02.01.2012
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Photovoltaik / Einspeisevergütung

Neue Vergütungssätze treten in Kraft

Rekord bei Solastromproduktion ruft wieder Kritiker aufs Feld

Die neuen Vergütungssätze für Strom aus Photovoltaikanlagen treten in Kraft. Die Betreiber neuer Anlagen bekommen jetzt 15 Prozent weniger. Derweil ging das letzte Jahr mit einem Rekord bei der Solarstromproduktion zu Ende. Die Kritiker der Solarstromförderung reagieren reflexartig auf diese Meldung.

 - Mit 18 Milliarden Kilowattstunden liegt die Produktion von Solarstrom auf einem neuen Höchstniveau. Den Anstieg um 60 Prozent erreichte die Branche mit einem Zubau von nur etwa 35 Prozent.
Mit 18 Milliarden Kilowattstunden liegt die Produktion von Solarstrom auf einem neuen Höchstniveau. Den Anstieg um 60 Prozent erreichte die Branche mit einem Zubau von nur etwa 35 Prozent.
Grafik: BSW-Solar

Zum Jahreswechsel traten die verringerten Einspeisevergütungen für Solarstrom in Kraft. Für Strom aus ab diesem Zeitpunkt ans Netz gehenden Photovoltaikanlagen bekommen die Betreiber 15 Prozent weniger Geld als noch im Vorjahr. Für eine Dachanlage mit einer Leistung bis 30 Kilowatt erhält der Besitzer nur noch 24,43 statt vorher 28,74 Cent pro Kilowattstunde. Die Vergütung für Strom aus Dachanlagen bis 100 Kilowatt beträgt jetzt 23,23 Cent. Im letzten Jahr gab es noch 27,33 Cent für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde. Auch die großen Systeme sind von der Kürzung betroffen. Strom aus Anlagen mit einer Gesamtleistung bis ein Megawatt wird nur noch mit 21,98 Cent pro Kilowattstunde vergütet und für noch größere Generatoren bekommen die Betreiber jetzt nur noch 18,33 Cent pro Kilowattstunde.

Solarstromproduktion steigt weiter

Die Absenkung der Förderung für Solarstrom ist im Paragraph 20a des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vom 30. Juni 2011 festgelegt. Dort ist eine jährliche Basisdegression von neun Prozent vorgesehen. Zusätzlich dazu erhöht sich die Verringerung der Einspeisevergütung um einen Prozentwert, der an den jährlichen Zubau von Photovoltaikleistung gekoppelt ist. Für dieses Jahr geht man von einem Zubau von Anlagen mit einer Gesamtleistung von sechs Gigawatt aus. Das wäre ein Zuwachs von etwa 35 Prozent. Die gesamte Produktion von Solarstrom aller Anlagen stieg hingegen um etwa 60 Prozent, wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) mitteilt. Insgesamt haben die Photovoltaikanlagen in Deutschland mehr als 18 Milliarden Kilowattstunden sauberen Sonnenstrom erzeugt. Das entspricht der Strommenge, die das Bundesland Thüringen jährlich verbraucht.

Kostenanstieg für Verbraucher verhindern

Diese Erfolgsmedlung ruft allerdings auch gleich wieder die Jünger der konventionellen Energieerzeugung auf den Plan. Wiederholt argumentieren sie, dass die Kosten für die Förderung der Solarenergie aufgrund der steigenden Stromproduktion aus diesen Anlagen weiter steigen. So wettert der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Bundestag Joachim Pfeiffer im Handelsblatt erneut, dass „der Anstieg bei der Solarstromproduktion verdeutlicht, dass die Entwicklung völlig aus dem Ruder läuft. Ich erwarte von der Regierung, dass sie ihre Zusage zur Begrenzung des Kostenanstiegs einhält“. Unterstützung bekommt er vom Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU). Er erwartet, dass die Solarstromproduktion „Bürger und Unternehmen viel Geld kosten“ werde. Auch der energiepolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Klaus Breil fordert die Entwicklung eines „nachhaltigen Mechanismus, um einen weitere Kostenanstieg für die Verbraucher zu verhindern. Niemand darf sich der Illusion hingeben, die Förderung könne in dieser Form ungebremst weitergehen“, sagt er dem Handelsblatt. Die Koalitionspolitiker fordern jetzt sogar einen Zubaudeckel von 500 Megawatt jährlich. Vorher konnten sich die Kritiker der Solarstromförderung noch einen jährlichen Zubau bis zu einem Gigawatt vorstellen.

