25.05.2018
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E-Mobilität bei Nutzfahrzeugen

In Österreich fährt sogar die Feuerwehr elektrisch

Die städtische Linz AG in Österreich hat mit einem Feuerwehrausrüster und einem Batteriehersteller Europas erstes vollausgestattetes taktisches Feuerwehreinsatzfahrzeug mit Elektroantrieb entwickelt. So zuverlässig ist die Technik.

 - E-Feuerwehr der Linz AG
E-Feuerwehr der Linz AG
Foto: LINZ AG

Wenn sich drei innovative österreichische Unternehmen zusammenschließen und einer gemeinsamen Vision folgen, mündet dies in einer absoluten Neuheit im Einsatzfahrzeugsektor. So hat die städtische Linz AG mit dem Feuerwehrausrüster Rosenbauer International und dem Hochleistungs-E-Batteriehersteller Kreisel Electric Europas erstes vollausgestattetes taktisches Feuerwehreinsatzfahrzeug mit Elektroantrieb entwickelt.

Das neue E-Feuerwehrauto beruht auf der Karosserie eines Mercedes Sprinter. In das Fahrzeug eingebaut sind vier Batterien mit einer Gesamtkapazität von 86 Kilowattstunden und ein Elektromotor mit einer dauerhaften Leistung von 120 Kilowatt. Trotz des hohen Gewichtes des Akkus von 600 Kilogramm und des gesamten Fahrzeuges mit einer Besatzung von bis zu sechs Personen ist eine Reichweite bis zu 160 Kilometern möglich. Mit einer Schnellladestation sind zudem innerhalb von 80 Minuten 90 Prozent der Batteriekapazität wieder hergestellt. Bereits bei einer Fahrleistung von 12.000 Kilometern pro Jahr soll der Wagen kostengünstiger unterwegs sein als ein konventionelles Fahrzeug und dabei gegenüber dem traditionellen Verbrenner zusätzlich noch 4,8 Tonnen Kohlendioxid einsparen.

Innovationsoffensive Linz

Das Fahrzeug ist ab sofort in der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz unterwegs und folgt in gewisser Weise einer Tradition. Die Stadt nimmt schon seit Jahren mit ihrem öffentlichen Verkehrssektor eine Pionierrolle im Bereich der umweltfreundlichen E-Mobilität ein. Mit einem innovativen E-Bus zum Beispiel leistet Linz bereits jetzt einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Feinstaubbelastung sowie der Schadstoffemissionen im öffentlichen Personennahverkehr und damit zur Lebensqualität in der Stadt. Das Feuerwehrfahrzeug mit Elektroantrieb stellt insofern einen weiteren Meilenstein dar und belegt die Innovationsstärke des Linzer Zentralraums.

E-Feuerwehr in Linz beim Laden.
E-Feuerwehr in Linz beim Laden. - E-Feuerwehr in Linz beim Laden.
E-Feuerwehr in Linz beim Laden.
Foto: LINZ AG

Urheber dieses nächsten Schritts ist die Linz AG, deren Engagement im Bereich der Elektromobilität inzwischen weit reicht. Das Unternehmen kümmert sich als Multi-Utility-Anbieter um die Energieversorgung, den öffentlichen Nahverkehr und um die kommunalen Dienste der Metropole. Bereits 73 Prozent der Fahrgäste im öffentlichen Verkehr fahren dort elektrisch. Im Dezember 2017 präsentierte die Linz AG im Nutzfahrzeugsektor das österreichweit erste Müllfahrzeug mit vollelektrischem Verladesystem.

So verwundert es nicht, dass hier der Projektinitiator für das Feuerwehrfahrzeug, Harald Forstenpointner, Kommandant der Betriebsfeuerwehr der Linz AG, auf fruchtbaren Boden stieß. Er selbst hatte sich im Rahmen eines weiterbildenden Studiums stark mit der Energiewende beschäftig. Dabei tauchte auch die Idee eines vollelektrisch betriebenen Einsatzfahrzeugs auf. Und zwar als eine mögliche Antwort auf die Frage, was er in seinem eigenen Umfeld für den Umweltschutz bewirken könnte. Im Feuerwehrwesen ist der Klimaschutzgedanke aus praxisrelevanter Sicht längst angekommen. In Fachkreisen heißt es, dass Feuerwehren schon heute immer öfter wegen extremen Wetterereignissen ausrücken müssen, die dem Klimawandel zugeschrieben werden. Was liegt also näher, als bei den eigenen Emissionen des klimaschädlichen CO2 zu beginnen?

