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Nordex

Internationale Aufträge gleichen deutsches Nachfrageloch aus

Der Drittplatzierte unter den Windturbinenherstellern bei den Errichtungen neuer Anlagen-Parks in Deutschland gleicht die einbrechende Nachfrage aus Deutschland mit internationalen Aufträgen aus. So meldete Nordex jetzt Neuaufträge alleine aus dem ersten Quartal von einem Gigawatt – aus drei amerikanischen und insbesondere drei europäischen Ländern.

Nordex USA
 - Die Nordex-Gruppe erzielte noch Ende 2017 Großaufträge aus den USA - und auch Anfang 2018 spielte die USA bei den Bestellungen eine wichtige Rolle.
Die Nordex-Gruppe erzielte noch Ende 2017 Großaufträge aus den USA - und auch Anfang 2018 spielte die USA bei den Bestellungen eine wichtige Rolle.
Nordex

1.007,5 Megawatt (MW) Neuaufträge in den ersten drei Monaten Januar bis März meldete Nordex als Bilanz des jüngsten Anlagenverkaufs. Alleine die Hälfte davon kann der Windturbinenbauer durch fest abgeschlossene Verträge in die amerikanischen Länder Chile, Mexiko und die USA liefern: ein Erzeugungsvolumen von 502,5 MW. Bestellungen über 505 MW kamen im selben Zeitraum aus Europa – und hier vor allem aus den Nordex-Erfolgsmärkten Frankreich, Schweden und Türkei.

Zu Verkäufen in Deutschland und damit im in vergangenen Jahren stets mit Abstand wichtigsten Markt des Unternehmens, machte Nordex keine Angaben. Allerdings zeigt das Anlagenregister der Bundesnetzagentur für die ersten zwei Monate bislang gerade zwei Neugenehmigungen für Nordex-Windturbinen an. Investoren oder Projektierer müssen in dem Register alle gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergüteten Anlagen melden, um diese Vergütung auch zu erhalten. Der Markt in Deutschland verliert 2018 und erst recht 2019 deutlich an Schwung, nachdem eine Übergangsregelung während der Einführung des neuen Ausschreibungssystems im vergangenen Jahr die Installationen von Windparks an Land zu einem neuen Rekordwert von über fünf Gigawatt (GW) getrieben hatte. Das Rest-Volumen der von der Übergangsregelung noch bei Netzanschlüssen bis Ende 2018 begünstigten Projekte lässt in diesem Jahr nur noch deutlich geringere Installationen hierzulande erwarten, weil zugleich die Errichtung der Erzeugungskapazitäten aus den ersten Ausschreibungen im nennenswerten Umfang erst ab 2020 zu erwarten ist.

Die neuen Bestellungen aus dem ersten Quartal bedeuten statistisch eine Steigerung der Bestellungen aus dem ersten Quartal von 2017 um knapp das Dreifache. Von Januar bis März 2017 waren Bestellungen für 368 MW eingegangen. Verkaufsschlager waren im ersten Quartal nun wie schon zuvor in Deutschland die Anlagen der Drei-MW-Turbinenklasse. Wobei im Einzelnen vor allem die Nordex-Starkwindturbine N131 mit 131 Meter Rotordurchmesser und 3,9 MW Nennleistung sowie die Acciona-Schwachwindvariante AW 132/3300 mit ähnlichem Rotor und 3,3 MW Nennleistung am meisten Nachfrage erzeugten. In Deutschland hingegen dominieren im Nordex-Verkauf seit 2017 laut angezeigten Genehmigungen im Bundesnetzagentur-Anlagenregister die Mittel- und Schwachwindturbinen aus dem Nordex-Portfolio. Das spanische Unternehmen Acciona Wind gehört seit 2016 zu Nordex. Erklärtermaßen will die Nordex-Gruppe mit ihrem Acciona-Zweig den Verkauf in von Nordex bisher weniger erreichten Schwellenländern und in Niedrigpreisregionen der Windkraft wie den USA ankurbeln.

Die Nordex-Aktionäre schienen in der ersten Aprilwoche von den neuen Daten offenbar überzeugt zu sein. So stieg der Preis pro Anteilsschein von einem Zwischentief bei 7,07 auf 9,33 Euro – im Zeitraum von Donnerstag voriger bis Donnerstag dieser Woche. Wie bedeutend das hohe dreistellige Volumen der Aufträge binnen nur drei Monaten aus dem Ausland für Nordex sind, lassen die unternehmenseigenen Prognosen für 2018 erkennen. Zwei Tage vor dem Zwischentief des Aktienkurses hatte Nordex seine Erwartungen für das Geschäftsjahr präsentiert - und einen Rückgang der Umsätze von knapp 3,1 auf höchstens 2,4 Milliarden Euro prognostiziert. Allerdings setzt Nordex auf eine weitere Zunahme der Bestellungen aus den internationalen Märkten. Im vergangenen Jahr waren die Neuaufträge hier noch bei knapp zwei GW verharrt.

(Tilman Weber)