14.01.2016
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Vorschläge und Argumente zu Vogelschutz und Windkraft

In der vergangenen Woche berichteten wir über eine neue, noch unveröffentlichte Studie zum Thema Vogelschutz und Windkraft. Der Artikel und ein vorangegangener Bericht in der Süddeutschen Zeitung erhitzten die Gemüter unserer Leser. Deshalb geben wir an dieser Stelle einem Vogelschutzexperten und Windparkplaner Gelegenheit, das Thema zu vertiefen.

 - Der Rotmilan: 1,5 Kilometer Abstand oder 1 Kilometer?
Der Rotmilan: 1,5 Kilometer Abstand oder 1 Kilometer?
Foto: Wikipedia

Hartwig Schlüter von der Enerplan Projektentwicklung GmbH in Göttingen schreibt zu unserem Artikel und dem in der Süddeutschen: "Der Artikel in der SZ macht den dringenden Handlungsbedarf deutlich! Windprojekte dürfen nicht durch vorgeschobene Naturschutzargumente verhindert werden. Wir tragen alle eine hohe Verantwortung für die Validität unserer Argumente!" Er sagt, das Helgoländer Papier werd als der zu beachtende Maßstab hingestellt! Doch nach seiner Auffassung verstoßen die Autoren von der Landesarbeitsgemeinschaft Vogelschutzwarten "unverhohlen mehrfach und massiv gegen wissenschaftliche Standards."

Der Verhaltensforscher Oliver Krüger präsentiere zudem eine "äußerst fragwürdige Studie. Die Studie fällt schon bei einem groben Plausibilitätscheck durch." Es gebe eine deutliche Zunahme von ziehenden Rotmilanen im Bereich von Bergpässen seit etwa zehn Jahren. Was im krassen Widerspruch zu Krügers Bestandsprognosen stehe. "Der 'Verhaltensforscher' Krüger unterschlägt ein maßgebliches Wesensmerkmal des Rotmilans – der Rotmilan ist ein Nahrungsopportunist. Vermeidet man den Anlockeffekt durch Kleinsäuger, indem man die Mastfußbrache durch eine wassergebundene Kalkschotterschicht ersetzt, wird der Nahbereich von Windenergieanlagen für Rotmilane wesentlich uninteressanter", argumentiert Schlüter (siehe Fotos unten).

 - Rasenfläche auf Windkraft-Fundament mit Mäuselöchern.
Rasenfläche auf Windkraft-Fundament mit Mäuselöchern.
Foto: Enerplan

 - Fundament mit für Nager unattraktiver Schotterabdeckung.
Fundament mit für Nager unattraktiver Schotterabdeckung.
Foto: Enerplan

Der Mäusebussard sei wie der Uhu ein Ansitzjäger und eher ein „Tiefflieger“. Aus diesem Grund müsse man hinsichtlich des Kollisionsrisikos immer auch den freien Luftraum unter dem Rotor berücksichtigen und diskutieren. Windenergieanlagen seien nicht alle gleich. "Die Aufenthaltswahrscheinlichkeit des Mäusebussards nimmt mit zunehmender Höhe über Geländeoberkante exponentiell ab! Am nachfolgenden Beispiel zum Uhu wird das deutlich."

Zudem sei es unseriös, sich nur eines von vielen Mortalitätsrisiken herauszunehmen - die Kollisionsgefährdung mit Windenergieanlagen, während andere weitaus gravierendere und vor allem vermeidbare Risiken wie zum Beispiel die Ausnahmeregelung für die Bahn in Paragraph 41 BNatSchG mehrfach höher seien. "Risiken können nur durch quantitative Risikoanalysen angemessen beschrieben werden – der Einzelfall muss bei seröser Analyse immer in den Gesamtzusammenhang eingeordnet werden."

Schlüters Fazit: "Die Studie ist eine Kampfansage, Herr Krüger und Kollegen wollen sich offenbar ein Scheinproblem erhalten. Krüger und Kollegen betreiben Windenergieanlagen-Bashing mit durchsichtiger wissenschaftlicher Tarnung. Krüger und Kollegen verstoßen gravierend gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis. Die Mitglieder der „Projektbegleitenden Arbeitsgruppe“ (PGA) dulden diese Verstöße; was ebenfalls ein gravierender Verstoß gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis ist." Er fordert zudem, dass sich der BWE uneingeschränkt zu den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis bekennt und deren Einhaltung strikt einfordert. Das heißt, er sollte seine Vertreter aus diesem Gremium (PGA) zurückziehen, um nicht in den Geruch eines Windkraftverhinderungsvereins zu geraten."

  • Das Kollisionsrisiko des Uhus ist bei modernen Windenergieanlagen (freier Luftraum größer als 60 Meter) unterhalb der Bagatellgrenze. http://www.oekon.de/cms/upload/pdf/oeKon-Besendertes_Uhu-Hoehenflugmonitoring_-_Natur_in_NRW_3-2015_35-39.pdf . Einen Datensatz dazu ist im Anhang – wenn der Uhu nicht im Gefahrenbereich des Rotors fliegt, ist er durch den Rotor auch nicht gefährdet (s. Anhang „160107Miosga…“).
  • Das Kollisionsrisiko von Rotmilan, Mäusebussard und Uhu ist insbesondere bei modernen Windenergieanlagen mit großem „freien Luftraum unter dem Rotor“ unterhalb der Bagatellgrenze. Insbesondere wenn man den Anlockeffekt durch Kleinsäuger vermeidet.

Rotmilan und Windkraft - Vortrag

Uhu Zählung

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3 Kommentare zu "Vorschläge und Argumente zu Vogelschutz und Windkraft "

  1. Dr. Michael Stiehl - 18.01.2016, 17:04 Uhr (Kommentar melden)

    Nach meinem Eindruck versucht der Autor mit unsachlichen Argumenten und unbewiesenen Behauptungen die wissenschaftliche Reputation von Herrn Prof. Krüger zu untergraben. Und dass, obwohl er die Progress-Studie gar nicht gelesen haben kann, da sie noch nicht veröffentlicht worden ist. So etwas halte ich für einen eklatanten "Verstoß gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis"!

  2. Thomas Klodt - 14.01.2016, 19:36 Uhr (Kommentar melden)

    Bis März 2010 konnte der Kormoran in NRW zum Schutze der Süßwasserfischer abgeschossen werden. Danach wurde er als „windkraftsensible Art“ eingestuft! Funde in NRW bis Sommer diesen Jahres unter Windenergiealagen: NULL (0) !! In Bayern dürfen weiterhin Kormorane abgeschossen werden, selbstverständlich auch in NSG und Europäischen Vogelschutzgebieten!! Laut der bekannten Dürr-Fundliste sind 76 Vögel in NRW in den letzten 20 Jahren gefunden worden. Das entspricht nicht einmal der Hälfte dessen, was der Posttower in Bonn pro Jahr „schafft“: 200 tote Vögel an einem Gebäude laut Untersuchung aus dem Jahre 2006/2007.
    Es wird aller höchste Zeit, das Thema "Windenergie & Avifaunistik" richtig einzuordnen.

  3. Rolf Thiele - 14.01.2016, 12:55 Uhr (Kommentar melden)

    Ein erfrischende Gegendarstellung. Vielen Dank!

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