13.06.2017
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Agora Energiewende veröffentlicht Strategie

So geht Energiewende, Phase 2

Die Denkfabrik Agora Energiewende hat konkrete Ziele und Strategien für die zweite Phase der Energiewende veröffentlicht. Unter dem Titel „Energiewende 2030 – The Big Picture“ beschreibt ein Impulspapier, wie Deutschland sein Klimaschutzziel für 2030 erreicht, die Versorgungssicherheit mit Energie gewahrt wird und Energie für Verbraucher und Industrie bezahlbar bleibt.

 - Was brauchen wir, um die Energiewende zum Erfolg zu bringen? Agora Energiewende stellt konkrete Strategien und Ziele vor.
Was brauchen wir, um die Energiewende zum Erfolg zu bringen? Agora Energiewende stellt konkrete Strategien und Ziele vor.
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Erstmals würden dabei, so heißt es in einer Erklärung, dabei konkrete energiepolitische Zielvorgaben für Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit, erneuerbare Energien und Effizienz für alle drei Energiesektoren – Strom, Wärme, Verkehr – für 2030 vorgeschlagen.

Dabei gehen die Wissenschaftler selbstbewusst vor: Das rund 80-seitige Papier beschreibt sieben zentralen Energie-Megatrends, die jegliche Energiepolitik beachten muss, definiert ein Zielsystem für 2030, diskutiert die zentralen Strategien und Kosten-Nutzen-Abwägungen auf dem Weg dahin und schlägt zehn konkrete Agenda-Punkte für die weitere Gestaltung der Energiewende vor. So wird ein Energiewenderahmengesetz empfohlen, mit dem „die Energiewende erstmals auf ein umfassendes legislatives Fundament gestellt würde“.

Konkret rechnet Agora Energiewende vor, was die Energiewende im Jahr 2030 bedeutet:

  • den Anteil erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch auf 30 Prozent und am Stromverbrauch auf 60 Prozent verdoppeln
  • die Nutzung von Kohle und Erdöl halbieren
  • den Verbrauch von Erdgas um 20 Prozent senken
  • den Energieverbrauch insgesamt um 30 Prozent im Vergleich zu heute reduzieren.

2030 muss die Hälfte geschafft sein

„Das Jahr 2030 ist eine wichtige Wegmarke, denn bis dahin muss die Energiewende zur Hälfte absolviert sein, will man bis 2050 die im Klimaschutzabkommen von Paris verabredete Dekarbonisierung erreichen“, betont Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. „Die gute Nachricht lautet: Die notwendigen Technologien für den Schritt bis 2030 sind alle kostengünstig vorhanden. Die herausfordernde Botschaft ist aber auch: Jetzt geht es nicht mehr um die Integration von ein paar Wind- und Solaranlagen, sondern es steht die umfassende Transformation der Energiesektoren Strom, Wärme, Verkehr an.“

Mit der Agenda Energiewende 2030 will sich Agora Energiewende dafür starkmachen, die Energiewende nicht wie bisher als Stromwende zu betrachten, sondern auch die Wärme- und Verkehrswende anzugehen. „Während Deutschland bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht hat und damit die Grundlage für die Dekarbonisierung in diesem Sektor gelegt sind, stehen wir bei Wärme und Verkehr noch ganz am Anfang. Denn die Biomasse-Strategie, mit der die Bundesregierung ursprünglich Wärme und Verkehr klimafreundlicher machen wollte, ist nicht aufgegangen. Jetzt werden bei Wärme und Verkehr Energieeffizienz und die Nutzung von Wind- und Solarstrom über Elektromobilität und Wärmepumpen im Zentrum stehen – und nach und nach auch strombasierte Heiz- und Kraftstoffe.“

"Efficiency first" soll für alle gelten

In der zweiten Phase der Energiewende werde Energieeffizienz einen ganz anderen Stellenwert bekommen müssen als bisher, meint Graichen. Unter dem Leitprinzip "Efficiency First" sollte jede Planung und Investition bei Strom, Wärme und Verkehr zunächst daraufhin überprüft werden, ob nicht Energieeffizienz die kostengünstigste Lösung ist: „Wenn Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit gelingen sollen, muss Energieeffizienz eine ganz andere Bedeutung bekommen als bisher. Soviel erneuerbare Energien und Netze, wie wir ohne Effizienz bräuchten, können wir gar nicht bauen.“

Illustriert wird das „Big Picture“ mit Karten, die zeigen, wie sich die Stromerzeugung und der Energieverbrauch in den Bundesländern bis 2030 im Vergleich zu 2015 ändern sowie von Grafiken, die beispielhaft zeigen, welche Auswirkungen die Transformation auf dem Land, in der Stadt, für die Industrie und in Braunkohlerevieren haben könnte. „Zu sehen ist darauf, dass wir 2030 noch voll im Wandel stecken: Wir werden neben neuen Wind- und Solaranlagen weiterhin fossile Kraftwerke betreiben, die Versorgungssicherheit herstellen, aber immer seltener laufen. Wir werden zehn bis zwölf Millionen Elektroautos haben, vor allem in der Stadt, doch der Verbrennungsmotor wird ebenfalls noch sehr verbreitet sein – vor allem auf dem Land. Die Hälfte der Häuser ist saniert, viele Häuser werden ihre Heizwärme aus hocheffizienten Wärmepumpen und aus Wärmenetzen beziehen – aber ebenso viele werden noch mit Gas oder sogar teilweise noch mit Öl heizen“, sagt Graichen.

Das Impulspapier „Energiewende 2030 – The Big Picture“ wird morgen, 15. Juni, der Fachöffentlichkeit in Berlin vorgestellt und von Experten aus Gesellschaft, Industrie und Politik kommentiert. Die Veranstaltung wird unter www.agora-energiewende.de/de/livestream live im Internet übertragen. Die Studie steht zum kostenlosen Download unter www.agora-energiewende.de zur Verfügung.

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