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Frankreich

Frankreich: Regierung legt Photovoltaik auf Eis

Die französische Regierung setzt die Bearbeitung von Tarifgenehmigungen für Photovoltaikanlagen für drei Monate aus. In dieser Zeit will sie den Solarmarkt im Lande neu ordnen. Die französische Solarbranche befürchtet eine weitere Absenkung der Tarife.

Sonelanlage
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Per Dekret setzt das französische Umweltministerium für die nächsten drei Monate die Bearbeitung aller Anträge auf Gewährung des gesetzlichen Tarifs beim Netzanschluss von Photovoltaikanlagen über drei Kilowatt aus. Nach ersten Schätzungen aus der Industrie liegen damit Photovoltaikprojekte im Umfang von 350 Megawatt und einem Investitionsvolumen von etwa 1,5 Milliarden Euro auf Eis. Die französische Regierung will in dieser Zeit die einen neuen Einspeisetarif erarbeiten. Dabei will sie die französische Solarbranche beteiligen. Dennoch erwartet diese erhebliche Tarifabsenkungen. Das betrifft vor allem große Freiflächenanlagen, die sich noch im Planungsstadium befinden und bisher noch keine Tarifzusage haben.

Paris jongliert mit Zahlen

Die Photovoltaik-Branche in Frankreich reagiert fassungslos und verärgert auf die dreimonatige Sperrfrist. Es regt sich Widerstand. Klagemöglichkeiten gegen das Dekret werden erwogen, wie Sibylle Weiler berichtet Sie ist Anwältin bei Sterr-Kölln amp; Partner, einem Beratungsunternehmen für erneuerbare Energien und Energieeffizienz. „Die Regierung in Paris fürchtet, dass die Photovoltaik zu teuer wird“, sagte sie gegenüber Erneuerbare Energien. Denn nach einem dynamischen Jahr für die französische Solarbranche rechnet die Regierung vor, die Ziele vom Umweltgipfel 2007 seien erreicht. Demnach strebt Frankreich an, bis 2012 1.100 Megawatt zu installieren. Nachdem bereits Ende 2010 Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 850 MWp in Betrieb sind, würden die Ziele bei einer weiteren Förderung durch einen günstigen Tarif für Solarstrom überschritten, was dann zu kostspielig werde. Sibylle Weiler warnt jedoch davor: „Mit diesen Zahlen muss man sehr vorsichtig sein.“ So sei es fraglich, ob alle jetzt geplanten Projekte überhaupt realisiert werden.

Nach Tarifabsenkungen im Januar und September dieses Jahres musste die französische Solarbranche schon die Erhöhung der Netzanschlusskosten hinnehmen. Sie betrugen seit 2008 nur 60 Prozent der tatsächlichen Kosten. Seit der Veröffentlichung des Gesetzes zur Neuordnung des französischen Elektrizitätsmarktes Anfang Dezember 2010 müssen sie die Anschlusskosten für Photovoltaikanlagen in voller Höhe tragen. Davon sind jetzt auch Anlagen betroffen, die zwar schon eine wirksame Tarifzusage haben, aber noch nicht errichtet sind. Für sie muss nun ein neuer Netzanschlussantrag gestellt werden, wodurch der „40-Prozent-Rabatt“ entfällt.