06.01.2012
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Umfrage Windjahr 2012

Endlich Aufatmen

Die Verbände und Dienstleister

Anemos, Heinz-Theo Mengelkamp, Geschäftsführender Gesellschafter: Der positive Trend aus 2010 hat sich im Jahr 2011 nochmals deutlich verstärkt. Neben einem leichten Anstieg der Auslandsaktivitäten insbesondere in Polen und Südamerika hat sich Deutschland wieder als Schwerpunkt hervorgetan. Die Diskussion um den Windindex war das beherrschende Thema. Von Gutachtern, Planern und Betreibern wurde der Anemos Produktionsindex vielfach getestet und hat mittlerweile allgemeine Akzeptanz gefunden. Das hat uns veranlasst, einen Produktionsindex für ganz Europa anzubieten. Auch für den Offshore Bereich werden Zeitreihenanalysen zunehmend für die räumliche Korrelation von Messdaten und auch zur Abschätzung von Wahrscheinlichkeiten von Starkwind- oder Schwachwindperioden im Jahresverlauf verwendet. Mit einem Umzug in ein größeres Bürogebäude Anfang 2012 wollen wir dem ansteigenden Gutachtengeschäft aber auch der wichtiger werdenden Forschung und Entwicklung im Bereich der Windenergiemeteorologie Rechnung tragen.

Anemos-Jacob, Herbert Schwartz, Inhaber: In Deutschland erleben wir einen richtigen Boom. Wie vor einem Jahr prognostiziert, nehmen Windmessungen in Deutschland stark zu. Fast jede Windmessung liefert eine Überraschung, was den Wert und die Notwendigkeit dieser Entwicklung unterstreicht. Das Interesse an Windenergie ist breit und insbesondere in Süddeutschland führt der Einfluss von privaten, lokal ansässigen Planern und regionalen Energieversorgern zurück auf den Idealismus der 1990er Jahr. Diese Initiativen sind in der Regel verbunden mit einer sehr realistischen und umsichtigen Herangehensweise. Der wichtigste Absatzmarkt für uns bleibt Europa, über viele Länder verteilt. Die Schwerpunkte verschieben sich ständig – wie schon immer. Aus Sicht des Windgutachters werden die Planungen immer besser fundiert. Außerhalb Europas ist und bleibt für uns Kanada am spannendsten, gerade auch wegen der anspruchsvollen Windverhältnisse.

Availon GmbH, Ulrich Schomakers, Geschäftsführer: Deutschland und UK werden eine führende Rolle im Offshore-Markt haben und liegen auch im Fokus der Energieversorger. Speziell hier stehen auch genehmigte Standorte zur Verfügung, die Planungen bei einzelnen Projekten sind weit fortgeschritten und die starke Unterstützung der Länderregierungen ist vorhanden. Jedoch wird nach unserer Einschätzung die Realisierung der Projekte hinter den Erwartungen und Planungen der Bundesregierung zurückliegen. Die Niederlande, Dänemark, Frankreich und skandinavischen Länder sind ebenfalls bei der Planung größerer Offshore-Projekte weit fortgeschritten, die in den nächsten Jahren realisiert werden. Die Energieversorger werden dieses Projektvolumen alleine nicht realisieren können und eine Beteiligung anderer Investoren ist sinnvoll! Es muss hier Finanzierungskonzepte geben, die sowohl die Bereitstellung von Fremdkapital als auch die Beschaffung des Eigenkapitals sicherstellen.

Bundesverband Windenergie, Hermann Albers, Präsident: Trotz einer Erhöhung der Degression hat die EEG-Novelle bei der Vergütung der Windenergie an Land weitestgehend für Kontinuität gesorgt. Daher gehen wir zwar nicht von einem Boom für die Windenergie an Land aus, erwarten aber ein stetiges Wachstum bei den Neuaufstellungen. Eine für die Windenergiebranche entscheidende Entwicklung in diesem Jahr war jedoch, dass sich in einigen süddeutschen Bundesländern endlich ein Wandel in eine Politik pro Windenergie vollzieht. Das war längst überfällig. Hier ergeben sich wichtige Chancen für die weitere Entwicklung der Windenergie in Deutschland

Deutsche Windtechnik AG, Matthias Brandt, Vorstand: Neben einem stetigen Zubau an Onshore-Leistung erwarten wir einen weiteren deutlichen Anstieg im Bereich herstellerunabhängiger Service. Es zeigt sich immer stärker, dass Windenergieanlagen wie Kraftwerke geführt werden müssen (beispielsweise Systemdienstleistung, Eisman, Direktstromvermarktung). Für diese Aufgaben werden vielfältige Lösungen erarbeitet. Das Spezialwissen und die Standards des deutschen Servicemarktes sind ebenfalls stark im Ausland nachgefragt. Hier befindet sich zusätzliches großes Expansionspotenzial. Ferner findet im deutschen als auch europäischen Ausland ein intensiver Know-how-Transfer von der Onshore- in die Offshore-Branche statt. Das drückt sich auch in konkreten Aufträgen aus. Insgesamt gibt es also eine Menge zu tun. Gut so.


