06.01.2012
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Umfrage Bioenergiejahr 2012: Kurzumtrieb

Gar nicht schnell wachsend

Bäume auf dem Acker bleiben auch 2012 rares Gehölz

Kurzumtriebplantagen (KUP) gelten als aussichtsreiche Option zur Deckung des steigenden energetischen Bedarfs aus Biomasse in Zukunft. Doch es gibt kaum Zuwächse.

 - Bleibt auch 2012 ein seltenes Bild: Gehölzmähhäcksler bei der Ernte einer Kurzumtriebsplantage.
Bleibt auch 2012 ein seltenes Bild: Gehölzmähhäcksler bei der Ernte einer Kurzumtriebsplantage.
Foto: Claas KGaA GmbH

„Abgesehen von Vattenfall ist bei den großen Energieversorgern in Bezug auf KUP keinerlei Bewegung zu verspüren. Leider zeigen sich auch kleinere Energieversorger wie Stadtwerke noch sehr reserviert“, sagt Dirk Landgraf, Geschäftsführer der P&P Dienstleistungs GmbH & Co. KG. Sein Unternehmen hat beispielsweise auf Berliner Rieselfeldern für die RWE Innogy Cogen GmbH Pappel- und Robinien-KUP angelegt.

Eine Hürde ist weg

Dabei ist seit Mitte Juni 2010 die wesentliche Hürde zur Anlage von KUP in Deutschland den Landwirten eigentlich genommen. Mit dem zweiten Gesetz zur Änderung des Bundeswaldgesetzes wurden Flächen, die mit Baumarten bestellt werden, die eine Umtriebszeit von nicht mehr als 20 Jahren aufweisen, vom Waldbegriff ausgenommen. Landwirte mussten bis dato davon ausgehen, dass sie durch Bepflanzen von Acker mit Bäumen Acker nach gesetzlichen Begriffen zu Wald umwandelten. Wald wiederum kann nicht so ohne Weiteres wieder zu Acker werden. Mit der Novelle des BWaldG wurde hier zwar eine Bestandssicherheit geschaffen, die aber noch nicht richtig mutig macht.

Neuland

Die KUP-Fläche in Deutschland wird von Experten auf 3.500 bis 5.000 Hektar geschätzt. Das Bundesumweltministerium schrieb in seiner Leitstudie zum Ausbau Erneuerbarer Energien 2008 von einem notwendigen Beitrag im Bereich der Kurzumtriebsplantagen von 450.000 Hektar im Jahr 2020. Während im Ausland wie Schweden oder osteuropäischen Ländern Anpflanzungen auf Äckern mit schnell wachsenden Baumarten wie Pappel, Robinie oder Weide ausgebaut werden, Flyer und Produktbeschreibungen gedruckt und vertrieben werden, bleiben Hackschnitzel vom Acker für energetische Zwecke in Deutschland eine Randerscheinung. Theoretisch ist das Thema reich besprochen. Es gibt zahlreiche Untersuchungen. Doch trotz aller Untersuchungen bleibt ein unternehmerisches Risiko und nicht nur Landwirte sind vorsichtig, da sie sich mit der Anlage von KUP auf ein vollkommen neues Feld begeben.

KUP bleibt rar

Also bleibt KUP auch 2012 rar: „Kommunen zeigen sich mäßig interessiert, wollen aber bislang den regionalen Bauern die Entscheidung zur Flächenbewirtschaftung überlassen. Bleiben also nur noch die Bauern übrig, die auch tatsächlich verstärkt nachfragen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um kleinere Flächen und/oder schlecht zu bewirtschaftende Flächen, meistens Grünland“, berichtet Landgraf. Von einem Durchbruch bei der Anbaufläche von KUP in Deutschland oder gar von einer Entlastung des Holzmarktes oder einem Schließen der prognostizierten Holzlücke in 2020 könne nicht einmal ansatzweise die Rede sein. (Dittmar Koop)


Dirk Landgraf, Geschäftsführer der P&P Dienstleistungs GmbH: "Das Thema Kurzumtrieb wird seit dem Ausstieg aus dem neuerlichen Atomeinstieg wieder sehr intensiv diskutiert. Leider muss man feststellen, dass in Deutschland in den letzten 10 Jahren sehr viel über dieses Thema geredet aber nur in ungenügendem Maße gehandelt wurde. So sind uns – bezogen auf die Flächengröße – viele europäische Nachbarn weit voraus. Es bleibt zu hoffen, dass jetzt Taten folgen. Diese sollten nach erfolgter propagierter Energiewende jedoch zuerst von der Politik kommen. "

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