Für die Entwicklung eines solchen Schlüsselprojekts braucht es natürlich schlagkräftige Partner. Die standen jedoch schnell zur Seite. So konnte die Linz AG einerseits die Rosenbauer International AG mit Sitz in Leonding in Oberösterreich gewinnen. Das Unternehmen ist weltweit einer der größten Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen und beschäftigt sich seit über fünf Jahren mit neuen Konzepten und alternativen Antrieben. Andererseits spielte auch die Kreisel Electric GmbH & Co KG, ein österreichischer Entwickler und Hersteller von Akkumulatoren mit Sitz in Rainbach, eine bedeutende Rolle. Bekannt ist Kreisel Electric unter anderem dafür, dass es weltweit die leichtesten und sichersten Batterien mit der größten Leistungsbilanz und maximaler Lebensdauer entwickelt hat. Das Unternehmen ist auf die Entwicklung von E-Mobilitätsprojekten spezialisiert und setzt insbesondere auch auf Nutzfahrzeuge. In vielen Fällen müssen diese schließlich nur kurze Strecken zurücklegen und das Laden kann in den Einsatzpausen erfolgen. E-Mobilitätslösungen sind hier nahezu idealtypisch anwendbar.

Vorzeigeprojekt mit Nachahmungspotenzial

Am Kreisel-Standort Rainbach wurde das Fahrzeug in zwei Monaten von den Spezialisten auf „E“ umgerüstet. Dabei fiel die Wahl ganz bewusst auf den Mercedes Sprinter, als Feuerwehrfahrzeug von Rosenbauer auf den etwas sperrigen Namen KLF-L hörend. Für den hat Kreisel Electric schon E-Mobilitätslösungen für verschiedene Anwendungsbereiche umgesetzt. So wurden in Projekten mit der Industrie bereits kleinere Busse für den Personenverkehr und Lieferwagen für den Gütertransport auf Sprinter-Basis entwickelt. Das Fahrzeug lässt sich ganz einfach mit Gas-/Bremssystem bedienen und beschleunigt optimal – Vorteile, die gerade bei Einsätzen entscheidend sein können.

Bei der Linz AG ist man zu Recht stolz auf das Projekt. Schließlich eignet es sich hervorragend, um saubere Mobilität von morgen greif- und sichtbar zu machen, Möglichkeiten aufzuzeigen und zu neuen Ideen rund um das Thema E-Mobilität anzuregen. Immerhin ist die Feuerwehr ein großartiger Multiplikator für E-mobile Lösungen. Allein in Oberösterreich hat das Feuerwehrwesen beinahe 100.000 Mitglieder. Weitere Anwendungsfelder für die neue Mobilität im urbanen Raum dürften nur eine Frage der Zeit sein.

Österreichische E-Mobilität auf dem Vormarsch

Dass sich gerade Österreich beim Aufbruch in das neue Mobilitätszeitalter als Vorreiter zeigt, ist nicht verwunderlich. Ein Blick in den Motorraum der österreichischen Automobilindustrie macht deutlich: Mit einem enormen Forschungsumfang, zahlreichen vernetzten Institutionen und vielseitigen Möglichkeiten ist Österreich einer der wichtigsten Taktgeber auf dem Weg zur neuen Mobilität. Fahrassistenzsysteme, Hindernissensoren, intelligente Scheinwerfer, zuverlässige Motorensteuerungen – viele dieser kleinen Helfer wurden dort entwickelt. Umfangreiche Fördermaßnahmen wie eine steuerliche Forschungsprämie leisten hier einen großen Beitrag. So liegen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der Automobilindustrie bei 21.500 Euro pro Beschäftigtem.

Hinzu kommen die Entwicklungsmaßnahmen von über 800 Start-ups und Unternehmen im Bereich der Mobilität der Zukunft. Das Spektrum neuer Anwendungen ist hier enorm – von der kabellosen Ladelösung für E-Autos von Easelink, neuen Wegen in der Lagerlogistik mit den Intelligent Guided Vehicles (IGV) von Agilox bis hin zu Parkbob, einer App, die die innerstädtische Parkplatz-Suche für entnervte Autofahrer revolutioniert. Wichtige technologische Impulse zum Schutz der Umwelt und zur Steigerung der menschlichen Lebensqualität sind insofern also keine Frage von Größe. Österreich zeigt, dass gerade gezielte Forschungs- und Wirtschaftsfördermaßnahmen, verbunden mit einer Vision und dem individuellen Einsatz begeisterter Menschen, etwas bewegen und die Zukunft gestalten können.

 - Bernhard Bachleitner
Bernhard Bachleitner
Foto: Invest in Austria

Autor: Bernhard Bachleitner, Direktor Deutschland Süd, Umwelttechnik & Erneuerbare Energien bei der österreichischen Betriebsansiedlungsagentur ABA – Invest in Austria

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