19.04.2018
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Konferenz Solare Nahwärme – ein Kommentar

Nahwärmeversorger wollen die Solarthermie

Die Solarthermiebranche sieht optimistisch in die Zukunft. Zumindest Projektierer von großen solarthermischen Anlagen können sich auf ein erkleckliches Marktwachstum hoffen. Denn die Nahwärmeversorger greifen immer mehr auf diese Technologie zurück, um die Wärme in ihren Netzen zu dekarbonisieren.

 - Dänemark ist zwar Vorreiter, aber auch in Deutschland greifen viele Versorger auf die Solarthermie zurück, um ihre Nahwärmenetze zu dekarbonisieren. Nur so können sie angesichts steigender Anforderungen an die Senkung des Primärenergieverbrauchs in Gebäuden gegenüber photovoltaisch betriebenen Heizstäben oder Wärmepumpen konkurrenzfähig bleiben.
Dänemark ist zwar Vorreiter, aber auch in Deutschland greifen viele Versorger auf die Solarthermie zurück, um ihre Nahwärmenetze zu dekarbonisieren. Nur so können sie angesichts steigender Anforderungen an die Senkung des Primärenergieverbrauchs in Gebäuden gegenüber photovoltaisch betriebenen Heizstäben oder Wärmepumpen konkurrenzfähig bleiben.
Stadtwerke Senftenberg

Die Solarthermiebranche hat sich viel vorgenommen. Zumindest was ihren Beitrag zur Belieferung von Kunden in Nah- und Fernwärmenetzen betrifft, will sie stärker werden. Damit setzt sie auf das richtige Pferd. Denn die Installationszahlen der kleinen solarthermischen Anlagen stagnieren seit Jahren. Der Grund ist relativ einfach: Die Solarthermie liefert dann extrem viel Wärme, wenn der Bedarf am niedrigsten ist: im Sommer. Im Winter hingegen, wenn der Bedarf steigt, muss ein riesiger Speicher her, wo die Wärme vorher gesammelt wurde. Die Verluste sind üppig und selbst ausgeklügelte Systeme kommen ich ohne Zusatzheizgerät aus.

Nahwärmenetze dekarbonisieren

Das ist in der solaren Nahwärmeversorgung auch nicht anders. Doch der Unterschied ist hier, dass die Anlagen groß genug ausgelegt werden können, um im Sommer – und wohl auch noch im Frühjahr, wenn die Sonne scheint – den gesamten Wärmebedarf zu decken. Denn in einem solchen Nahwärmenetz findet die Solarwärme auch an warmen Tagen ihre dankbaren Abnehmer.

Auch die Betreiber von solchen Wärmenetzen greifen immer mehr auf die Solarthermie zurück. Schließlich müssen sie in naher Zukunft eine Lösung finden, wie sie die Nahwärmelieferungen dekarbonisieren. Denn die Gebäudestandards werden in Zukunft strenger. Um diese zu erreichen, muss die Nah- und Fernwärme ihren Beitrag leisten. Sonst werden die Hauseigentümer auf diese nicht mehr zurückgreifen können und statt dessen auf Wärmepumpen oder Heizstäbe zurückgreifen, die mit Photovotlaik betrieben werden.

Solarthermie als Lösung

Hier bietet sich die Solarthermie durchaus als Lösung für die Nahwärmeversorger an. Da die Rohrleitungen ohnehin verlegt sind kann durch diese auch Wärme aus solarthermischen Kollektoranlagen fließen und einen großen Anteil der Wärmelieferung übernehmen. So ist es durchaus möglich, auch ohne riesige Wärmespeicher die Wärmeversorgung im Sommer komplett mit Sonnenenergie abzudecken. Im Winter müsste dann mit einer anderen Technologie zugeheizt werden. In der Regel übernehmen das derzeit Gaskraftwerke. Bisher werden diese noch mit Erdgas betrieben. Das könnte sich aber in Zukunft ändern. Dann werden diese Kraftwerke mit sythetischem Gas geheizt, das aus überschüssigem Wind- und Solarstrom gewonnen wird. Dann müssen nur noch die Kohlekraftwerke verschwinden, mit denen einige Nahwämreversorger immer noch ihre Netze beheizen. Dann ist die Nahwärmeversorgung komplett erneuerbar.

Zielmarke liegt bei 15 Prozent

Bis es aber so weit ist, muss die Solarthermie aber noch einiges aufholen. Die ersten positiven Signale sind aber da. So erwartet der Präsident des Europäischen Verbandes für Nahwärmeversorgung Euroheat & Power, Werner Lutsch, dass noch in diesem Jahr die Marke von einer Terawattstunde Solarwärme in den europäischen Nahwährmenetzen geknackt wird. Bis zum Jahr 2050 soll der Beitrag der Solarthermie in der Nahwärmeversorgung auf 240 Terawattstunden jährlich steigen. Das wäre dann immerhin ein Anteil von 15 Prozent der gesamten Nahwärmeversorgung in Europa.