Global Wind Energy Council, Klaus Rave, Vorsitzender: 2012 werden China, Indien und Brasilien die Wachstumstreiber sein, in dieser Reihenfolge mit dem "fast-20-GW-Markt" China als Lokomotive mit angekoppelten weiter wachsenden Herstellern, die die internationale Preisentwicklung zunehmend bestimmen. Erfreulich ist der Start in Südafrika mit den ersten Tendern und der Aufnahme von Produktion: Die südliche Hälfte des schwarzen Kontinents bleibt kein weißer Fleck. Größere Dynamik entfalten auch Mexiko und Kanada. Dort wird die kritische Ein-Gigawatt-Marke überschritten. Vorzieheffekte wegen des drohenden Auslaufens des Förderinstruments der Production Tax Credits stärken das Wachstum der USA auf über acht Gigawatt. Zu nennen bleiben zwei weitere sich entwickelnde Märkte: Marokko und die Ukraine. Die Bedeutung der Förderbanken steigt noch: China Development Bank, British Nordic Development Squad, International Finance Corporation (USA), Asian Development Bank (Philippinen), European Investment Bank (Luxemburg), European Bank for Reconstruction and Development (England) und die KFW (Deutschland) sind unverzichtbar.

PSM, Ian-Paul Grimble, Geschäftsführer: Das seit Jahren diskutierte Repowering nimmt nun tatsächlich Fahrt auf und ist auch für uns ein wachsendes Betätigungsfeld, sowohl in der Umsetzung als auch als Dienstleister im Bereich Demontagen. Die im Erneuerbare-Energien-Gesetz verankerten Regelungen zur Direktvermarktung, und hier insbesondere das Marktprämienmodell, bieten die Chance, auch in Sachen Vermarktung „erwachsen“ zu werden. Die Fokussierung auf regionale Banken, die bereits während der letzten Finanzkrise durch ihre zurückhaltende Strategie wenig betroffen waren, zeigt auch in der aktuellen Schuldenkrise eine positive Wirkung.



TÜV Süd Industrial Service , Alexander Heitmann, Abteilungsleiter Offshore Windenergie: Der Ausbau der Offshore-Windenergie in Europa wird in den nächsten Jahren zügig weitergehen. Praktisch alle Staaten mit einer Küstenlinie haben sich politische Ziele gesetzt. Insgesamt soll die installierte Leistung von 3.000 Megawatt (MW) im Jahr 2011 auf 44.000 MW im Jahr 2020 zunehmen. Der Schwerpunkt der Offshore-Windenergie wird in der Nordsee liegen. Bei der installierten Leistung sind Großbritannien und Dänemark im Moment führend, bei den genehmigten Projekten liegt Deutschland mit rund 8.500 MW an der Spitze. In Zukunft wird auch die Bedeutung der anderen Staaten, wie den Niederlanden und Belgien, aber auch Frankreich und Spanien, zunehmen. Die Offshore-Windenergie ist ein europäisches Thema. Bei der Erschließung von neuen Offshore-Flächen kann die deutsche Industrie aufgrund ihrer Erfahrungen mit Windparks in tiefen Gewässern eine führende Rolle übernehmen.

VDMA Power Systems, Thorsten Herdan, Geschäftsführer: In Europa ist zu befürchten, dass sich die angespannte Finanzlage einiger Mitgliedstaaten nicht positiv auf das Windenergiegeschäft auswirkt. Letztlich hängt das Projektgeschäft sehr stark von den politischen Rahmenbedingungen ab. Wir hoffen sehr, dass diese Situation die Pläne vieler osteuropäischer Staaten, die Rahmenbedingungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien zügig zu schaffen, nicht negativ beeinflusst. In vielen osteuropäischen Ländern fehlen noch die politischen Rahmenbedingungen als auch die Erfahrungen. Daher unterstützen wir die Windtec-Initiative des Bundesumweltministeriums, die helfen soll, die osteuropäischen Windmärkte zu entwickeln. In Deutschland schafft die EEG-Novelle auch nach 2011 die Grundlage für den weiteren Ausbau der Windenergie. Offen geblieben ist allerdings die effiziente Ausgestaltung des Ausbaus im Binnenland. Völlig ungenügend muss die Novelle im Hinblick auf die Marktintegration bezeichnet werden. Weder enthält das novellierte EEG eine echte Marktkomponente, noch wird die bedarfsgerechte Stromerzeugung adressiert.

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