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Monopiles

Größter Unterwasserfuß der Welt

Die bislang größten und schwersten je gefertigten Monopiles verlassen die Fertigungshalle des Rostocker Herstellers EEW in Serie. Die 1.300 Tonnen schweren, 82,2 Meter langen, zylinderförmigen Unterwasserfundamente haben einen Durchmesser von 7,8 Metern und sind für Windpark Veja Mate bestimmt – das zweite deutsche Nordseeprojekt mit Sechs-Megawatt-Anlagen von Siemens.

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 - Größte Monopiles der Welt, jedenfalls im März 2016: Ausrollen eines Standbeins für eine Windturbine im Offshore-Projekt Veja Mate.
Größte Monopiles der Welt, jedenfalls im März 2016: Ausrollen eines Standbeins für eine Windturbine im Offshore-Projekt Veja Mate.
Foto: EEW SPC/Andreas Duerst, Studio 301

Rund 220 Doppelreifen waren im Einsatz, um das Monopile für den Nordsee-Windpark Veja Mate aus der Halle zu rollen. So umfangreiches Räderwerk setzte das Unternehmen EEW SPC ein, um am 2. März mit einem fahrbaren Ponton das fertig geformte gigantische Stahlrohr für den Standort in 40 Meter Wassertiefe aus der Halle zu fahren. Den vorigen Rekord der Branche hatte EEC SPC mit der Fertigung der Monopiles für den Offshore-Windpark Gode Wind 1-2 aufgestellt. Die 97 schon im September vergangenen Jahres jeweils 33 Meter in den Boden getriebenen Monopiles aus der Fertigung der Rostocker hatten einen Durchmesser von noch 7,5 Metern, eine Länge von 66 Metern und ein Gewicht von rund 940 Tonnen.

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 - Ausrollen und ...
Ausrollen und ...
Foto: EEW SPC/Andreas Duerst, Studio 301

Damit solche gigantischen Einbein-Fundamente in deutschen Offshore-Windparks mit Wassertiefen von bis zu 40 Metern oder sogar noch ein bisschen darüber hinaus überhaupt gebaut werden können, hatte EEW im Jahr 2013 bis 2014 seine Fertigungshallen erweitert und nicht zuletzt auch mit noch stärkeren Kränen ausgerüstet. Jetzt hat die Produktionsstätte des Unternehmens eine Kapazität für die Fertigung von Monopiles, die bis zu 1.500 Tonnen schwer und 120 Meter lang sind sowie 10 Meter im Durchmesser haben. Noch zwei bis drei Jahre davor galt hingegen in der Branche noch die vermeintliche Gewissheit, dass die kostengünstigeren Monopiles nur mit geringeren Durchmessern und Längen und daher nur an Standorten bis maximal 25 Metern Wassertiefe geeignet sind. In tieferen Gewässern schienen einzig die vor allem in Deutschland zum Einsatz kommenden Gittermast-förmigen Jackets sowie dreibeinige Tripods oder Tripiles ausreichend zu sein. Markantestes Beispiel für den Einsatz solcher mehrbeinigen Unterwasserfundamente ist aktuell der seit November vollständig einspeisende RWE-Windpark Nordsee-Ost, 285 Megawatt (MW) mit 6,2-MW-Anlagen von Senvion, alle mit Rotordurchmessern von 126 Metern.  

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 - ... als großer Lindwurm wegrollen zum Lackieren.
... als großer Lindwurm wegrollen zum Lackieren.
Foto: EEW SPC/Andreas Duerst, Studio 301

Kein Zufall, dass in beiden Offshore-Windparks mit den nun größten Monopiles die Sechs-MW-Anlagen von Siemens zum Einsatz kommen. Denn Siemens als Windturbinenhersteller hat sich bislang bei den Errichtungen seiner Anlagen auf See auf die Monopiles konzentriert. Während Siemens Mitte Februar bereits die Einspeisung von knapp der Hälfte der Windturbinen mit 154 Meter Rotordurchmesser im 582 MW groß werdenden Windpark Gode Wind 1-2 meldete, soll Veja Mate 2017 ans Netz gehen und am 1. Januar 2018 vollständig einspeisen. Im Juni will EEW SPC alle 67 Monopiles fertig produziert haben.

Eigentümer des 1,9 Milliarden Euro teuren 402-MW-Windparks Veja Mate sind übrigens die Laidlaw Capital Group, Siemens-Finanzdienstleister Siemens Financial Services sowie der Infrastrukturfonds Copenhagen Infrastructure Partners.

(Tilman Weber)