18.10.2011
Schriftgröße
1 Bewertung(en) Rating
Kraftwerksbau

Kleiner gegen großer Goliath

Deutschlands größte Stadtwerke wollen eine Strom-Allianz bilden und in den nächsten zehn Jahren zehn Milliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien investieren. Damit würden sie zu direkten Konkurrenten der vier großen Stromkonzerne.

 - 
Foto: Rike / pixelio.de

Der Strom-Allianz 8KU gehören unter anderem die kommunalen Versorger in Hannover, Frankfurt, Mannheim und Köln an. Sie wollen mit der Energiewende im Rücken den mächtigen Energiekonzernen RWE, E.on, Vattenfall und EnBW die Stirn bieten. „Wir sind in der Lage, in zehn Jahren zehn Milliarden Euro zu investieren und damit zehn Gigawatt Kraftwerksleistung zu bauen“, sagte 8KU-Koordinator Thomas Prauße, im Hauptberuf Chef der Stadtwerke Leipzig, im Gespräch mit der „Financial Times Deutschland“. Ein großer Teil der Mittel diene zum Ausbau erneuerbarer Energien, sagte er. Besonders die Windkraft steht bei den Investitionen im Fokus, hier steht der polnische Windmarkt im Fokus der Allianz. Aber auch ortsnahe Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung auf der Basis von Gas oder Kohle sollen gebaut werden.

Stadtwerke: Marktanteil von 50 Prozent

Bislang teilten die großen vier Energiekonzerne den Strommarkt unter sich auf. Mittlerweile verfügen kommunale Versorger wie die Stadtwerke jedoch über einen Marktanteil von 50 Prozent am Strommarkt, sind aber in der Erzeugung noch großenteils auf die Konzerne angewiesen. Eigene Kraftwerkskapazitäten könnten dies ändern. Die Zusage einer konkreten Investitionshöhe seitens der Kommunalversorger gab es in dieser Form bisher noch nicht. Die angekündigte Summe würde reichen, um ein Zehntel der momentanen Kraftwerksleistung Deutschlands zu ersetzen und entspricht etwa der von acht großen Kernkraftwerken, berichtet die FTD.

Bisher sind dies allerdings alles nur Ankündigungen und daher mit Vorsicht zu genießen, die konkreten Planungen sind noch nicht angelaufen. Auch sind einige Fragen noch offen: Woher soll das Gas fließen? Und was bedeutet der Bau solcher Großkraftwerke für das Lastprofil des deutschen Stromnetzes, wenn erst die großen Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee ans Netz gehen?

Monitoring-Prozess für die Energiewende

In jedem Fall wünscht sich die Initiative mehr Planungssicherheit bei den Durchführungsbestimmungen seitens der Bundesregierung: „Voraussetzung für die Realisierung der Pläne ist eine entschlossene Umsetzung der Energiewendegesetze“, sagt Prauße. Anlässlich der bevorstehenden Beratungen im Bundeskabinett zum Monitoring-Prozess für die Energiewende am morgigen Mittwoch sind diese Forderungen zeitlich sehr gut platziert. (Daniel Seemann)

Ist dieser Artikel für Sie hilfreich?

Kommentar schreiben

Ihre persönlichen Daten:

Sicherheitsprüfung: (» refresh)

Bitte füllen Sie alle Felder mit * aus! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.