11.02.2012
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Vestas

Auftragsrekorde, schlechte Bilanz

Der dänische Windturbinenproduzent Vestas hat 2011 im Ergebnis eines der schlechtesten Geschäftsjahre in seiner 30-jährigen Unternehmensgeschichte zurückgelegt. Bei der Präsentation der Geschäftszahlen am Mittwoch gab das Unternehmen einen Verlust von 166 Millionen Euro bekannt. Damit hat der Konzern seine eigene, bereits mehrfach nach unten korrigierte Prognose noch einmal deutlich unterboten.

 - Kein gutes Jahr für Vestas: Verantwortlich sind der hohe Preisdruck vor allem durch asiatische Hersteller, hohe Entwicklungskosten und wegbrechende Subventionen.
Kein gutes Jahr für Vestas: Verantwortlich sind der hohe Preisdruck vor allem durch asiatische Hersteller, hohe Entwicklungskosten und wegbrechende Subventionen.
Foto: Vestas

2010 hatte Vestas noch einen Gewinn von 156 Millionen Euro für sich verbuchen können. Und obwohl 2011 mehr Turbinen produziert und ausgeliefert worden waren als im Vorjahr, sank der Umsatz um 16 Prozent auf 5,84 Milliarden Euro. Damit lag er mit 200 Millionen Euro noch unter der jüngsten Prognose von Anfang Januar; zu diesem Zeitpunkt war man in Dänemark noch der so genannten schwarzen Null ausgegangen. Die EBIT-Marge belief sich auf -0,7 Prozent.

Das Ergebnis zog direkte personelle Konsequenzen nach sich: Wie ERNEUERBARE ENERGIEN berichtete, verließ der bisherige Finanzchef und Stellvertreter von Konzernchef Ditlev Engel, Henrik Nørremark, am Mittwoch bereits das Unternehmen. Zugleich gaben der Aufsichtsratsvorsitzende Bent Erik Carlsen und sein Stellvertreter Torsten Erik Rasmussen bekannt, dass sie im März nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung stünden. Auch ein weiteres Mitglied des Aufsichtsrats tritt ab März zurück.

Nach der Bekanntgabe der Geschäftszahlen stürzte der Aktienkurs binnen zwei Tagen um zwölf Prozent auf rund 7,80 Euro ab. Grund für die schlechten Bilanzen sind nach Auskünften des dänischen Turbinenbauers der hohe Preisdruck, hohe Entwicklungskosten, wegbrechende Subventionen in den USA und Europa sowie Probleme beim Bau einer Generatorfabrik in Travemünde. Zudem hätten die Auslieferungen der Turbinen auch deutlich unter den Erwartungen gelegen. Gleichzeitig fielen die Produktionskosten mit 125 Millionen Euro höher aus als geplant. Vestas betonte, dass viele Projekte, die 2011 zum Abschluss gebracht werden sollten, sich ins aktuelle Jahr verschoben hätten. Trotz alledem liegt der Auftragsbestand bei den Dänen mit 7.397 Megawatt auf Rekordhöhe und beträgt damit 7,3 Milliarden Euro.

Bereits Anfang Januar hatten die Dänen als Reaktion auf zwei Gewinnwarnungen ein umfassendes Sparprogramm vorgelegt, dem rund ein Zehntel der weltweiten Arbeitsplätze zum Opfer fallen. Für 2012 kündigte das Unternehmen nun ebenfalls eine Verlustwarnung an. Der Umsatz soll im laufenden Jahr zwischen 6,5 und acht Milliarden Euro betragen.

Man könne eine gewisse Verunsicherung aus dem Geschäftsbericht herauslesen, sagt Börsen-Analyst Holger Fechner von der NordLB in Hannover : „Zum einen geben die Dänen einen positiven Ausblick für Europa und die USA für die nächsten Jahre, obwohl sie gleichzeitig ihr Triple 15-Ziel – also im Jahr 2015 einen Umsatz von 15 Milliarden Euro und eine EBIT-Marge von 15 Prozent zu erwirtschaften – einkassieren.“ Fechner verweist auch auf die kürzlich erfolgte Umstellung in der Rechnungslegung im dänischen Randers: Der Konzern hatte sich gemäß der International Financial Reporting Standards (IFRS) von großen Anlagegütern entschieden, Rechnungen erst nach erbrachter Auslieferung zu stellen. „Damit wurden also anders als in den Vorjahren viele Projekte bis Jahresende nicht abgerechnet“, erklärt der Analyst. Seiner Meinung nach könne man Nørremark aber nicht für das Kostenproblem bei Vestas verantwortlich machen: „Das hört sich ganz nach einem Bauernopfer an“, findet Fechner. Nørremark war seit 1993 bei Vestas in verschiedenen Positionen tätig und seit 2004 Mitglied der Vestas-Führungsriege.

(Regine Krüger)

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