06.01.2012
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Umfrage Bioenergiejahr 2012: Biogas und Holzpellets

Umbruch – und Stagnation?

Für die Biogasbranche hat eine neue Ära begonnen. Die Holzpelletsbranche tritt in der Spur und zweifelt, dass sich dieses Jahr etwas ändern könnte.

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Fotos: Pixelio.de, Grey59, Andreas Pott

Die starken Jahre des Zubaus von Biogas sind vorbei. Das EEG 2012, seit 1. Januar 2012 in Kraft, wird der Branche weniger Zubau als die Jahre zuvor bringen. Ob die vom Gesetz favorisierten Hofanlagen bis 75 Kilowatt elektrische Leistung tatsächlich in großer Zahl gebaut werden, was auf Messen bekundetes Interesse erwarten lassen könnte, wird sich zeigen. Die Branche ist unterschiedlicher Ansicht. Auch werden die kleinen Anlagen den Biogasanlagenbauern wohl keine großen Umsätze bringen.

Markt wird enger

Biomethananlagen werden zwar durch das neue EEG 2012 besser gestellt, doch einen Zubauboom auf diesem Sektor erwartet keiner. Und einem Liebeskind der Politik, mehr biogene Reststoffe in Biogasanlagen unterzubringen, wird von Seiten der Branche kein großes Potenzial eingeräumt. Die Stoffe sind bereits verteilt. Unter dem Regime des EEG 2012 könnten hier und da Entsorger vereinzelt selbst vermehrt in die Produktion von Biogas aus biogenen Reststoffen eintreten.

Kollektives Wechseln zu Direkt

Die Umbrüche bergen auch neue Chancen. Die Direktvermarktung von Strom aus Biogas ist das zentrale Thema 2012. In der Branche gibt man sich vorsichtig und abwartend, wie umfassend dieses Thema in diesem Jahr bereits durchschlagen wird. Nur wenige wagen eine Prognose, wie sich das Kollektive Wechseln in die Direktvermarktung in Zahlen ausdrücken wird. Prognostiziert wird, dass in den nächsten zwölf Monaten 25 bis 35 Prozent der Bestandsanlagen in die Direktvermarktung wechseln. Bei den Neuanlagen könnte dieser Anteil auf über 75 Prozent der Neubauten steigen.

Hintertür Direkt?

Biogasanlagen-Neubauwillige könnten über die Direktvermarktung aus einer Klemme. Die Klemme ist, dass Neuanlagen, die das Gas direkt vor Ort verstromen, nach dem EEG 2012 ab dem zweiten Betriebsjahr mindestens 60 Prozent der bei der Stromerzeugung anfallenden Abwärme nutzen müssen. Die neuen Spielregeln sagen: Ohne Mindestwärmenutzung keine Vergütung nach EEG. Für Anlagen, die ihren Strom direkt vermarkten, gibt es diese Vorgabe aber nicht. Das EEG garantiert eine Marktprämie, die eine mögliche Lücke zwischen Erlösen aus der Direktvermarktung von Strom und dem, was eine vergleichbare Anlage als Vergütung nach dem EEG 2012 erhalten würde, füllt. Somit kommen Biogasanlagen, die an sich nicht die Kriterien des EEG bezüglich der Wärmenutzung erfüllen, über einen Umweg doch gegebenenfalls zu Geld nach EEG in Form der Marktprämie, wenn sie Strom aus ihrer Anlage direkt vermarkten. Ob und inwieweit sich das in nicht erwarteten Zubauzahlen niederschlägt, bleibt abzuwarten. Denn dieser Weg, Neuanlagen über Direktvermarktung an den Start zu bekommen, birgt auch Hürden: Eine sind die Banken. Während eine Vergütung von Strom nach EEG für 20 Jahre garantiert ist, ist nicht klar, wie lange die Marktprämie gezahlt wird. Banken könnten bei der Kreditvergabe zur Finanzierung von Biogasprojekten zögern, wenn ihnen aufgrund der unklaren Gesetzeslage die Sicherheiten nicht genügen.

