07.09.2017
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Sektorkopplung

Buslinie zur Energiewende

Projektierer GP Joule investiert, um Dienstleister und Investor für umfassende Sektorkopplung zu werden. Zuerst sollen Wasserstoffbusse fahren

 - GP-Joule Geschäftsführung mit Heinrich Gärtner, Ove Petersen  und Andre Hirsch
GP-Joule Geschäftsführung mit Heinrich Gärtner, Ove Petersen und Andre Hirsch
GP Joule

Reußenköge, kurz hinter dem Nordseedeich: Hier befindet sich das Hauptquartier von GP Joule. Im Energiewendeland Schleswig-Holstein treibt das Unternehmen seine Vision 100 Prozent erneuerbare Energien voran: Erst im März präsentierte das Unternehmen unter anderem vor dem damaligen Ministerpräsidenten des Landes ein klimafreundliches Mobilitätsprojekt, bei dem Wasserstoffbusse im regelmäßigen Linienverkehr in Nordfriesland eingesetzt werden sollen. Geplant ist ein Linienverkehr in einem 60 Kilometer langen Gebiet zwischen Husum und Niebüll, kurz vor der dänischen Grenze. Schon Mitte 2018 sollen die Busse täglich 308 Kilometer zurücklegen.

Fünf in Nordfriesland installierte PEM-Elektrolyseure sollen im Rahmen des Demonstrationsprojekts EE-Strom in Wasserstoff umwandeln. Der Wasserstoff wird gespeichert und anschließend über zwei H2-Tankstellen in Husum und Niebüll an zwei Brennstoffzellenbusse abgegeben, die im regulären öffentlichen Nahverkehr auf Linienstrecken unterwegs sind. Auf diese Weise soll der ÖPNV im Norden Schritt für Schritt emissionsfrei gemacht werden – kosteneffizient und wirtschaftlich. 75 Prozent der Energie können die PEMElektrolyseure des GP-Joule-Tochterunternehmens H-TEC-Systems in tankfähigen Wasserstoff umwandeln, 25 Prozent des Stroms verbrauchen sie als Prozesswärme. Damit die Energie wirklich möglichst effizient genutzt wird, soll die bei der Umwandlung anfallende Wärme in bereits vorhandene Nahwärmenetze eingespeist werden und angebundene Haushalte sowie Betriebe mit klimafreundlicher Wärme versorgen. So trägt das Projekt nebenbei zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung bei.

Wasserstoff im Linienverkehr ab 2018

„Ab 2018 sollen die ersten Busse fahren – mit der gespeicherten Energie aus überschüssigem Windund Solarstrom“, sagt Ove Petersen, Mitgründer und Geschäftsführer des Unternehmens. Und ergänzt: „Busse sind schon sehr zeitnah nicht die einzigen Abnehmer von grünem Wasserstoff. Zukünftig sehen wir Absatzmärkte unter anderem auch im Schienen-, Schiffs- und Güterverkehr. Und mein Traum ist es weiterhin, irgendwann mit dem Wasserstoffschlepper über den Acker zu fahren!“

Erst rund 60 Prozent des Schienenverkehrs deutschlandweit sind elektrifi ziert. Auch die mit Diesel betriebenen Lokomotiven würde GP Joule gern auf mit Wasserstoff betriebene Züge umstellen. Für einen ersten Schritt hin zum klimafreundlichen Schienenverkehr wäre allein in Schleswig-Holstein eine Power-to-Gas-Erzeugungskapazität von rund 30 Megawatt erforderlich. Die größte Herausforderung für die serienreife, effi ziente Power-to-Gas-Technologie derzeit: Der Anreiz, Strom abzuregeln, ist höher, als ihn für alternative Anwendungen wie zum Beispiel zur Umwandlung in Wasserstoff zur Verfügung zu stellen. Dies hängt mit der Belastung des von Powerto- Gas- Anlagen genutzten Stroms mit Letztverbraucherabgaben wie insbesondere der EEG-Umlage und weiteren staatlich induzierten Strompreisbestandteilen zusammen.

Warten auf Politik nicht angesagt

GP Joule möchte allerdings nicht auf neue Regelungen durch die Politik warten – sondern als Vordenker und „First Mover“ auf dem Weg von einer reinen Stromwende hin zu einer echten sektorübergreifenden Energiewende Konzepte zur Vollversorgung aller Sektoren mit erneuerbaren Energien entwickeln und umsetzen. Dafür braucht es Technologien wie Power-to-Gas, die erneuerbare Energien dorthin bringen, wo die Energiewende bislang kaum stattfindet – zum Beispiel im Wärme- und Verkehrssektor. Konkret geht es dabei darum, überschüssigen Erneuerbare-Energien-Strom nicht mehr wie bisher teuer abzuregeln und die Kosten dafür den Verbrauchern aufzubürden, sondern einer sinnvollen anderen Nutzung zuzuführen.

Seit 2015 hat das Unternehmen seine eigene Flotte Zug um Zug auf Elektroautos umgestellt. Das Unternehmen managt diese Flotte über ein intelligentes System, das das Stromsystem unterstützt und entlastet und gleichzeitig kostenoptimiert das Lademanagement durchführt.

Die gesammelten Erfahrungswerte aus diesem Flottenbetrieb sind unmittelbar in die Produktentwicklung eingefl ossen, um heute den Geschäftsbereich Connect mit 100 Prozent erneuerbarem Strom vor Ort als kostengünstige und energieeffiziente Mobilitäts lösung anbieten zu können.

Mit Connect bietet das Unternehmen Kommunen, Gewerbetreibenden und mittelständischen Unternehmen, die ihre Flotte auf klimafreundliche E-Mobilität umstellen wollen, die nötige Ladeinfrastruktur sowie maßgeschneiderte Lösungen rund um die Benutzerverwaltung und das physische Ladelastmanagement an.

Neue Investitionsphase beginnt

Für das stetig wachsende 200-Mitarbeiter-Unternehmen mit dem Stammsitz in Reußenköge und mittlerweile vier weiteren Standorten in Deutschland und Niederlassungen in Europa und Nordamerika ist eine umfassende Energiewende in allen Sektoren die Basis für alle Geschäftsaktivitäten. Dies zeigen die geplanten Investitionen, wie Gründer und Geschäftsführer Ove Petersen verdeutlicht.

„Wir starten jetzt in eine neue Investitionsphase für eine stabile, nachhaltige regionale Wertschöpfung aus erneuerbaren Energien“, sagt Petersen. „Binnen der nächsten drei bis vier Jahre wollen wir weltweit über 1.500 Megawatt in der Windenergie und Photovoltaik in Betrieb nehmen.“

GP JOULE

MUTTERHAUS in Reußenköge
STANDORTE: Buttenwiesen, Geislingen, Lübeck, Berlin , Toronto (Kanada), Los Gatos (USA)
MITARBEITER: 200
REFERENZEN: 600 Megawatt (MW) Erneuerbare errichtet. Betriebsführung: 93 MW Windkraft, 450 MW PV. Vernetzung von über 100 Haushalten, Gewerbe und Gemeinden über Fernwärme, Bioenergie, Power-to-Gas
TOCHTERFIRMEN: H-TEC-Systems (Bau Elektrolyseure), H-TEC Education (Forschung), mini- JOULE (Solar für Endverbraucher), CULTIVECO (PVGewächshäuser)

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