12.07.2017
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Nach Null-Geboten in Deutschland

Niederländer ändern Offshore-Auktionsregeln

Das Ergebnis der ersten Offshore-Auktion in Deutschland zieht Kreise. Nachdem hierzulande drei Gebote ohne Förderung bezuschlagt wurden, wollen die Niederländer jetzt ihre Ausschreibungsregeln verändern, um so Null-Geboten den Vortritt zu geben.

 - Seit Ende April 2017 komplett am Netz: der 600-MW-Offshorewindpark Gemini vor der niederländischen Küste.
Seit Ende April 2017 komplett am Netz: der 600-MW-Offshorewindpark Gemini vor der niederländischen Küste.
Van Oord

Wie der niederländische Wirtschaftsminister Henk Kamp in einem Brief an das Parlament schrieb, wird bereits die kommende Ausschreibung der Tender Hollandse Kust I und II mit je 350 MW anders ablaufen als die vorherigen. Geplant sind zwei Runden: An der ersten Runde können nur Gebote ohne Förderung teilnehmen. Die Entscheidung für das siegreiche Projekt werden dann nach bereits im Gesetz vorgesehen, aber noch nicht näher spezifizierten Kriterien gefällt. Diese sind:

  1. Erfahrung und Expertise der beteiligten Unternehmen
  2. Qualität des Windpark-Designsdie Leistung des Windparks
  3. gesellschaftliche Kosten
  4. Qualität der Risikoanalyse
  5. Qualität der Maßnahmen, um Kosteneffizienz sicherzustellen

Wenn die erste Runde der 0-Gebote keine Teilnehmer oder Sieger findet, wird es eine zweite Runde geben, die auf den bisherigen Kriterien beruht: Wenn zwei oder mehr Gebote die Bedingungen erfüllen, gewinnt derjenige mit dem niedrigsten Preis pro Kilowattstunde.

Derzeit arbeitet das Wirtschaftsministerium daran, die Kriterien für die Vergabe an Gebote ohne Förderung zu konkretisieren. Daher ist es unwahrscheinlich, dass der Tender Hollands Kust wie geplant im September ausgeschrieben wird. Er soll abernoch im Herbst stattfinden.

Andere Bedingungen als in Deutschland

Wie wahrscheinlich es ist, dass auch in den Niederlanden Projekte ohne Förderung in die Auktion gehen, ist indes unklar. Anders als in Deutschland haben die Projektierer weniger Zeit, um die Windparks zu bauen. Sie können daher nicht so stark von sinkenden Preisen oder verbesserter Technologie profitieren. Auch sind die Windverhältnisse dicht vor der niederländischen Küste schlechter als weit draußen auf der Nordsee, wo die deutschen Projekte gebaut werden sollen.

Auch deshalb stellen sich Marktbeobachter die Frage, wie klug es ist, jetzt im laufenden Spiel die Regeln zu ändern. „Die Idee war ja, insgesamt fünf Tender mit Förderung auszuschreiben“, sagt Michelle de Rijke von der Anwaltskanzlei Bird& Bird in Den Haag. „Viele Unternehmen haben sich also eine entsprechende Strategie überlegt. Jetzt sind sie möglicherweise gezwungen, ein Gebot ohne Förderung abzugeben oder das Risiko einzugehen, dass andere das tun und sie dann keine Chance mehr haben.“ Gleichzeitig sei in vielen Punkten noch völlig unklar, wie die Vergabekriterien ausgestaltet werden und die Frist zur nächsten Ausschreibung für die Unternehmen knapp, um zu reagieren.

Der Vorteil, den sich die Niederlande mit ihrem verlässlichen und viel gelobten System verschafft haben, könnte so verspielt werden. (Katharina Wolf)

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