15.02.2012
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Offshore-Artenschutz

Schallschutz für Nordseewale

Schweinswale orientieren sich im Meer mit ihrem Gehör. Der Schall, der durch das Setzen von Offshore-Fundamenten entsteht, macht die artengeschützten Tiere orientierungslos. Windpark-Betreiber Trianel hat jetzt beim Einrammen der Pfähle einen sogenannten Blasenschleier als Schallschutz genutzt.

 - Die Strömung muss einkalkuliert werden, damit der Unterwasserschallschutz nicht verdriftet.
Die Strömung muss einkalkuliert werden, damit der Unterwasserschallschutz nicht verdriftet.
Foto: Trianel

Seit September befindet sich der Trianel-Windpark Borkum West II in seiner ersten Bauphase. 40 Windenergieanlagen der Fünf-Megawatt (MW)-Klasse des Herstellers Areva Wind sollen hier ab dem nächsten Jahreswechsel Strom produzieren. Der Windpark entsteht 45 Kilometer nördlich von Borkum. Zu den Betreibern gehören neben dem Verbund kommunaler Versorger Trianel GmbH noch rund 33 Stadtwerke und regionale Energieversorger. In dem 56 Quadratkilometer großen Areal leben rund 50 bis 100 Schweinswale.

24 Fundamente wurden bereits in den Meeresboden gerammt. Dieser Montagevorgang verursacht Lärm, der die Tiere bis zur Taubheit stören kann. „Die Offshore-Genehmigungen schreiben die Einhaltung eines Lärmschutzrichtwerts von 160 Dezibel in 750 Metern Entfernung von der Schallquelle vor“, erklärt Trianel-Geschäftsführer Klaus Horstick. Bislang habe es aber keine Technologie am Markt gegeben, die diese Schallschutzwirkung garantieren konnte. Tatsächlich kam der Rammschlag bisher oft mit einer Lautstärke von noch 170 Dezibel und mehr an dem 750-Meter-Radius an.

Mit dem Blasenschleier scheint sie jetzt gefunden worden zu sein. Zur Erzeugung eines solchen Blasenschleiers wird ein perforierter Schlauch mit einer Länge von rund 500 Metern um die Baustelle gelegt und mit Druckluft gefüllt. Diese steigt dann in Millionen kleiner Blasen vom Meeresgrund bis zur Wasseroberfläche. Der Blasenschleier dämmt die Schallwellen und kann den weiter nach außen dringenden Lärm laut Trianel-Sprecher Thyen auf ein Zehntel seiner Ursprungsstärke reduzieren.

Während der Forschungsarbeiten verdriftete die Strömung mehrfach den Blasenschleier; jetzt wird diese Drift vor der Verlegung des Schlauches mit einkalkuliert. Das Verfahren ist nicht gänzlich neu: Zunächst wurde es bei der Sprengung von Minen angewandt, die in Nord- und Ostsee gelandet waren. Jetzt wurde das Verfahren im Rahmen eines Forschungsprojektes des Bundesumweltministeriums weiterentwickelt und erstmals in dieser Größe angewendet. „Früher wurden nur einzelne Pfähle mit einem Blasenschleier versehen. Neu beim Trianel-Windpark ist die Tatsache, dass wir die gesamte Baustelle mit dem Unterwasserschallschutz versehen haben“, sagt Thyen. Vertrieben wird der Unterwasserschallschutz vom Lübecker Unternehmen Hydrotechnik, das es im Rahmen des Forschungsprojektes zusammen mit dem Institut für technische und angewandte Physik der Universität Oldenburg, der Firma Bio-Consult SH sowie mit Trianel für die großtechnische Anwendung weiterentwickelt hat.

Pro Fundament belaufen sich die Einsatzkosten auf rund 125.000 Euro – das bedeutet Zusatzkosten von insgesamt fünf Millionen Euro für die ersten 40 Turbinenfundamente. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat das Projekt begleitet und fordert nun von allen Offshore-Windparkbetreibern, ebenfalls diese Technik anzuwenden.

(Regine Krüger)

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