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Prototyp Hybriddrive/W2E

Fuhrländers Drei-MW-Konzept im Test

Gut ein Jahr seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens gegen den Westerwälder Turbinenhersteller Fuhrländer ist dessen letzte neue Windturbinenentwicklung nun als Prototyp errichtet worden. Das Besondere: Die Drei-Megawatt-Anlage enthält als Antrieb das bislang kompakteste Getriebe der Branche.

Prototyp FL-3000-120
 - Der Prototyp der Drei-MW-Anlage des früheren Turbinenherstellers Fuhrländer: Mit Kompaktgetriebe und 120-Meter-Rotor. ins Binnenland. Die Regie des Prototypenbetriebs führen wohl W2E und Winergy.
Der Prototyp der Drei-MW-Anlage des früheren Turbinenherstellers Fuhrländer: Mit Kompaktgetriebe und 120-Meter-Rotor. ins Binnenland. Die Regie des Prototypenbetriebs führen wohl W2E und Winergy.
Winergy/W2E

In Kankel bei Rostock ist die Windkraftanlage mit einem Rotordurchmesser von 120 Metern und einer Nabenhöhe von 100 Metern inzwischen errichtet und ans Netz angeschlossen worden. Demnächst soll sie auch das Einspeisen starten, wie Getriebezulieferunternehmen Winergy mitteilte. Während des Insolvenzverfahrens, das im August mit der endgültigen Schließung des Unternehmens endete, hatte das Anlagenentwicklungsbüro W2E den Aufbau der schon designten Anlage organisiert und den Rohling des Antriebs, des so genannten Hybriddrives, zusammen mit Winergy durch die Komponentenzertifizierung beim Tüv Rheinland gebracht.

Das Unternehmen W2E entwickelte als Partner und Tochterunternehmen von Fuhrländer auch die vorangegangene 2,5-MW-Anlage der Westerwälder. W2E hatte aber nach der Pleite das Recht, weiterhin auf eigene Faust Entwicklungsaufträge auch anderer Unternehmen anzunehmen sowie die eigenen Entwicklungen für Fuhrländer weiter voranzutreiben.

Kompaktgetriebe verkürzt Antriebsstrang um 30-50 Prozent

Die zusammengesteckte Kombination aus einem zweistufigen Getriebe und einem Generator lässt sich um 35 bis 50 Prozent kürzer auslegen, als der Getriebe-Generator-Abschnitt in einem traditionell aufgelösten Triebstrang. Während jede der beiden Hybriddrive-Bauteile einen Komponentenwirkungsgrad von 98 Prozent erreichen, wandeln sie auch in ihrer Kombination 97 Prozent der vom Rotor eingehenden Energie in Strom um. So hoch ist laut Winergy der Gesamtwirkungsgrad. Das Gesamtgewicht des Antriebs mit Ölanlage beträgt 34 Tonnen. Zum Vergleich: Traditionelle Triebstränge bringen mit dem Verbund von Generator und Getriebe eher auf 40 Tonnen.

Gewichtsreduktionen wie diese gelten in der Branche als Geldwert, weil damit auch die Vibrationen und die Ermüdungslasten im Gesamtsystem der Windenergieanlage vom Getriebeträger über den gesamten Turm bis in den Turmfuß abnehmen. Entsprechend lassen sich überall in der Anlage die Maße etwas schlanker und Material sparender designen. Der Hybriddrive ist Winergys zweites Getriebedesign, das zur Gewichtsreduzierung starken Einfluss auch auf den Generator nimmt. Zuvor hatte Winergy ein Multi Duored genanntes Modell in einer Testanlage von Offshore-Turbinenbauer Bard installiert. Der Emdener Hersteller hat allerdings inzwischen ebenfalls nach Finanznöten alle seine Produktionsaktivitäten beendet. Das Besondere des Multi Duored ist allerdings vor allem dessen Aufteilung der Lasten auf eine Vielzahl von Planeten und letztlich auf zwei Generatoren.

(Tilman Weber)