Wärmemarkt Holzpellets tritt auf der Stelle

Für Holzpellets entwickelt sich der Wärmemarkt in Deutschland seit Jahren unbefriedigend. In den letzten Jahren ist eine Absatzstagnation von 15.000 bis 20.000 Pelletfeuerungen pro Jahr zu verzeichnen. Der Pelletpreis lag im vergangenen Jahr stabil um 30 bis 40 Prozent unter dem Heizölpreis, bezogen auf die Kilowattstunde Wärme. Die staatliche Förderung für Pelletfeuerungen erlebte ein besonderes Jahr: Sie blieb mal von der Politik unangetastet in Form von Abänderungen oder sonstigen Interventionen. Der Modernisierungsstau in deutschen Heizungskellern drückt mit jedem Jahr mehr. Rund 2 Millionen Heizkessel im Bestand gelten als vollkommen überaltet. Trotzdem wächst für Pellets der Wärmemarkt nicht. Die Branche führt dies auf die Verunsicherung der Verbraucher zurück, wie sich die Förderung entwickelt, so dass diese in eine abwartende Haltung verfallen – hinzu käme auch Orientierungslosigkeit, welche der vielen angebotenen Wärmetechniken denn nun die richtige ist. Doch es gibt auch Stimmen in der Branche, die das Auf-der-Stelle-Treten mit anderen Faktoren in Verbindung zu bringen. Österreich liefert den Beweis: Obwohl dort die staatliche Förderung deutlich unübersichtlicher, diskontinuierlicher und auch in der Höhe schlechter als in Deutschland ist, sind in manchen Bundesländern Heizölkessel mittlerweile die Nische und Biomassefeuerungen Standard. Weil das Heizen mit Holz in Österreich Tradition besitzt.

Baustelle Installationsgewerk

Also geht es um mehr Selbstverständlichkeit von Heizen mit Holz an sich. Das aber gelingt nur über stärkere Verbreitung, so dass Heizen mit Holzpellets irgendwann als so selbstverständlich angesehen wird wie heute das Heizen mit Heizöl oder Erdgas. Eine wesentliche Aufgabe wird für die Pelletbranche 2012 sein, mehr und mehr Installateure für den Einbau von Pelletfeuerungen zu gewinnen. Denn die Empfehlung eines Installateurs hat in der Regel erhebliches Gewicht, welche Entscheidungen im Wohnzimmer oder am Küchentisch getroffen wird: Auf ihre Empfehlung zur Heizungswahl hören viele Kunden. Ein Manko bleibt der vergleichsweise hohe Anschaffungspreis für Holzpelletsysteme.

Novelle des EEWärmeG

Somit könnte das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) plötzlich zum Verbündeten auf einer anderen Ebene neben Forderungen nach finanziellen Unterstützungen für Biomassesysteme in Form von Zuschüssen oder Steuererstattungen werden. Seit 1. Mai 2011 müssen öffentliche Gebäude bei umfassenden Sanierungen einen Anteil Erneuerbare Energien bei der Wärmeversorgung einbauen. Das birgt das Marktpotenzial Vorbildeffekt. Denn Kommunen, wie auch Gewerbebetriebe oder Industrie, entscheiden bei der Wahl des Systems auch betriebswirtschaftlich. So könnten diese Investoren den "Beweis" liefern, dass sich ein Pelletsystem trotz vergleichsweise hoher Anschaffungskosten über die Jahre finanziell im Vergleich zu Heizöl oder Erdgas lohnt. Zugleich würde anschaulich gezeigt, dass solche Systeme "funktionieren". (Dittmar Koop)

Online bringen wir nachfolgend die Einschätzungen der Akteure der Biogas- und Holzpelletsbranche, die sich an unserer Jahresumfrage 2012 Beteiligten. Eine Darstellung von Einschätzungen aus den Bioenergie-Geschäftszweigen Bioethanol und Kurzumtriebsplantagen finden Sie außerdem in den Beiträgen Druck am markt bleibt und Gar nicht schnell wachsend den letzten beiden Links:

 
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