09.11.2017
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Rekordauslastung

Oktoberernte Offshore-Wind: Mehr als 65 Prozent eingefahren

Der windreiche Oktober hat nicht nur vielerorts in Mitteleuropa eine Rekordstromernte eingebracht, sondern insbesondere auch in den Meereswindparks in Nord- und Ostsee eine selten erreichbare monatliche Auslastung der Turbinen. Vielleicht am meisten überraschen sollte die Dauer-Stromproduktion eines Windparks direkt vor der Küste.

 - Eröffnungszeremonie für den niederländischen Nearshore-Windpark, der einem Konsortium aus örtlichen Investoren, Landwirten des Nordoostpolders am IJsselmeer und RWE gehört.
Eröffnungszeremonie für den niederländischen Nearshore-Windpark, der einem Konsortium aus örtlichen Investoren, Landwirten des Nordoostpolders am IJsselmeer und RWE gehört.
Westermeerwind

Gerade einmal 700 und 1.200 Meter vor dem Noordermeer- und dem Westermeerdeich stehen die 48 Anlagen des Windparks Westermeerwind in zwei Reihen. Doch der seit Frühjahr 2016 ins Netz einspeisende niederländische Windpark im – oder besser am Rande des Ijsselmeers – erlaubte dem Betreiberkonsortium aus örtlichen Landwirten, Investoren und auch Energiekonzern RWE jetzt, eine rekordverdächtige Auslastung zu melden: Der windreiche Oktober habe die 48 Siemens-Windenergieanlagen 69,7 Gigawattstunden (GWh) ins Netz einspeisen lassen. Zum Vergleich: Hätten die hier installierten getriebelosen 3,0-Megawatt-Anlagen an allen 31 Oktobertagen 24 Stunden lang unter voller Erzeugungslast einspeisen können, bei Dauersturm nämlich, hätten sie 107,1 GWh erzeugt. Die tatsächlich in Westermeerwind aber erzeugte Strommenge bedeutet, dass der Windpark zu 65 Prozent ausgelastet war.

Es handele sich um „das beste jemals erreichte Ergebnis“ für die 48 Anlagen, meldete das Betreiberunternehmen. Ein weiterer Vergleich macht die Dimension deutlich: Würde dieselbe Auslastung in einem ganzen Jahr vorherrschen, würden sich rechnerisch 5.700 Volllaststunden ergeben. Die Windbranche selbst geht allerdings von einer normal guten Auslastung der Offshore-Windparks von kaum mehr als 4.500 Volllaststunden aus. Und diese Annahme gilt auch eher für den Fall,  dass die Offshore-Windparks weit genug von der Küste entfernt stehen und damit die Luftströmungen ungebremst von jeglichem bremsenden Einfluss der Küsten auf die Windturbinen einwirken.

 - Windpark Westermeerwind: 48 Siemens-Turbinen mit Direktantrieb und jeweils 3,0 MW Leistung.
Windpark Westermeerwind: 48 Siemens-Turbinen mit Direktantrieb und jeweils 3,0 MW Leistung.
Westermeerwind

Zwar zählt der Oktober mit November, Dezember und Januar zu den ohnehin windreichsten Monaten in dieser Meeresregion, so dass sich eine direkte Umrechnung der Windparkauslastung dieses Monats auf eine ganze Jahresphase letztlich verbietet. Doch auch im Vergleich mit den küstenfernen Windparks in der deutschen Nord- und Ostsee glänzt die Oktober-Einspeisung von Westermeerwind: Nur drei von einem guten Dutzend bereits voll einspeisenden deutschen Offshore-Windparks hatten laut der Statistik des Instituts Fraunhofer Ise dieselbe oder eine leicht höhere Auslastung erreicht: Die Windparks Bard, Baltic 1 und 2 sowie Amrumbank West kamen auf Auslastungen von 65,2, 66,7 und 67,5 Prozent. Der 400-Megawatt-Windpark Global Tech 1 – in den Daten des Fraunhofer Ise nicht vorhanden, das sich hier auf die Angaben der Strombörsen stützt – kam nach eigenen Angaben auf eine Einspeisung von 184,56 GWh und damit 62 Prozent Auslastung. Alle anderen von der Strombörse EEX erfassten Windparks kommen laut Fraunhofer Ise auf eine Auslastung von 47,1 bis 60,6 Prozent.

Warum die Quoten so unterschiedlich sind und vor allem, womit sich der Oktober-Erfolg des niederländischen Nearshore-Windparks Westermeerwind im Detail erklären lässt, bleibt bislang ohne öffentliche Erklärungen. Selbst Turbinenlieferant Siemens, der auch die zwei im Oktober am besten ausgelasteten deutschen Windparks Amrumbank West und Baltic 1 und 2 bestückt hat, liefert auf Anfrage nicht viel konkrete Erklärungsvorschläge. In den Windparks Amrumbank West und Baltic 1 und 2 seien die Getriebeanlagen von Siemens mit 2,3 und 3,6 Megawatt (MW) Leistung im Einsatz, „die sich generell durch eine exzellente Anlagenverfügbarkeit auszeichnen“, schreibt Siemens-Wind-Sprecher Bernd Eilitz. Außerdem sei im Windpark Baltic 1 und 2 das spezielle von Siemens betriebene Wohn- und Arbeitsschiff vom Typ SOV für Instandhaltungscrews im Einsatz und verkürze damit die „Transferzeiten“ zur Anfahrt bei Reparaturen oder Wartungen – und somit auch mögliche Stillstandszeiten der Anlagen.

Allerdings stehen in Westermeerwind Turbinen ohne Getriebe. Für dieses holländische Projekt hat Firmensprecher Eilitz noch eine spezifische Erklärung: „Unser Wind Service hat vor einigen Monaten eine Offensive gestartet, Wartungseinsätze besonders wirtschaftlich zu gestalten und die MTBV (durchschnittliche Zeit zwischen Technikerbesuchen) zu verlängern. Konkret werden notwenige Arbeiten besser gebündelt und auf weniger Einsätze verteilt.“  Dies habe im Falle von Westermeerwind „einen wichtigen Beitrag“ zur Rekordauslastung geleistet.

Richtig ist allerdings auch: Die Turbinenparks von Westermeerwind und der im Oktober am höchsten ausgelasteten deutschen Offshore-Windparks haben technologisch wenig gemein. So unterscheiden sich nicht nur die drei Siemens-Windfelder durch ihre jeweils verschiedenen Windturbinentypen. Die Offshore-Windparks Global Tech 1 und Bard hingegen bestehen aus Anlagen der früheren Turbinenhersteller Areva Wind und Bard mit jeweils fünf MW sowie mit einerseits einem Kompaktgetriebestrang-Konzept und andererseits hochaufgelösten klassischen Getriebe-Triebsträngen.

(Tilman Weber)

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