15.05.2017
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Solare Prozesswärme

BSW Solar veröffentlicht Technologieratgeber

Der Bundesverband Solarwirtschaft hat das Projekt Solar Payback gestartet. Damit will er die Technologie weiter in die Aufmerksamkeit von Unternehmen rücken. Zunächst ist eine Technologiebroschüre erschienen. Im weiteren Verlauf werde noch Marktstudien entstehen. Zudem werden Geschäfts- und Finanzierungsmodelle für Projektentwickler, Energiedienstleister und Investoren aufgezeigt.

 - Die Solarthermie kann nicht nur Prozesswärme bereitstellen. Mit dieser konzentrierenden solarthermischen Anlage kühlt der südafrikanische Mobilfunkanbieter Mobile Telefone Network seinen Hauptsitz in Johannesburg inklusive der Serverräume.
Die Solarthermie kann nicht nur Prozesswärme bereitstellen. Mit dieser konzentrierenden solarthermischen Anlage kühlt der südafrikanische Mobilfunkanbieter Mobile Telefone Network seinen Hauptsitz in Johannesburg inklusive der Serverräume.
Industrial Solar

Der Bundesverband Solarwirtschaft sieht in der Bereitstellung von Prozesswärme durch solarthermische Großanlagen ein riesiges Potenzial für Unternehmen, Kosten zu sparen. Neben dem Effekt, dass solche Anlagen zum Erreichen der Klimaschutzziele beitragen können, haben Unternehmen so die Möglichkeit, sich von risikobehafteten, fossil betriebenen Heizungsanlagen zu verabschieden. Um die Potenziale konkret darzustellen, hat der BSW Solar zusammen mit den deutschen Auslandshandelskammern, lokalen Solarverbänden und mit Unterstützung durch die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) und Solrico, einer Agentur für Solarmarktforschung und internationale Kommunikation, eine Broschüre erstellt, in der der derzeitige Stand der Technik und die Möglichkeiten für Unternehmen, mittels Solarthermie Prozesswärme zu erzeugen, dargestellt sind.

Potenzial liegt noch brach

Allerdings liegt das riesige Potenzial, den Wärmebedarf in Produktionsprozessen mit solarthermischen Wärmeanlagen bereitzustellen, noch brach. Denn immerhin werden derzeit 32 Prozent des gesamten Wärmebedarfs weltweit für industrielle Prozesse gebraucht. Ein Viertel dieses Bedarfs wird mit Strom bereitgestellt. Doch von den übrigen 74 Prozent liegen immerhin 52 Prozent des Bedarfs in den Temperaturregionen, die mit der existierenden Technologie der Solarthermie erzeugt werden können. Doch bisher werden immer noch 45 Prozent der Prozesswärme in Kohlekraftwerken erzeugt, 30 Prozent liefern Erdgasbrenner und 15 Prozent werden mit Öl bereitgestellt. Bisher liefern die erneuerbaren Energie nur neun Prozent der weltweit genutzten Prozesswärme. „Unternehmen, die etwas herstellen wissen oft nicht, dass sie die Sonnenwärme, die auf ihr Gebäude fällt unmittelbar für ihre Produktionsprozesse nutzen können“, erklärt Jörg Mayer, Geschäftsführer des BSW Solar. „Wird ihnen bewusst, wie viel Energie und damit Geld sie sparen können, sind sie von der Technologie begeistert – aber dafür müssen sie diese meist erst kennenlernen.“

Hürden beseitigen

Genau diese Lücke will der BSW Solar zusammen mit seinen Kooperationspartnern schließen. Denn neben den hohen Investitionskosten und den relativ langen Amortisationszeiten sind es vor allem die geringe Wahrnehmung der existierenden Projekte und der Technologie, die als Hürden einer weiteren Verbreitung der solarthermischen Erzeugung von Prozesswärme im Wege stehen. Die Broschüre erklärt übersichtlich, welche Möglichkeiten die Unternehmen unterschiedlicher Branchen haben, die Herstellungsschritte, in denen Wärme gebraucht wird, solarthermisch zu unterstützen. Einige praktische Beispiele zeigen, welchen finanziellen Vorteil die Unternehmen daraus ziehen können.

Anwendungsfelder sind vielfältig

Es sind vor allem Unternehmen, die Prozesstemperaturen von bis zu 400 Grad Celsius benötigen, die einfach einen großen Teil dieser Wärme mit der Sonne erzeugen können. So sind es vor allem Herstellungsschritte in der chemischen Industrie, in der Lebensmittel- und Holzverarbeitung und in der Textilindustrie, die auf gängige Systeme mit Flach- oder Vakuumröhrenkollektoren zurückgreifen können. Mit den Technologien der konzentrierenden Solarthermie, bei der Parabolspiegeln oder Fresnellinsen das Sonnenlicht auf eine Röhre fokussieren, in der ein Wärmeträgermedium fließt, sind auch höhere Temperaturen bis 400 Grad Celsius möglich, wie sie für die Nitratschmelzen im Bergbau, für Färbeprozesse in der Textilindustrie, Beschichtungsprozesse im Maschinenbau oder Kompressions- und Trocknungsanlagen in der Holzverarbeitung gebraucht werden. Den Gesamtbedarf dieser Prozesse, die auf diesem Temperaturniveau ablaufen, bemessen die Experten von der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) auf 12.222 Terawattstunden.

Steigende Energiekosten treiben den Markt

Immerhin sind bisher mehr als 500 solcher Anlagen installiert, die insgesamt über 280 Megawatt thermische Leistung verfügen. Die Fläche aller Kollektoren, Parabolspiegel und Fresnellinsen, die dieser Leistung erbringen, taxieren die Autoren der Broschüre auf 400.000 Quadratmeter. Immerhin sieht die IRENA einen Anstieg dieser Solarfläche bis 2030 auf mindestens 800 Millionen Quadratmeter. Abhängig von der Entwicklung der Energiepreise könnten auch immer mehr Unternehmen auf Solarthermie setzen, so dass durchaus die Solarfläche weltweit auf 1,3 Milliarden Quadratmeter. Immerhin sehen die meisten Anbieter von großen solarthermischen Anlagen den größten Markttreiber in den steigenden Preisen für fossile Energieträger. Die politischen Rahmenbedingungen und die finanziellen Fördersysteme spielen dabei allerdings auch eine entscheidende Rolle, um die anfänglichen Investitionsrisiken abzufangen.

Die Broschüre ist nur der erste Schritt auf dem Weg zu einem Gesamtkonzept, den Markt für solarthermische Prozesswärmeanlagen weiter voranzubringen. Noch bis Ende dieses Jahres erstellt der BSW Solar noch entsprechende Marktstudien für Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika, den Zielländern des Solar-Payback-Projektes, in dessen Rahmen die Technologiebroschüre erschienen ist. Auf der eigens für dieses Projekt eingerichteten Internetseite können die Anbieter ihre Projekte vorstellen und so konkrete Geschäftsmodelle und Finanzierungsstrategien für Projektentwickler, Energiedienstleister und Investoren zweigen. (Sven Ullrich)

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