16.02.2017
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Interview mit BWE-Präsident

"Wir können die Entwicklung nach vorne ziehen"

Die Windindustrie hat in Deutschland wieder ein erfolgreiches Jahr hinter sich – mit 4,6 GW neu errichteter Windkraft an Land. Dennoch fordern die Windenergieverbände nun schnelle Maßnahmen der Politik, weil sie Turbulenzen des Energiemarktes unter dessen noch unstimmigen Regeln befürchten. Ein Interview mit dem Präsidenten des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers.

 - Hermann Albers
Hermann Albers
BWE/Silke Reents

„Ein gutes Jahr“ und, es sei gelungen, den Übergang zu glätten: zwischen dem bisherigen Vergütungssystem mit gesicherten Einspeisetarifen für alle genehmigten Windparkprojekte zu einer Vergütung nur nach gewonnenen Ausschreibungen. So bewerten die Organisationen der Windkraftindustrie, BWE und Windenergieabteilung des Maschinenbauverbandes VDMA, die Installationsergebnisse in Deutschland des vergangenen Jahres. Bei ihrer gemeinsamen Präsentation der vom Analyse-Dienstleister Deutsche Windguard erstellten neuen Jahresstatistik am Dienstag machten die Führungen beider Organisationen deutlich, dass die Windindustrie sich für den neuen Markt der Ausschreibungen gerüstet sieht. Dieser entsteht bis 2019, weil das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ab 2017 ein Auslaufen der gesicherten bisherigen Vergütung bis Ende 2018 vorsieht und ab 2019 nur noch die 2017 startenden Auktionen neuer Vergütungsrechte.

Dennoch sehen die Windenergievertreter auch Gefahren für den deutschen Windmarkt, die zu ernsthafter Verunsicherung der Branche führen können. So forderte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE), eine rasche Überprüfung der ebenfalls im EEG 2017 eingeführten Netzausbauregion. Nach dem ersten Ausschreibungsjahres 2017 müsse evaluiert werden, was an Windenergienutzung durch die künstliche Reduzierung des Zubaus in den bisherigen Windenergie-Konzentrationsregionen Norddeutschlands herausfalle. Und wo sinnvollerweise korrigiert werden müsse. Die Netzausbauregion soll den starken Zubau in den besonders windreichen Küstenländern Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und weiten Teilen Niedersachsen begrenzen, um die dort mitunter durch starke Wind- und Sonnenstromeinspeisungen gefüllten Netze zu entlasten. Diese Begrenzung soll so lange anhalten, bis die Netzbetreiber ihre Leitungen wieder genügend ausgebaut haben, um große Windstrommengen verlässlich in die Regionen mit großem Stromverbrauch zu garantieren.

Vor allem auf die Sektorenkopplung setzen beide Windenergieorganisationen ihre Hoffnung. Hier müssten rasch Regelungen folgen, um das im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eröffnete Fenster für die Nutzung überflüssigen Stroms für das Erhitzen von Warmwassertanks weiter aufzumachen: Wind- und Sonnenstrom könnte dann auch in die Energieversorgung des Verkehrs bei Elektromobilität fließen oder auch in die Produktion sogenannten Windgases, das sich entweder in Strom rückverwerten oder für Wärmeerzeugung nutzen ließe. Bislang stehen wirtschaftlichen Sektorenkopplungsprojekten allerdings steuerliche Hürden entgegen.

„Der Bedarf an Sektorenkopplung wird wachsen“, sagte Hermann Albers. Die Windbranche sei für die entsprechenden technischen Lösungen bereit. Der Geschäftsführer der für die Windturbinenbauer zuständigen VDMA-Sparte Power Systems, Matthias Zelinger, warnte lediglich vor einem falschen Vorgehen: „Sektorenkopplung sollte nicht eingeführt werden, damit wir mehr Stromabsätze haben. Sondern wir müssen eine Situation bekommen, in denen Firmen Sektorenkopplung machen, weil sie Bedarf daran haben, CO2-freie Energie zu nutzen.“

Im Gespräch mit ERNEUERBARE ENERGIEN schildert BWE-Präsident Hermann Albers, welche Impulse er aus dem starken Installationsjahr der Windbranche für die rasche Weiterentwicklung des Energieversorgungssystems erhofft.

Lesen Sie das Interview auf der nächsten Seite . Der nachfolgende Link führt Sie zum Bericht über das gute Windpark-Installationsjahr 2016

 
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