03.02.2018
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Innovative Rammtechnik

Offshore geht auch leiser

Eine neue Technik ersetzt laute Rammhammer für das Versenken von Monopiles im Meeresboden.

 - Blue Piling, Testanlage
Blue Piling, Testanlage
Foto: Jasper Winkes

Lärmvermeidung während der Rammarbeiten für Offshore-Gründungen ist seit Langem eine Herausforderung. Mit wachsendem Durchmesser der Monopiles nimmt auch der Geräuschpegel zu. Eine Lösung könnte die neue Blue-Hammer-­Technik bedeuten. Entwickelt wurde sie von Fistuca, einem Spin-off der Ingenieursfakultät an der Technischen Universität von Eindhoven in den Niederlanden. Die Technik unterscheidet sich deutlich vom bisherigen Rammen des Rohrs durch einen lautstarken Stahlhammer. Fistuca nutzt die Beschleunigung einer Wassersäule durch ein Gasgemisch als treibende Kraft.

Gasgemisch hilft beim Rammen

Nach Informationen von Jasper Winkes, Gründer und Direktor von Fistuca, wurde ein Prototyp der Technologie bereits erfolgreich erprobt. Das Prinzip: Die Verbrennung eines Gasgemischs führt zu einem erhöhten Druck. Dieser verursacht eine beschleunigte Aufwärtsbewegung von Wasser und eine abwärts gerichtete Kraft, die das Rohr in den Meeresboden stößt. Ein weiterer kräftiger Stoß entsteht, wenn die Wassermasse fällt. Das verbrannte Gasgemisch wird dann erneuert und der Prozess wiederholt sich.
Vorteile der Blue-Hammer-Technik: Vor allem ist sie viel leiser als der klassische Rammhammer. Laut Winkes ist die Geräuschentwicklung unter Wasser bis zu 20 dB geringer. Dadurch seien Lärmschutzvorkehrungen in den meisten Fällen überflüssig. Das wiederum reduziert die Kosten eines Offshore-Projekts.

 - Hier sieht man die Bewegung der Wassersäule und des Monopiles.
Hier sieht man die Bewegung der Wassersäule und des Monopiles.
Grafik: Blue Piling

Ermüdungserscheinungen vermeiden

Verglichen mit dem Setzen eines Fundaments mit dem konventionellen Hammer wird das Monopile viel langsamer versenkt. Dadurch werden laut Winkes Ermüdungsschäden vermieden. Mehr als 100 Millisekunden verstreichen während eines Rammschritts. Ein weiterer Vorteil, der mit wachsender Anlagengröße an Bedeutung gewinnt: Auch große Rohrdurchmesser und Wassertiefen sollen kein Hindernis sein. Dadurch, dass die Rohre weniger belastet werden, ist es laut Winkes sogar möglich, Komponenten wie Bootanlande-Vorrichtungen, Rostschutz-Kathoden und innere Plattformen vorzumontieren. Dadurch reduzieren sich die Arbeiten nach Installation des Monopiles.
Der Kranhersteller Huisman Equipment, Anteilseigner und Investor bei Fistuca, baut nach Aussage von Winkes gerade mit der Blue-Hammer-­Technik den größten und leistungsstärksten Hammer der Welt. Der soll Ende 2017 fertig sein, am Hafen von Rotterdam im ersten Quartal 2018 und Offshore dann im zweiten Quartal getestet werden. (Nicole Weinhold)  Dieser Artikel ist in unserem Print-Magazin erschienen. Mehr exklusive Artikel erhalten Sie, wenn Sie jetzt ein   kostenloses Probeheft   online bestellen.

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