05.07.2018
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Offshore-Windenergie

Ein Schwerkraftfundament, das schwimmen kann

Seit Juni steht vor der Ostküste von Gran Canaria eine innovative Offshore-Windenergieanlage. Ein schwimmendes Schwerkraftfundament hat eine Turbine auf einem Teleskopturm ins Meer hinausgetragen. Am Installationsort wurde das Fundament abgesenkt und der Turm ausgefahren.

 - Bei der Elisa-Technologie wird die Offshore-Windenergieanlage bereits im Hafen komplett montiert.
Bei der Elisa-Technologie wird die Offshore-Windenergieanlage bereits im Hafen komplett montiert.
Esteyco

Im Rahmen der Projekte „Elisa“ und „Elican“ hat ein Industriekonsortium unter Leitung des spanischen Ingenieur- und Beratungsunternehmens Esteyco eine Tragstruktur für Offshore-Windenergieanlagen entwickelt, die eine kranfreie Installation von Fundament, Turm und Turbine auf dem Meer ermöglicht. Der Prototyp, ausgestattet mit einer Gamesa G132-5MW, wurde im Juni vor Gran Canaria errichtet.

Die Technologie setzt sich zusammen aus einem Teleskopturm und einer im Transportzustand schwimmenden Plattform. Das Fundament wird im Trockendock aus vorgefertigten Elementen, unter anderem Ortbetonelementen, zusammengesetzt und noch im Hafen mit dem Teleskopturm bestückt. Bargen ziehen die Anlage an den Ort der Installation aufs offene Meer, wo das Fundament abgesenkt und der Teleskopturm ausgefahren wird.

Vorteile der Technologie

Mit der Technologie streben die beteiligten Unternehmen vor allem Kostenoptimierungen an. Die Anlage bereits im Hafen komplett montieren zu können, sei deutlich günstiger als eine Installation im offenen Meer. „Jede Windenergieanlage der Welt war für ihre Installation bislang auf eines der wenigen Schwerlastschiffe der Welt angewiesen. Dieses musste zunächst das Fundament im Boden installieren und anschließend die Turm- und Turbinenelemente an ihre finale Position heben“, sagt die Projekt-Managerin von Esteyco, Lara Cerdán Aznar.

Die großen Installationsschiffe gehören nicht zuletzt wegen ihres Schwerlastkrans mit zum teuersten Teil bei der Installation einer Offshore-Windenergieanlage nach herkömmlicher Methode. Dank der Teleskoptechnik des Turms kommt man bei der Elican-Technologie gänzlich ohne Kran aus. „Hubanlagen sind gängige Praxis im zivilen Sektor, vor allem im Brückenbau, in dem wir umfangreiche Erfahrungen gesammelt haben“, sagt Cerdán Aznar. „Die Hubleistung ist bei Elican vergleichbar mit der Leistungsfähigkeit eines Krans, nur zu einem deutlich günstigeren Preis“, ergänzt sie.

Expertise aus Deutschland

An der Realisierung des innovativen Konzeptes waren auch Unternehmen aus Deutschland beteiligt. „Wir freuen uns sehr, dass Esteyco bei diesem anspruchsvollen und spannenden Projekt auf unsere Expertise und unsere Erfahrungen vertraut“, sagt Florian Singer, Projektleiter im Bereich Windenergie der Tüv Süd Industrie Service GmbH. Tüv Süd hat sowohl die Prüfung des Designs, als auch die Überwachung der Installation des Prototypen übernommen.

(Katharina Garus)

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