07.12.2015
Schriftgröße
3 Bewertung(en) Rating
Abo Kraft & Wärme

Eigenkapital modernisiert Biogaserzeugung

Projektentwickler Abo Wind beschleunigt den Ausbau seines 2014 ausgegründeten Bioenergiegeschäfts. Mit einer Ausgabe von bis zu vier Millionen neuen Aktien will das ausgegründete Unternehmen Abo Kraft & Wärme AG eine Kapitalerhöhung um 4,2 Millionen Euro erreichen, um 2016 die schon vierte Anlage ins Betriebsportfolio zu übernehmen. Die Gesellschaft lebt auch von dem Trend, unwirtschaftliche Biogasanlagen aufzukaufen und einer Effizienzkur zu unterziehen.

 - Biogasanlage Ramstein
Biogasanlage Ramstein
Foto: Juwi

Die jüngste Neuerwerbung hatte Abo Kraft & Wärme am 29. September vermeldet: Damals verkündeten das vom Mannheimer Kommunal-Energieversorger MVV durch eine Übernahme aus einem finanziellen Enpgass gerettete Projektierungsunternehmen Juwi und das Bioenergieunternehmen den Besitzerwechsel für die 350-Kubikmeter-Methanisierungsanlage Ramstein. Die Biogasanlage speist durch eine Druckwasserwäsche gewonnenes reines Methan ins Erdgasnetz. Das hier erzeugbare Volumen von 350 Kubikmeter pro Stunde reicht zur Wärmeversorgung von 1.500 Haushalten. Zwei Blockheizkraftwerke gehören zu dem Ramsteiner Bioenergie-Erzeugungsensemble dazu. Die Abo Kraft & Wärme AG, werde rund eine Million Euro alleine dafür investieren, die Anlage technologisch zu modernisieren und damit wirtschaftlich zu gestalten, teilten Juwi und das neue Unternehmen damals mit.

Schon 2014 hatte die erst im selben Jahr gegründete Abo Kraft & Wärme AG die erste eigene Anlage gekauft. Auch damals legte das neue Unternehmen Kapital in ein offenbar nicht optimal ausgesteuertes Biogasprojekt an. Die Abfallvergärungsanlage Ettinghausen hatte 2012 nach nur vierjähriger Betriebszeit Konkurs angemeldet. Die Bioenergietochter hatte die Energieanlage in dem Westerwald-Ort 2014 aus dem Insolvenzverfahren gewonnen. Nach einem Umbau der Anlage will Abo Kraft & Wärme diese ab 2016 jährlich 24.000 Tonnen Speisereste und Abfälle aus der Lebensmittelindustrie zu zwei Millionen Kubikmeter Biogas vergären lassen. Ein Blockheizkraftwerk soll dann daraus pro Jahr fünf Gigawattstunden Strom gewinnen. Zudem hatte Abo Kraft & Wärme in der ersten Jahreshälfte 2015 das sogenannte Energiecontracting für den Wiesbadener Bürokomplex gestartet, in dem auch Abo Wind seinen Sitz hat: Mit modernen Wärmetauschern modernisierte das Unternehmen die Wärmeversorgung der Blockheizkraftwerke im Bürokomplex. Allerdings werden hier die Blockheizkraftwerke wohl mit Erdgas betrieben.

Bisher haben 50 Aktionäre rund sieben Millionen Euro Eigenkapital bereitgestellt. Die Anteilseigner der jetzt geplanten Kapitalerhöhung um 4,2 Millionen Euro will das Unternehmen gezielt durch Ansprache geeigneter Investoren erreichen, statt die Aktien frei verkäuflich auf den Markt zu bringen. Die Bioenergie-Betreibergesellschaft soll durch die Modernisierung aufgekaufter Anlagen und deren Weiterbetrieb eine Projektrendite von durchschnittlich mehr als acht Prozent zu erwirtschaften. Ab 2017 könnte sie erstmals „eine nennenswerte Dividende ausschütten“, ließ Abo-Kraft-&-Wärme-Vorstand Jochen Ahn jetzt wissen. Ahn war schon vor der Gründung des neuen Unternehmens Vorstand von Abo Wind und übt dieselbe Funktion in Personalunion auch für die Neugründung des Biogenergiegeschäfts weiter aus. Im Zuge der ersten Eigenkapitalausstattung behielt Abo Wind zudem einen Besitzanteil an der Kraft & Wärme AB von 27 Prozent. Nun aber soll der Abo-Wind-Anteil auf die Hälfte davon sinken.

Beispiel Baywa RE

Schon lange kaufen Bioenergieunternehmen immer wieder in die Insolvenz geratene Anlagen auf, um sie nach einer Modernisierung effizienter zu betreiben. Allerdings wird dieser Trend seit 2014 wichtiger, da das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) seit seiner Reform im vorigen Jahr hierzulande neue Biogasanlagen kaum mehr rentabel betreiben lässt. Die Erneuerbare-Energien-Tochterunternehmen des Münchner Agrarhandelskonzerns Baywa kaufte beispielsweise im Sommer die Biogasanlage Pliening von der insolventen Betreiberin AC Biogas GmbH, um sie anschließend zu sanieren. Die 530 Kubikmeter pro Stunde einspeisende Anlage erzeugt im Blockheizkraftwerk rund 500 Kilowatt Leistung.

(Tilman Weber)

Ist dieser Artikel für Sie hilfreich?
  • Artikel
  • kommentieren
  • |
  • drucken

Kommentar schreiben

Ihre persönlichen Daten:

Sicherheitsprüfung: (neu laden)

Bitte füllen Sie alle Felder mit * aus! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.