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Eon fokussiert sich auf Netze

Eon und RWE vor Innogy-Zerschlagung

Die beiden größten deutschen Energieversorger Eon und RWE stellen sich neu auf. Zunächst will Eon die RWE-Tochter Innogy kaufen und zerschlagen. RWE soll dann das Erneuerbaren-Geschäft von Innogy und Eon bekommen, Eon fokussiert sich auf Energienetze.

 - Innogy-Repowering-Projekt in der Gemeinde Sommerland.
Innogy-Repowering-Projekt in der Gemeinde Sommerland.
Foto: Siemens

Eon und RWE haben sich darauf geeinigt, dass Eon den gesamten RWE-Anteil an Innogy von knapp 77 Prozent übernimmt. RWE erhält im Gegenzug rund 17 Prozent an Eon. Anschließend werden diversen Geschäftsteile ausgetauscht. Zudem zahlt RWE zahlt 1,5 Milliarden Euro an Eon. Noch gibt es keinen Vertrag, weil zuvor die Gremien von Eon und RWE zustimmen müssen. Die Transaktion soll in mehreren Schritten umgesetzt werden. Und ganz wichtig: alles steht unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Zustimmung. Eon hat gerade erst den verbliebenen Anteil von 47 Prozent an der früheren Kraftwerktstochter Uniper an den finnischen Energieversorger Fortum veräußert.

Der Verkauf wird von weiten Teilen der Energiebranche argwöhnisch verfolgt. Wilfried Gillrath, Geschäftsführer des Ökostrom-Marktführers Lichtblick, warnt: „Hier entsteht ein Megakonzern mit großer Marktmacht. Das gefährdet den Wettbewerb im Strommarkt und könnte auf Dauer zu höheren Strompreisen für die Verbraucher führen. Diese Fusion muss das Kartellamt sehr kritisch prüfen." Eine mögliche Lösung sei nach seiner Einschätzung der Verkauf von Kundenstämmen großer Tochtergesellschaften wie Eprimo und E wie Einfach an andere Wettbewerber. So würde die Marktmacht des neuen Konzernes begrenzt.

"Mit der Übernahme von Innogy durch Eon entsteht kein Ökostrom-Konzern", so Gillrath. "Schon bisher verkauft Innogy lediglich drei Prozent Ökostrom an seine Kunden und Eon lediglich sieben Prozent. Der Löwenanteil ist konventionelle Energie aus Kohle, Atom und Gas. Jetzt wird auch die grüne Erzeugung von Eon und Innogy in die Hand von RWE gelegt." Es entstehe ein Konzern, der auf die Rezepte der alten Energiewelt setzt. Für die Energiewende in Deutschland sei das keine gute Nachricht. Jeder Kunden könne durch einen Wechsel zu einem echten Ökostromanbieter ein Zeichen für die Energiewende und einen fairen Wettbewerb im Strommarkt setzen.

Verbraucherschützer stehen dem Deal positiv gegenüber, denn sie hoffen auf sinkende Strompreise. Jeder Wettbewerber, der vom Strommarkt verschwinde, sei zwar für den Verbraucher eine traurige Nachricht, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, dem Handelsblatt. "Innogy ist aber ein eher teurer Grundversorger, darum ist zu hoffen, dass Eon die Strompreise senken wird." Dennoch sollte das Kartellamt aus Müllers Sicht "einen kritischen Blick auf die Fusion werfen, um sicherzugehen".

(Nicole Weinhold)