Offshore-Windkraft mit hoffentlich bald auch japanischen Wurzeln (Symbolbild: Ginseng-Wurzeln)
Foto: MEV-Verlag, Germany

Offshore-Markt

2024 erster großer küstenferner Offshore-Windpark Japans?

Die Bekanntgabe einer Investition des Regionalversorgers TEP rückt Japans ersten Meereswindpark in Reichweite. 700 Megawatt (MW) könnten 2024 einspeisen.

Inhaltsverzeichnis

Tilman Weber

Tohoku Electric Power (TEP) ist der Regionalversorger in der Region auf Japans größter Insel, die das nördliche Drittel des Landgebietes dort ausmacht. Ohne zunächst nähere Angaben zur Größe der Investition legt sich TEP offenbar auf eine Beteiligung an dem 700 Megawatt (MW) großen Offshore-Windpark Akita Yurihonjo fest, das Japans Erneuerbare-Energien-Unternehmen Renova anführt. Nachdem Renova vor gut zwei Jahren, Anfang 2017, eine Machbarkeitsstudie für zunächst 560 MW in einem Windfeld vor der zur Region Tohoku gehörenden Seehafenstadt Akita angekündigt hatte, zeichnen sich nun zunehmend die konkreten Daten ab. So wird der Windpark zwar möglicherweise nicht der absehbar größte, aber doch vielleicht der erste große kommerzielle Windpark Japans außerhalb von Flachwasser- und Hafenzonen. 2024 soll der Netzanschluss des Projekts stattfinden, heißt es nun.

Offshore-Planungen bis hin zum Gigawatt-Windpark

In der im Süden dieser Region angrenzenden Hauptstadt-Region Kanto, bereitet seit 2013 Japans größter Energiekonzern Tepco seinen wohl noch größeren Windkraft-Schritt in die See vor. Der Betreiberkonzern des 2011 havarierten Atomkraftwerks Fukushima startete damals zu Entwicklungszwecken zusammen mit Hochschulforschern den Testbetrieb einer 2,4-MW-Anlage von Mitsubishi im Hafengebiet der bei Tokyo gelegenen Seestadt Choshi – noch gut 200 Kilometer südlich des Katastrophenortes. Anfang 2018 rief Tepco den Beginn des ersten kommerziellen Betriebs für die 2,4-MW-Turbine im Wasser keine fünf Kilometer vor Choshi aus. Japans erster Energiekonzern plant derweil nun die Installation eines ein Gigawatt (GW) großen Windparks auf See vor, ebenfalls im Seegebiet vor Choshi. Bereits im Januar dieses Jahres berichteten darüber die japanischen Medien. Bei einem Investitionsvolumen von acht Milliarden Euro will Tepco aber wohl das Kapital dafür nicht alleine aufbringen: Mitte Januar gaben Tepco und der dänische Energiekonzern und weltweit führende Offshore-Windparkbetreiber Ørsted bekannt, dass sie das Windparkprojekt in Zusammenarbeit vorantreiben wollen.

Entstehen auch Japans Flachwasserwindparks noch?

Als weiteres noch etwas größeres Projekt hatte zuletzt noch das 244-MW-Vorhaben im Nearshore-Bereich der gut fünf Kilometer breiten Flachwasserzone vor der Küstenstadt Kitakyushu für öffentliche Aufmerksamkeit. Im Januar 2018 unterzeichneten die Stadt Kitakyushu und das von den mehreren investierenden Firmen gebildete Konsortium Hibiki Wind Energy zum Bau eines Windparks eine Einigung über die Nutzung der Hafeninfrastruktur zum Bau des Windparks. Zudem meldeten Investoren in vergangenen Jahren auch immer wieder Pläne für schwimmende Windparks im Gefilde des Inselstaates an.

Tokio verabschiedete Offshore-Regeln

Erst im November 2018 allerdings hat die japanische Regierung den Anstoß für konkretere Planungen auch für größere Offshore-Windparks jenseits eher kleiner Testfelder in Hafengebieten gegeben. Die beiden parlamentarischen Kammern des Landes verabschiedeten so im vergangenen Herbst ein Gesetz, dass ein neues Ausschreibungsregime für Offshore-Windparks einführt und regelt. Laut damaligen Erwartungen der japanischen Windenergievereinigung sollten die ersten Ausschreibungen spätestens im Sommer dieses Jahres starten. 2016 hatte Japan bereits ein Gesetz zur Regelung der Zulassung und Vergütung kommerzieller Nearshore-Windparks in Hafenregionen erlassen, wo sich neue Windkraft- Technologie zunächst noch erproben ließe.

Japans Regierung will 2030 über eine Versorgung durch Windenergie im Land mit einer Erzeugungskapazität von zehn Gigawatt in Windparks an Land und auf See verfügen. Mit Blick auf die absehbaren Vorbereitungen der japanischen und ausländischen Investoren gab der Marktanalysedienst Wood Mackenzie als Prognose aus, dass bis Ende 2028 rings um die japanischen Küsten etwa vier Gigawatt nationale Offshore-Windkraft-Kapazität stehen dürften.

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