09.10.2017
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Ökostrom in der Stadt

Hamburg und Berlin rüsten sich für die solare Energiewende

Hamburg und Berlin wollen gegenüber den Flächenländern endlich aufholen. Die Stadtstaaten liegen in Sachen Energiewende weit hinten. Das soll sich ändern. In Hamburg nimmt das ein Verbund aus Versorgern, Netzbetreibern und Energiegenossenschaften in die Hand. In Berlin werden die Stadtwerke mit 230 Millionen Euro ausgestattet, um der Energiewende auf die Beine zu helfen.

 - Mit dem Mieterstromgesetz im Rücken: Die Solaroffensive Hamburg will bis 2020 mirndestens 5.000 Dächer mit Solarmodulen belegt wissen. Die Initiatoren präsntierten von wenigen Tagen die neue Initiative: Michael Prinz von Hamburg Energie, Sönke Tangermann von Greenpeeace Energy, Tim Meyer von Naturstrom und Matthias Eder von Energienetz Hamburg (v.l.n.r.).
Mit dem Mieterstromgesetz im Rücken: Die Solaroffensive Hamburg will bis 2020 mirndestens 5.000 Dächer mit Solarmodulen belegt wissen. Die Initiatoren präsntierten von wenigen Tagen die neue Initiative: Michael Prinz von Hamburg Energie, Sönke Tangermann von Greenpeeace Energy, Tim Meyer von Naturstrom und Matthias Eder von Energienetz Hamburg (v.l.n.r.).
Ulrich Perrey

Die erneuerbaren Energien kommen in den großen Stadtstaaten der Bundesrepublik nicht so richtig voran. Die Gründe sind landläufig bekannt. Auf der einen Seite sind die Flächenangebote extrem gering, um Solarparks oder Windkraftanlagen mit ausreichendem Abstand zur Wohnbebauung zu errichten. Auf der anderen Seite ist die Besitzstruktur von Immobilien in den großen Städten anders als in den Flächenländern, wo viele Bewohner der Gebäude auch die Eigentümer sind. In den großen Städten leben die Menschen aber in der Regel zur Miete in ihren Wohnungen. Da sie deshalb kein Dach haben, können sie auch keine eigene Solaranlage bauen.

Das Bedürfnis ist riesig

Das soll sich aber jetzt ändern, mit dem Mieterstromgesetz im Rücken – zumindest in Berlin und Hamburg. So hat sich in der Hansestadt die Energiegenossenschaft Energie Hamburg mit dem örtlichen Netzbetreiber Energienetz Hamburg und den Ökostromanbietern Greenpeace Energy, Lichtblick und Naturstrom sowie der Anbieter von Solaranlagen zur Miete DZ-4 zusammengetan und eine Solaroffensive gegründet. Allein der Wille ist es aber nicht, der hier zählt, sondern es müssen konkrete Angebote her. Die Solaroffensive, die von weiteren Energiegenossenschaften, dem Verbraucherschutz, vom Handel, Handwerk der Hansestadt und auch von der Hamburger Wohnungswirtschaft unterstützt wird, bietet unter anderem Beratungsdienstleistungen für Immobilienbesitzer an, die über den Bau einer Mieterstromanlage nachdenken. „Die Breite des Bündnisses zeigt, wie stark das Bedürfnis von Mietern und Vermietern an einem eigenen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz in Hamburg ist“, sagt Matthias Ederhof, Vorstand von Energienetz Hamburg.

5.000 Solardächer gesucht

Die Beteiligten wollen aber auch eigene Generatoren bauen. „Es ist gut, dass sich neben Hauseigentümern nun auch Mieter aktiv am Ausbau der Photovoltaik beteiligen können“, betont Jan-Peter Peters, Energieberater der Verbraucherzentrale Hamburg, die am Bündnis beteiligt ist. „Rund jeder vierte Haushalt in Hamburg könnte von der Solaroffensive profitieren“, ist sich sicher. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Den ersten Schritt hat die Solaroffensive Hamburg getan. Ihr nächstes Etappenziel: Bis 2020 sollen mindestens 5.000 Dachflächen mit Photovoltaikanlagen bebaut werden.

Berlin geht einen etwas anderen Weg. Hier ist es das im Jahr 2014 gegründete Stadtwerk, das die Energiewende in der Bundeshauptstadt vorantreiben will. Der lokale Versorgungsbetrieb wird in den kommenden sechs Jahren 230 Millionen Euro in den Umbau der Energieversorgung in Berlin stecken. Bisher haben die Berliner Stadtwerke Erzeugungskapazitäten für 24.000 Haushalte aufgebaut. Dazu gehören neben verschiedenen Windkraftanlagen auf städtischen Flächen vor allem Photovoltaikanlagen, die direkt zur Versorgung der Mieter im jeweiligen Gebäude errichtet wurden. Dieses Anlagenportfolio will der Versorger mit den geplanten Mitteln ausbauen.

Weitere Mieterstromanlagen bauen

So werden gut 102 Millionen Euro in den Bau neuer Mieterstromanlagen fließen. Derzeit bauen die Berliner Stadtwerke im Stadtteil Mitte auf den Dächern einer Wohnungsbaugenossenschaft eine neue Photovoltaikanlage. Der Strom wird direkt an die Mieter geliefert, der Überschuss wird ins Netz eingespeist. Weitere 77 Millionen Euro werden die Stadtwerke in den Bau neuer Windkraftanlagen stecken. So wartet ein neuer Windpark mit einer Leistung von 3,4 Megawatt nur noch auf die Genehmigung. Ist diese erteilt, wird der Bau der Anlage in Stahnsdorf, einem kleinen Örtchen am südlichen Rand Berlins, beginnen. Dort sollen in den nächsten Jahren noch weitere Windräder dazukommen, die ihren Strom direkt nach Berlin liefern.

Die restlichen 50,6 Millionen Euro werden in Energieeffizienzmaßnahmen fließen, mit denen die Stadtwerke die energetische Sanierung von Gebäuden unterstützt. „Wir haben viel mit dem Stadtwerk vor“, betont Berlins Wirtschafts- und Energiesenatorin Ramona Pop (B90/Grüne). „Mit der nötigen Finanzausstattung und der Novelle des Betriebe-Gesetzes haben wir die Weichen für eine kraftvolle Entwicklung gestellt. Das Stadtwerk wird als starker Akteur die Energiewende in Berlin voranbringen“, ist sie sich sicher. „Unsere Power wächst – wir fangen gerade erst an“, gibt sich Andreas Irmer, Chef der Berliner Stadtwerke, kämpferisch. (Sven Ullrich)

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1 Kommentar zu "Hamburg und Berlin rüsten sich für die solare Energiewende "

  1. Felix Kowoll - 10.10.2017, 19:03 Uhr (Kommentar melden)

    Besser spät als nie, oder wie? Gerade die Städte mit dem dicksten Konto ....unglaublich!! Hier wird doch besonders viel CO² in die Luft geblasen und Dachflächen gibt es massig. Wir haben unsere ersten PV-Anlagen auf privaten Dächern 1991 in Hamburg (als Kieler Unternehmen) installiert. Kinder, wie die Zeit vergeht. Ihr seid echte Vorreiter....ach ja und gut , das der Klimawandel sich soviel Zeit läßt.
    F.Kowoll

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