdgas- betriebenes Kombikraftwerk. Es ist ideal gelegen: auf unbewohntem Wüstengebiet mit sehr intensiver, direkter Sonneneinstrahlung sowie einem gut ausgebauten Stromnetz und weitreichenden Erdgaspipelines. Die Energie wird über das Gleichstromnetz transportiert.

Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung in Ägypten?
'Ich sehe großes Potential und viele Entwicklungsmöglichkeiten in der Wind-, Solar- und Wasserkraft. Erneuerbare Energien bergen viele Herausforderungen, aber Ägypten ist auf dem richtigen Weg, um die Abhängigkeit von traditionellen Energiequellen zu verringern. Dies beeinflusst nicht nur die nationale Stromnachfrage positiv, sondern macht Ägypten auch zu einem der entscheidenden Stromexporteure Westeuropas. Unsere politische Stabilität, attraktive staatliche Förderungen und die Fülle an Investitionsmöglichkeiten locken viele ausländische Investoren. Ägypten spielte schon immer eine Schlüsselrolle im Energiemarkt und hofft, diese Tradition fortzusetzen.

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1 Kommentar zu "Ägypten: Energie für Westeuropa "

  1. Der Erneuerbare - 07.09.2010, 11:16 Uhr (Kommentar melden)

    Der nahe Osten ist die große Hoffnung, wenn es um die Umstellung auf erneuerbare Energien geht. Von der Region geht eine nicht zu unterschätzende Signalwirkung aus!

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