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Sektorkopplung praktisch angewendet – Teil 2

Elektroautos stützen das Netz

In den Niederlanden probieren Next Kraftwerke und Jedlix aus, wie Elektroautos das Stromnetz stützen können. Es wird ein neues Geschäftsmodell für Elektroautofahrer.

Elektroauto Tesla
 - Nicht nur im gehobenen Segment sind Elektroautos teurer als Beziner oder Diesel. Doch mit der Vermarktung von Regelleistung können die Autobesitzer die Mehrkosten wieder reinholen.
Nicht nur im gehobenen Segment sind Elektroautos teurer als Beziner oder Diesel. Doch mit der Vermarktung von Regelleistung können die Autobesitzer die Mehrkosten wieder reinholen.
Jedlix

Welchen Beitrag Elektroautos für die Stabilität des Stromnetzes bringen können, untersucht Jedlix, ein Betreiber einer Plattform für intelligente Ladekonzepte mit Sitz in Rotterdam, zusammen mit Next Kraftwerke. Die beiden Projektpartner wollen mit den Batterien von Elektroautos Systemdienstleistungen für das Netz anbieten. Hier geht es vor allem um die technische Machbarkeit von Sekundärreserve, die die beiden Unternehmen im Auftrag des Netzbetreibers Tennet untersuchen.

Datenaustausch in Echtzeit

Zwei Jahre lang wird Jedlix automatisch Sekundärreserve über seine Elektrofahrzeugflotte und seine Smart-Charging-Lösung anbieten. Next Kraftwerke stellt die Anbindung an den Übertragungsnetzbetreiber Tennet her und vermarktet die vernetzte Leistung am Regelenergiemarkt. Jedlix steuert dabei die Ladevorgänge der Elektrofahrzeuge über seine Plattform. Die Autos sind dazu über eine Fernsteuereinheit mit dem Leitsystem von Next Kraftwerke verbunden und können von dort überwacht und gesteuert werden.

Der Datenaustausch in Echtzeit macht es möglich, dass Jedlix Sollwerte von Next Kraftwerke erhält und das Ladeverhalten der Elektrofahrzeugflotte daraufhin abstimmt. Auf der anderen Seite steuert Next Kraftwerke das Ladeverhalten anhand vorher hinterlegter Einstellungen so, dass sowohl positive als auch negative Sekundärregelleistung angeboten werden kann. Das heißt, die Batterien sind niemals ganz voll oder ganz leer.

Aus der Kombination von Nutzereinstellungen, Fahrzeugdaten und den Informationen der Ladestation ist es Jedlix möglich, kontinuierliche Prognosen über die vorgehaltene Leistung zu generieren. Next Kraftwerke nutzt diese Prognosen für die Gebote bei der Regelenergieauktion. Um etwaige Prognoseabweichungen aufzufangen, greifen Next Kraftwerke und Jedlix auf andere Reserven im Virtuellen Kraftwerk Next Pool zurück – etwa Kapazitäten aus Gewächshausbeleuchtung, Wind- und Solarenergie, Biogasanlagen oder BHKW von Gewächshäusern.

Geschäftsmodell für Elektromobilisten

Doch auch die Nutzer der Elektroautos von Jedlix müssen bei dem Projekt mitmachen. Sie können deshalb nicht nur über eine App Informationen über den aktuellen Zustand der Fahrzeugbatterien abrufen. Sie bekommen auch einen finanziellen Anreiz, wenn sie die Flexibilität der Batterie beim Laden zur Verfügung stellen. „Dieses Pilotprojekt ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg dahin, auch Privathaushalte zur Stabilisierung von Stromnetzen heranzuziehen und ihnen hierdurch neue Einkommensmöglichkeiten zu bieten“, erläutert Paul Kreutzkamp, Geschäftsführer von Next Kraftwerke Belgium, die Vorteile für die Elektroautofahrer und für die Netzbetreiber. „Die Integration des immer weiter wachsenden Pools an Elektrofahrzeugen und smarten Lademöglichkeiten bietet den Fahrzeugbesitzern die Möglichkeit, das Maximum aus ihren Fahrzeugen herauszuholen und einen wertvollen Beitrag zur Stabilisierung der Netze zu leisten“, ergänzt Ruben Benders, Geschäftsführer von Jedlix. (Sven Ullrich)