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Neue Studie

Offshore-Jobs? Die gibt’s auch in Süddeutschland

Jeder dritte Beschäftigte in der Offshore-Industrie arbeitet fernab der Küsten. Und die meisten Jobs bietet ausgerechnet ein Auto-Land.

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Katharina Wolf

Wo arbeiten die meisten Menschen in der Offshore-Windbranche? Am Meer, würde man vermuten, in Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern. Doch weit gefehlt. 4.455 Arbeitsplätze und damit die meisten in Deutschland bietet ein Bundesland, das man eher mit der Automobilindustrie und Schwarzwälder Kuckucksuhren in Verbindung bringt: Baden-Württemberg.

„Jeder dritte Beschäftigte in der Windenergie auf See arbeitet in Baden-Württemberg, Bayern oder Hessen“, sagte Heike Winkler, Geschäftsführerin Heike Winkler der WAB e.V. bei der Vorstellung einer Studie, die Wind Research erstellt hat. „Das zeigt: auch küstenferne Bundesländer profitieren von einem stetigen Ausbau der Windenergie auf See und von einer langfristigen Perspektive für diese Technologie. Das sollte sich auch in der politischen Unterstützung ambitionierter Ausbauziele niederschlagen.“

Offshore-Branche sorgt für Wertschöpfung in Milliardenhöhe

Die Beschäftigten in der Offshore-Windenergie in Baden-Württemberg arbeiten vor allem im Engineering sowie in der Forschung und Entwicklung. Dieser Schwerpunkt bringt Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Südwesten einen Umsatz mit Offshore-Windenergie von rund einer Milliarde Euro (1,01 Mrd.), ermittelte Wind Research.

Hier liegt Baden-Württemberg auf Rang vier unter den deutschen Bundesländern, hinter Niedersachsen (2,53 Mrd.), Hamburg (1,79 Mrd.) und Nordrhein-Westfalen (1,13 Mrd.). Auch bei der Zahl der Marktteilnehmer liegt Baden-Württemberg im Bundesländervergleich auf einem Podiumsplatz. Die 86 im Südwesten aktiven Marktteilnehmer werden nur von Niedersachsen (126) und Nordrhein-Westfalen (98) übertroffen.

„Die Analyse hat gezeigt, dass – auch für uns in der Ausprägung überraschend – viel Wertschöpfung, also Umsätze, Arbeitsplätze und Marktteilnehmer gerade auch in Baden-Württemberg vorhanden ist. Baden-Württemberg ist in der Offshore Windenergie insbesondere in Forschung und Entwicklung sowie im Engineering stark vertreten und das hat sich seit unserer ersten Analyse vor neun Jahren sogar noch verstärkt“, so Dirk Briese, Geschäftsführer von Wind Research.

Einbruch in den kommenden Jahren befürchtet

Doch die Branche befürchtet, dass der Ausbau der Offshore-Windenergie abreißt und damit Jobs verloren gehen. Laut der Studie hängt die Zahl der Beschäftigten in der Offshore-Windbranche in Deutschland (derzeit 24.350) stark von den Ausbauzielen der Bundesregierung ab. Doch der Ausbau der Windenergie auf See wird in den kommenden zwei bis drei Jahren wohl deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt liegen.

Deshalb sollte die Bundesregierung nicht umgehend die rechtlichen Voraussetzungen für die Ausschreibung des 2018 im Koalitionsvertrag angekündigten „Sonderbeitrags“ schaffen, heißt es von Seiten der Wab. Bis zu zwei Gigawatt an zusätzlicher Kapazität für Offshore-Wind seien nicht nur technisch und wirtschaftlich machbar, sondern auch industriepolitisch erforderlich. Ohne diese zusätzliche Ausschreibung blieben Netzanschluss-Kapazitäten über mehrere Jahre nicht ausgelastet.

8.000 Jobs könnten verloren gehen - oder 10.000 neu entstehen

Zudem benötige die Branche auch langfristig ambitionierte und verlässliche Ausbauziele. Deren positiven Effekt zeigen auch die Szenarien der Studie: Aufgrund der Auftragsflaute im deutschen Markt ist voraussichtlich bis 2022/23 mit sinkenden Beschäftigtenzahlen und Umsätzen zu rechnen. Danach hängen der Zuwachs oder die weitere Abnahme der Beschäftigung von den Ausbauzielen bis 2035 ab. Im pessimistischen Fall droht der Verlust von mehr als 8.000 Arbeitsplätzen – im optimistischen Fall kommen rund 10.000 neu hinzu.