Branche fordert Verlässlichkeit der Politik

Der BSW-Solar hingegen fordert die Politik auf, die erst am 30. Juni 2011 verabschiedeten Neuregelungen des EEG wirken zu lassen. „Die Solarbranche braucht politische Verlässlichkeit“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. „Diese ist unverzichtbar für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien und ein attraktives Investitionsklima am Standort Deutschland. Nur so kann der Generationenvertrag zum Umbau der Energieversorgung funktionieren. Nur so kann Deutschland in einem inzwischen hart umkämpften Wachstumsmarkt weiter erfolgreich agieren.“ Körnig verweist darauf, dass die Fortschritte der vergangenen Jahre bei der Kostensenkung auch dazu führen, dass der weitere Ausbau der Solarenergie in Deutschland kostenseitig kaum mehr ins Gewicht fällt. Die Solarbranche hat sich auf große Schritte bei der Absenkung der Förderung eingestellt. Allerdings ist sie bestrebt, mit allen Mitteln einen festen Zubaudeckel zu vermeiden. Wenn die Kosten für die Verbraucher aufgrund der Solarenergie steigen, so liegt das nicht an der Photovoltaik, sondern an den Sonderregelungen, die das EEG für die Befreiung sogenannter energieintenviser Unternehmen bereithält, die von der EEG-Umlage befreit sind. Dadurch verteilen sich die Kosten ausschließlich auf die Kunden, die eigentlich den wenigsten Strom verbrauchen. (Sven Ullrich)

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2 Kommentare zu "Neue Vergütungssätze treten in Kraft "

  1. Craig Morris - 19.01.2012, 13:20 Uhr (Kommentar melden)

    Das ist nicht richtig: 1) Man braucht kein Haus, um in PV zu investieren -- es gibt Bürgeranlagen, und die meisten Windräder in D sind auch in Bürgerhand. 2) Die "Stromriesen" sind nur hinter 7% der EE-Investitionen -- rund die Hälfte sind von Bürgern. 3) Sozialpolitik trumpft Energiepolitik nicht, d.h. wenn Sie um Hartz-IV-Empfänger besorgt sind, sind höhere Raten der richtige Hebel -- nicht niedrigere Stromtarife (die eh nicht mit niedrigere Kosten gleichzusetzen sind, da man den Verbrauch berücksichtigen muss). 4) Wenn man nur aus "Umweltschutzgründen" investieren würde statt aus wirtschaftlichen Gründen, gäbe es keine Energiewende. 5) Die Energiewende wird nicht "zu Lasten des ärmeren Bevölkerungsanteils finanziert" -- z.B. investiert die Stadtbau GmbH in Freiburg auch massiv in PV. Dabei verdient die Statbau GmbH und kann deswegen die Mieten in Sozialwohnungen niedrig halten.

  2. Wolfgang Pollach - 19.01.2012, 13:12 Uhr (Kommentar melden)

    Die Vergütung für die erneuerbare Energie ist eine der unglaublich unsozialsten Maßnahmen per Gesetz ! Warum ? Nach Experten und auch Stiftung Warentest liegt die Rendite bei den Solaranlagen bei 7 - 10 % !Wer baut eine Anlage und erhält das Geld? Der ein Haus und ein Dach hat, oder Finanzkraft für Investitionen hat, oder Fonds und Banken, nach Handelsblatt eine solide Geldanlage, ebenso die Stromriesen Eon RWE usw. D.h. Das Vermögen der bereits vermögenden, wird per Gesetz weiter aufgestockt ! Wer zahlt ? Jeder der kein Haus, kein Dach hat, kein zu investierendes Vermögen hat, Mieter ist, Rentner, Hartz 4 Empfänger ist, usw. dh. die Masse der Bevölkerung des Staates zahlt über die Stromrechnung. D.h. z.B. 3,53 + 19 % Mwst = 4,2 Cent x 3950 Kwst = 166 Euro/Jahr Mehrkosten - 2-Personenhaush. Nach Presse betrug der Zuschuss bis 2010 bereits 40 Milliarden ! Experten schätzen für die heutigen Anlagen infolge der 20 jährigen Garantiezeit bis 2032 mit etwa 100 Milliarden !! Ich behaupte, dass der Antrieb, solch eine Anlage zu bauen zu 99 % nicht aus Gründen des Umweltschutzes rührt , sondern reines Profitstreben ist und er sich keine Gedanken macht, dass ihm der Profit von den ärmeren Nachbarn finanziert wird. - Und das noch per Gesetz - - Ich bin sehr für erneuerbare Energien, sie dürfen aber nicht zu Lasten des ärmeren Bevölkerungsanteils finanziert werden -

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