Werner Lutsch stützt sich dabei auf Prognosen von Marktanalysten, die immerhin ein jährliches Wachstum des Zubaus von großen solarthermischen Anlagen in Höhe von 35 Prozent festgestellt haben. Bei einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum in dieser Größenordnung sollte das von Euroheat & Power anvisierte Ziel auch erreicht werden, wie er auf der internationalen Konferenz zum Thema solare Nahwärmeversorgung in Graz betonte. Er sieht vor allem in der engeren Zusammenarbeit zwischen den Nahwärmeversorgern und der Solarthermieindustrie eine Möglichkeit, mehr Sonnenwärme in die Netze zu bringen. Schon jetzt ziehen beide Branchen an einem Strang und haben eine enge Kooperation geschaffen, betont Lutsch.

Dänemark ist Vorreiter

Das hat schon in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass der Anteil der Solarthermie in den Nahwärmenetzen immer größer geworden ist. Lutsch verweist hier auf den Vorreiter Dänemark, wo immerhin schon mehr als 100 der insgesamt rund 270 Kommunen und Städte in dem skandinavischen Land einen Solaranteil in den Nahwärmenetzen zwischen 15 und 60 Prozent. Teilweise übernehmen hier Solarthermieanlagen mit einer Leistung von mehr als 100 Megawatt im Sommer die gesamte Wärmeversorgung der relativ großen dänischen Kommunen. Aber auch andere Länder holen auf. So steigt die Nachfrage nach solarthermischen Kollektorsystemen zur Nahwärmeversorgung auch in Österreich, Deutschland, Frankreich und in Schweden stark an. Schließlich wachse in diesen Ländern der Anteil der Nahwärmeversorgung allgemein, so dass hier die Solarthermiebranche ein starkes Standbein aufbauen könnte.

Interesse der Nahwärmeversorger steigt

Das steigende Interresse der Nahwärmeversorger an der Solarthermie lässt sich auch anhand der Zahl der Teilnehmer an der Konferenz in Graz. Immerhin hat sich diese im Vergleich zur vorhergehenden Konferenz in dänischen Billund vor zwei Jahren verdoppelt. Immerhin 350 Interessenten kamen nach Graz, um sich über die Möglichkeiten und die neusten Entwicklungen der Solarthermie für die Nahwärmeversorgung zu informieren. Für Christian Fink vom AEE Institut für Nachhaltige Energie (AEE Intec) in Graz ist diese Entwicklung ein deutliches Zeichen, dass die Solarthermie bei den Nahwärmeversorgern immer mehr in den Mittelpunkt rückt. Er verweist zudem auf die Unterstützung der Solarthermie in der Nahwärmeversorgung durch die Europäische Kommission. „Es ist das Ziel der Konferenz, Geschäftspartner und Entscheider, die an der Technologie der Solarthermie interessiert sind, einen Impuls für neue Projekte zu geben“, betont Christian Fink. (Sven Ullrich)

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2 Kommentare zu "Nahwärmeversorger wollen die Solarthermie "

  1. heinbloed - 20.04.2018, 11:17 Uhr (Kommentar melden)

    Quadratisch, praktisch ....
    Ein erfolgreiches Projekt in Senftenberg:
    https://www.solarserver.de/solar-magazin/senftenberg-mehr-sonne-im-waermenetz-als-gedacht.html

  2. Andreas Lieb - 19.04.2018, 14:02 Uhr (Kommentar melden)

    Eigentlich guter Artikel über Solarthermieanlagen, aber mit einem bedeutenden Fehler:
    Welchen Sinn soll es haben, Wärmenetze im Winter mit Power-to-Gas-Methan zu beheizen? Das ist eine Energieverschwendung sondergleichen. Gerade Fernwärmenetze haben den gewaltigen Vorteil, große Wärmespeicher nutzen zu können, die extrem günstig sind. Daher ist es viel zweckmäßiger, in Zeiten von Stromüberschüssen mit Wärmepumpen Wärme zu erzeugen und diese dann in Wärmespeichern zu speichern, statt über Power-to-Gas-Anlagen Gas zu erzeugen und dieses dann zu speichern. Denn über Wärmepumpen lassen sich aus 1000 kWh Überschussstrom 4.000 kWh Wärme erzeugen. Über Power-to-Gas- und Gaskessel bestenfalls 700 kWh. Der Weg über Wärmepumpen ist also nicht nur günstiger, sondern auch um Faktor 5 bis 6 effizienter!
    Einzig während Dunkelflauten ist es sinnvoll, die Stromlücken durch stromgeführte KWK-Anlagen auszugleichen. Da kann dann natürlich auch PtG-Gas zum Einsatz kommen. Aber das wird bei hohen Anteilen an erneuerbaren Energien eher die Ausnahme als der Regelfall sein. Wärmegeführte KWK-Anlagen werden aber in einem erneuerbaren Energiesystem, in dem Stromüberschüsse nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind, keine Zukunft mehr haben. Siehe unter anderem die Sektorkopplungsstudie von Volker Quaschning.
    Schön ist aber der Ausbau großer Solarthermieanlagen. Diese können einen wichtigen Faktor in zukünftigen modernen Fernwärmenetzen (gerade Wärmenetzen 4.0) darstellen.

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