07.08.2017
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Großspeicher

In Chemnitz geht Sachsens größter Speicher in Betrieb

Die Chemnitzer Stadtwerke haben den größten Batteriespeicher Sachsens in Betrieb genommen. Über 4.000 Batteriemodule halten nicht nur das Netz der Stadtwerke stabil, sondern liefern auch Primärregelleistung für das Übertragungsnetz.

 - 4.008 Batteriemodule halten in Zukunft das Netz der Stadtwerke Chemnitz stabil.
4.008 Batteriemodule halten in Zukunft das Netz der Stadtwerke Chemnitz stabil.
Belectric

Die Stadtwerke im sächsischen Chemnitz haben eine riesigen Stromspeicher in Betrieb genommen. Errichtet wurde die Anlage vom Projektierer Belectric aus Kolitzheim in Franken. Mit einem Volumen von 25,9 Megawattstunden ist er einer der größten Speicher in Deutschland. Er ist in einem eigens dafür errichteten Gebäude untergebracht.

Speicher hält Verteilnetz stabil

Etwa zehn Millionen Euro haben die Stadtwerke in das Projekt gesteckt. Eine Million davon hat das Sächsische Wirtschaftsministerium in Form einer Förderung bereitgestellt. Mit dem neuen System wollen die Stadtwerke zunächst ihr eigenes, 3.000 Kilometer langes Netz stabil halten. „Der Batteriespeicher reagiert auf Frequenzänderungen und speichert je nach Bedarf Strom aus dem Netz ein, beziehungsweise gibt Energie ins Netz ab“, erklärt Roland Warner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Chemnitzer Stadtwerke. „So hilft er auf effiziente Weise das Netz zu stabilisieren und eine zuverlässige Stromversorgung zu garantieren. Batterien kennt jeder aus dem privaten Gebrauch. Sie speichern Energie und geben diese bei Bedarf sofort wieder frei. Konventionelle Kraftwerke benötigen je nach Art oft mehrere Minuten, um hoch- oder runterzufahren. Unser Batteriespeicher hingegen kann seine volle Leistung in wenigen Sekunden abrufen. Damit ist der Batteriespeicher optimal dafür geeignet, um Schwankungen im Stromnetz auszugleichen.“

 - Am Dammweg im Norden der sächsischen Industriestadt haben die Stadtwerke Chemnitz extra ein neues Haus errichten lassen, um den Speicher unterzubringen. Das eigenwillige Gebäude haben Adobe Architekten aus der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt entworfen.
Am Dammweg im Norden der sächsischen Industriestadt haben die Stadtwerke Chemnitz extra ein neues Haus errichten lassen, um den Speicher unterzubringen. Das eigenwillige Gebäude haben Adobe Architekten aus der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt entworfen.
Belectric

Eigene Anlagen ins Netz integrieren

Auf diese Weise können die Chemitzer auch die steigende Anzahl von Photovoltaikanlagen besser in ihr Netz integrieren. Immerhin betreibt das Stadtwerk selbst 13 Solar- und zwei Windkraftanlagen, die ihren Strom volatil in das eigene Verteilnetz einspeisen. In Zukunft wird der Speicher eventuelle Überschüsse aufnehmen und später wieder abgeben. „Die Versorgungssicherheit mit Energie hat oberste Priorität“, betont Stefan Brangs, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium in Dresden, mit Blick auf die Energiewende, die auch um Sachsen keinen Bogen macht. „Neben dem Netzausbau ist die Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien ein Baustein dafür. Mit Hilfe unserer Förderung gehen wir den nächsten Schritt zur Integration von erneuerbaren Energien in unsere Stromnetze.“

Speicher wirtschaftlich betreiben

Zudem wird das Stadtwerk zehn der etwa 15 Megawatt Speicherleistung am Regelenergiemarkt anbieten. Dort sind zwar die Preise derzeit stabil auf niedrigem Niveau, nachdem sie vor zwei Jahren drastisch gesunken sind. Grund dafür ist, dass die ersten großen Speicherprojekte auf den Markt drängen, der bis dahin den konventionellen Kraftwerken vorbehalten war. Dennoch rechnen die Chemnitzer damit, dass sie so den Speicher wirtschaftlich betreiben können. Denn damit steht ein zweites Geschäftsmodell – neben dem vermiedenen Ausbau des Netzes aufgrund der steigenden Anzahl volatiler Stromerzeuger – zur Verfügung. Dass dies durchaus gelingen kann, hat die Wemag in Schwerin bereits erfolgreich bewiesen. Dort ist das Modell so erfolgreich, dass der Versorger in diesem Jahr die Leistung und die Kapazität des bisherigen Speichers verdreifacht hat.

Mit der Primärregelleistung gleichen Übertragungsnetzbetreiber Frequenz- und Spannungsschwankungen im Netz aus. Diese entstehen dadurch, dass Erzeugung und Verbrauch nicht immer exakt übereinstimmen. Die Primärregelleistung muss innerhalb von 30 Sekunden vollständig zur Verfügung stehen und die angebotene Leistung 15 Minuten lang aufrecht erhalten. Auf sie können alle Übertragungsnetzbetreiber zurückgreifen. (Sven Ullrich)

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