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E-Mobility-Standort Deutschland

Elektromobilität: Wo die deutsche Wirtschaft an Fahrt gewinnt

Wie die deutsche Elektromobilbranche wächst, zeigt eine Auswertung des Wirtschaftsinformationsanbieters Databyte von gut 50 Millionen Handelsregister-Daten.

Inhaltsverzeichnis

Seit dem Abgasskandal und einem Bewusstseinswandel in puncto Umweltverträglichkeit schwankt der Handel mit konventionellen Autos „Made in Germany“. Um den Einbruch zu stoppen, investieren Autobauer Millionen Euro mit dem Ziel, einen Entwicklungsvorsprung in der E-Mobilität gegenüber der starken Konkurrenz aus China und den USA zu erzielen. Wie die Elektromobilbranche in der deutschen Wirtschaft wächst, zeigt der Wirtschaftsinformationsanbieter Databyte anhand seiner aktuellen Auswertung von über 50 Millionen Einzelinformationen aus dem Handelsregister.

Elektromobilität betrifft laut Definition der Bundesregierung Fahrzeuge, die Elektrizität als Kraftstoff verwenden und über das Stromnetz aufladbar sind. Ob sie vollends batteriebetrieben oder als Hybrid deklariert sind oder für eine längere Reichweite mit einem kleinen Verbrennungsmotor arbeiten, spielt keine Rolle. Fest steht: Solange der Haupttreibstoff aus einer Steckdose mit erneuerbaren Energien stammt, spart der Straßenverkehr mit E-Mobilen etwa 60 Prozent CO2-Ausstoß ein.

Mit der Umstellung des Antriebs geht auch eine komplett andere Fertigungsweise mit neuen Herausforderungen und Umstellungen in der Produktion einher. Teilweise bauen die großen deutschen Kraftfahrzeugbauer etablierte Standorte komplett um, damit sich diese einzig auf Elektroautos spezialisieren. Das bedeutet zwar frische Expertisen, doch auch eine Welle von Entlassungen sowie hohen Bedarf an agilen Co-Produzenten und Zulieferern. Wie die deutsche Wirtschaft darauf bislang reagiert, bildet der Lübecker Wirtschaftsinformationsexperte Databyte in einer Analyse ab.

Wachstum trotz internationaler Konkurrenz

Derzeit befinden sich 630 wirtschaftlich aktive Unternehmen auf dem deutschen Markt, die entweder „Automotive“ oder „Automobil“ in Verbindung mit dem Zusatz „Elektro“, oder direkt „Elektromobilität“ im Handelsregister angeben. Die Neuanmeldungen zeigen ein entsprechendes Hoch: 2017 stiegen die Gründungen in diesem Bereich verglichen mit 2016 auf mehr als das Doppelte – von 21 auf 46 Unternehmen pro Jahr. Mit 44 Neuanmeldungen liegt 2018 etwa gleich auf.

Reicht diese Wirtschaftsstärke aus, um sich erfolgreich gegen China und Amerika durchzusetzen? Tesla stellte 2017 bereits 7.000 Elektroautos pro Woche her – mehr als alle großen deutschen Automobilhersteller zusammen. Doch auch bei VW stehen die Zeichen auf Wandel: Das Werk in Emden beispielsweise gibt die Fabrikation seines Passats ab und fertigt künftig neue Elektro-Modelle. Parallel dazu steht eine passende Batterieproduktion an diesem Standort zur Debatte.

Heimat bleibt Heimat

Bislang galt eine Lage nahe am Abnehmer als Betriebsvorteil. Viele deutsche Produktionspartner sitzen im gleichen Bundesland wie der zu beliefernde Auto-Hersteller, weshalb Süddeutschland wesentlich mehr Unternehmen dieser Branche verzeichnet als der Norden des Landes. Ein Blick auf die Verteilung der Betriebe innerhalb des Landes bestätigt Rückschlüsse auf ortsgebundenen Wissensvorsprung: Bayern zählt 141 Unternehmen im Bereich Elektromobilität, Baden-Württemberg kommt auf 117 Firmen.

An zweiter Stelle steht jedoch mit 134 Elektromobil-Unternehmen das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen, in dem Produktionsstätten des Autobauers Ford beheimatet sind. Die Region befindet sich mitten im Strukturwandel. Der bisherige Standort für Kohleförderung, Stahl- und Maschinenbau mit zahlreichen Zulieferern, nicht zuletzt auch des Automobilbaus, muss eine Wirtschaftsregion mit Anbietern und Produzenten neuer Technologien werden. Riesige Industrieanlagen stehen hier möglicherweise zur Verfügung, um durch Umwandlung alter Fertigungsstätten neue Gründerzentren entstehen zu lassen und innovative Unternehmen aufzunehmen. Wo vor ein paar Jahrzehnten noch Großkonzerne wie Thyssen fertigten, bieten verlassene Anlagen ein Potential für neue Zweige wie die Batterieproduktion – auch könnten bestehende Produktionsbetriebe in NRW ihre Fertigungsstraßen auf die Herstellung neuer Technologien umrüsten.

„Technisch ist Deutschland auf dem neusten Stand“, sagt Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands E-Mobilität. „Allerdings müssen wir uns dringend darauf konzentrieren, dass Zellfertigung in Deutschland vor allem von deutschen Unternehmen betrieben wird. Derzeit findet eine von der Bundesregierung angeführte Ausschreibung zwecks subventionierter Zellfertigung für interessierte Konsortien statt. So versucht die Politik trotz des späten Umstiegs auf Elektromobilität den Anschluss zur ausländischen Konkurrenz nicht komplett zu verlieren.“

Auf Platz vier der Bundesländer-Rangfolge folgt mit 45 Firmen das Bundesland Hessen mit dem Opel-Stammwerk. Dahinter profitiert mit 44 Firmen die Hauptstadt Berlin vom neugewonnenen Unternehmergeist. Innovative Firmen siedeln sich am Schauplatz von Bundespolitik und kreativer Szenen an. Auf Platz sechs steht Niedersachsen, Heimat von VW, mit 30 an E-Mobilität ausgerichteten Unternehmen. Die neuen Bundesländer holen wirtschaftlich auf: Sachsen mit 25 Betrieben rangiert vor Hamburg mit 18 Firmen, Thüringen mit 14 Marktteilnehmern vor Schleswig-Holstein mit 10.

Prognose

Auch in diesem Jahr verzeichnete das Handelsregister schon Neuanmeldungen im Sektor Elektromobilität. Die Geschäftsgegenstände sind breit gefächert – von Elektromobilität in Spedition und Logistik über Automobilindustrie bis hin zu Eigenbetrieb von Produkten und Anlagen im Bereich Elektromobilität. „In Zukunft wird es noch mehr Aus- und Neugründungen im Bereich Elektromobilität geben, daran habe ich keinen Zweifel“, so Sigl. „Ich hoffe nur, dass sich auch Start-ups mehr als bislang für dieses Themenfeld begeistern.“

Unter databyte.de werden in einer Online-Anwendung Handelsregisterinformationen, Firmenprofile, Gewerbedaten sowie Bonitätsauskünfte tagesaktuell veröffentlicht. Die Produkte und Dienstleistungen von Databyte bieten eine hohe Markttransparenz und werden genutzt für Unternehmensrecherchen, Kundenstamm-Monitoring, Forderungsmanagement und Neukundengewinnung. Die selektierbaren Informationen sind ausschließlich für Gewerbetreibende abrufbar und bedürfen einer vorausgegangenen verifizierten Anmeldung.

Autor:
Alexander Hiller
Geschäftsführer
databyte GmbH

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