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Wirtschaftlichkeit von Anlagen

EnBW will Solarpark ohne Förderung bauen

EnBW hat ein Projekt eines Solarparks mit 175 Megawatt Leistung entwickelt, das ohne Einspeisevergütung und ohne Marktprämie auskommt. Das wird den Strommarkt aufmischen und die Energiewende beschleunigen.

Es wird ein echter Meilenstein der Energiewende in Deutschland, wenn das Projekt tatsächlich gebaut wird. Es geht um den Plan des Energieversorgers EnBW, im brandenburgischen Weesow-Willmersdorf auf einer Flächen von 164 Hektar einen Solarpark mit 175 Megawatt zu errichten und zwar ohne einen Cent Förderung in Anspruch zu nehmen.

EnBW hat die Anlagenplanung von Procon Solar übernommen. Das Cottbuser Unternehmen hat diese schon 2009 begonnen. Allerdings lag sie auf Eis, da einen so riesigen Solarpark niemand gefördert hat. Doch inzwischen ist die Solarenergie so preiswert geworden, dass sie auch ohne Einspeisevergütung oder Marktprämie oder was das Bundeswirtschaftsministerium sonst noch an Brosamen für die Branche in petto hat. Denn selbst bei den Ausschreibungen ist bei zehn Megawatt Schluss.

Zeichen für Marktfähigkeit der Erneuerbaren

Der Karlsruher Versorger fällt die finale Finanzierungsentscheidung noch in diesem Jahr. Die Feinplanung läuft bereits auf Hochtouren. Dann kann der Bau beginnen und es entsteht ein Solarpark, der allein so groß ist wie das gesamte Volumen einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur. Sollte das Projekt umgesetzt werden, werden die Bremser in der Berliner Invalidenstraße, wo das Bundeswirtschaftsministerium seinen Sitz hat, blass um die Nase. Denn hier hat keiner von ihnen mehr etwas mitzureden. Es ist allein eine wirtschaftliche Entscheidung.

Die Flächen für den Solarpark sind bereits gesichert und die baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen. Bis zum Jahresende will EnBW mit den Vorbereitungen für den Bau beginnen. „Mit der Realisierung des Solarparks Weesow-Willmersdorf setzen wir ein wichtiges Zeichen in Richtung der Marktfähigkeit erneuerbarer Technologien“, sagt Hans-Josef Zimmer, Technikvorstand bei EnBW. „Mit dem Solarpark Weesow-Wilmersdorf wollen wir den Beweis antreten, dass unser Solarpark als erster in Deutschland ohne Förderung wirtschaftlich betrieben werden kann.“

Von der Politik unabhängig

Sicherlich ist die Photovoltaik noch nicht so weit, dass auch kleine Anlagen komplett ohne Förderung auskommen. Doch mit dem Eigenverbrauch können vor allem gewerbliche Solargeneratoren schon wirtschaftlich betrieben werden – ohne Einspeisevergütung. Diese ist vor allem noch notwendig, um die finanzierenden Banken zu beruhigen, die mit der Einspeisevergütung eine Sicherheit haben, dass die Anlagen auch tatsächlich refinanziert wird. Das klappt mit der reinen Einspeisung ohne Unterstützung noch nicht.

Doch Großanlagen sind inzwischen so weit, dass sie sich von den politischen Verwerfungen im Berliner Regierungsviertel unabhängig machen können. Im vergangenen Jahr kam schon ein Solarpark in Wittstock ohne Marktprämie aus, weil diese geringer war als der Preis für den Strom an der Börse. Für das Projekt in Weesow-Willmersdorf werden von vorn herein die gesamten, prognostizierten 175 Gigawattstunden pro Jahr direkt an der Börse verkauft.

Stromlieferverträge machen unabhängig – und ein gutes Gefühl

Das wird nicht nur die Energiewende ein Stück weit voranbringen, sondern auch den Strommarkt aufmischen. Denn dann wird erstmals in Deutschland Strom komplett ohne politische Unterstützung produziert – inklusive des Stroms aus fossilen Kraftwerken. Das, was man bisher den erneuerbaren Energien immer als Manko vorgeworfen hat, nicht wirtschaftlich und zu teuer zu sein, ist damit obsolet. Zudem kommt erstmals wirklicher Wettbewerb in den Strommarkt, den es bisher noch nicht gegeben hat.

Das Projekt ist aber auch ein Zeichen für die Branche und für die Stromkunden, vor allem für das Gewerbe. Denn wie eine Analyse von Energy Brainpool ergeben hat, können diese sich glaubwürdig ein grünes Image verschaffen, wenn sie Strom direkt vom Anlagenbetreiber beziehen. Solche sogenannten Stromlieferverträge oder PPAs – das steht für Power Purchase Agreements – sind sogar noch besser als zertifizierten Ökostrom zu kaufen. Die Weiterentwicklung des Geschäfts mit solchen Stromlieferverträgen ist die nächste Aufgabe, die die Solarbranche jetzt lösen muss.

Ausbau endlich nicht mehr behindern

Gelingt das, ohne dass die Politik wieder dazwischengrätscht, kann der Ausbau von Anlagenleistung durchaus beschleunigt werden. Denn dann orientiert sich der Zubau nicht mehr an den Vorgaben aus Berlin, sondern an der Nachfrage. „Steigender Zubau außerhalb des EEGs führt zu Herausforderungen für die politische wie regionale Ausbausteuerung“, schreiben die Analysten von Energy Brainpool. „Diese soll in erster Linie die regionale Verteilung der Anlagen fördern. Ein entsprechendes Modell bei hohen Zubauraten außerhalb des EEG muss erst noch entwickelt werden.“

Ob das tatsächlich erst entwickelt werden muss, kann man durchaus zur Debatte stellen. Denn eine Nichtbehinderung des Ausbaus durch diverse Maßnahmen wie die Sonnensteuer oder die Konzentration bei den Ausschreibungen nicht nur allein auf den Preis kann durchaus dazu führen, dass die Anlagen dort gebaut werden, wo der Stromkunde die Energie auch abnimmt, ohne dass sie erst über hunderte von Kilometern durch die gesamte Bundesrepublik transportiert werden muss. Wenn im Berliner Regierungsviertel diese Erkenntnis erst einmal angekommen ist, gibt es für die Solarenergie kein Halten mehr. Den Bremsern würde damit das Wasser abgegraben.

Energiewende steht in einem neuen Licht

Dazu kommt noch, dass die Energiewende endlich das Image bekommt, das sie verdient. Immer wieder haben die diversen Wirtschafts- und Umweltminister die Erneuerbaren als teuer und unzuverlässig diffamiert und so die Stromkunden wissentlich belogen. Wenn die Projektierer von Solaranlagen endlich nicht mehr über viele Hürden springen müssen, sondern sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren können, geht es auch preiswerter und schneller mit der Energiewende. Denn nichts ist so teuer wie zwei parallele Energiesysteme – eins fossil, das andere erneuerbar. Dass letzteres sich durchsetzen wird, zeigt der Plan von EnBW, auf jegliche finanzielle Unterstützung zu verzichten.

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