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Foto: SkySails Power GmbH
RWE kauft eine Flugwindkraftanlage bei Skysails. Eine Forschungsanlage ist schon in Betrieb.

Techniktrend

RWE Renewables plant Flugwindkraftanlage in Deutschland

Der Standort für das Pilotprojekt mit dem Hersteller Skysails wird noch gesucht. Energieversorger sieht Potenzial „onshore und offshore“.

Katharina Wolf

Die Nutzung von Flugwindenergieanlagen könnte in Deutschland einen wichtigen Schritt nach vorn machen. Die RWE Renewables GmbH und die SkySails Power GmbH planen in einem Pilotprojekt eine solche Anlage mit einem 120 m² großen Lenkdrachen zu errichten. Die Energieausbeute soll in bis zu 400 Metern Höhe erfolgen und damit deutlich über das hinausgehen, was klassische Windenergieanlagen Gesamthöhe bieten können.

Pilotprojekt soll 200 kW leisten können

Drachen zur Stromerzeugung zu nutzen, ist eine Idee, die nicht neu ist, aber bislang noch keine Umsetzung in großem Stil erlebt hat. Aufgrund ihrer Höhe sollen Flugwindkraftanlagen den energiereichen und konstanten Wind in Höhen von bis zu 800 Metern nutzen und so eine stetige Stromerzeugung gewährleisten. Zudem benötigen sie deutlich weniger Material als Anlagen auf Türmen und sind somit leichter zu transportieren, zu errichten und auch wieder abzubauen.

RWE wird laut einer Mitteilung der Unternehmen eine Skysails-Flugwindkraftanlage mit bis zu 200 Kilowatt Leistung kaufen. Drei Jahre lang wird die RWE Renewables das System im Rahmen des Pilotprojektes zur Evaluierung der Technologie betreiben. Ein Standort steht noch nicht fest. Daher sei es auch unmöglich, einen Zeitpunkt für die Errichtung zu benennen, so eine Sprecherin. Geeignete Standorte in Deutschland würden derzeit untersucht.

Forschungsprojekt in Schleswig-Holstein in Betrieb

Die Skysails-Anlage besteht aus einer Bodenstation mit einer Seilwinde, in die ein Generator integriert ist. Während seines Aufstiegszieht ein Zugdrachen, der „Kite“, ein Seil in gesteuerten Flugfiguren von einer Winde ab – und der verbundene Generator erzeugt Strom. Sobald das Zugseil seine maximale Länge erreicht hat, beginnt die Rückholphase: Der Kite stellt sich automatisch in eine Position, in der seine Zugkraft sehr gering ist, er also ohne viel Widerstand eingeholt werden kann. Der Generator arbeitet jetzt als Motor und wickelt das Seil auf. Dieser Rückholprozess benötigt nur einen Bruchteil der Energie, die während der Leistungsphase erzeugt wird. Nun kann der nächste Stromerzeugungs-Zyklus beginnen.

Aktuelle Flugwindkraftanlagen bringen derzeit Leistungen von 100 bis 200 Kilowatt, heißt es von RWE. Weiterentwicklungen versprächen Leistungen im Megawattbereich und sei damit auch für den Einsatz in großen Windparks besonders attraktiv. Skysails arbeite derzeit an der Entwicklung einer solchen Anlage. Das Unternehmen betreibt bereits einen Piloten mit einer Leistung von bis zu 200 kW im Rahmen eines Forschungsprojektes in Schleswig-Holstein, die sich nach Unternehmensangaben seit Sommer 2020 im Dauerbetrieb befindet. Ergebnisse aus diesem Forschungsprojekt werden in die Anlage für RWE Renewables einfließen, so Skysails.

Vorteil: leichte und kompakte Bauweise

„Die leichte, kompakte Bauweise von Flugwindkraftanlagen nimmt in besonderer Weise Rücksicht auf Mensch und Tier. Die Systeme arbeiten sehr leise, fallen in der Landschaft praktisch nicht auf und werfen kaum Schatten“, sagt Stephan Wrage, CEO der SkySails Power GmbH. Diese Vorteile können nach seinen Worten dazu beitragen, die Akzeptanz für Windenergie weiter zu erhöhen. Wrage: „Damit ist die SkySails-Technologie eine faszinierende Variante der erneuerbaren Stromerzeugung mit Windkraft.“

„Die Technologie hat das Potenzial, sowohl onshore als auch offshore eingesetzt zu werden und so die konventionelle Windenergie zu ergänzen“, sagt Katja Wünschel, Chief Operating Officer Wind Onshore und Photovoltaik Europa und asiatisch-pazifischer Raum der RWE Renewables.  Vorstandskollege Sven Utermöhlen sagt: „Dieses Pilotprojekt kann nicht nur den Ausbau einer dezentralen erneuerbaren Energieversorgung unterstützen. Es ist auch ein vielversprechender Beitrag dazu, die Stromerzeugung von RWE bis 2040 klimaneutral umzubauen.“

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Foto: Roman Stetsyk -stock.adobe.com

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