29.07.2011
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Photovoltaik / Strompreise

Solarstrom sorgt für Preissenkungen

Isolierte Hochrechnungen reichen nicht für seriöse Bewertung von Kosten und Nutzen

Am 16. Juli sank der Strompreis an der Leipziger Strombörse zur Mittagszeit auf niedriges Nachtniveau. Grund dafür war der hohe Anteil von Solarstrom. Um die Kosten und den Nutzen von erneuerbaren Energien seriös einzuschätzen, reicht es nicht aus, nur die Einspeisevergütung und die EEG-Umlage herzunehmen. Das System muss als Ganzes betrachtet werden.

 - Hier wird der Strompreis gemaucht: die Strombörse EEX in Leipzig. Bundeskanlerin Angela Merkel informiert sich über die Arbeit der Händler.
Hier wird der Strompreis gemaucht: die Strombörse EEX in Leipzig. Bundeskanlerin Angela Merkel informiert sich über die Arbeit der Händler.
Foto: Steffen Kugler

Die Photovoltaik hat am 16. Juli dieses Jahres bewiesen, dass sie zu sinkenden Strompreisen erheblich beitragen kann. An diesem Tag sank der Strompreis an der Leipziger Strombörse EEX am frühen Nachmittag, wenn eigentlich der Strompreis am höchsten liegt, auf niedriges Nachtniveau. Zwischen 14 und 15 Uhr musste ein Käufer für eine Stromlieferung nur 2,5 Cent pro Kilowattstunde bezahlen. Üblich sind an Wochenenden um diese Uhrzeit etwa doppelt so hohe Preise. Fachleute erwarten, dass die Strompreise bei einem weiteren Ausbau der Photovoltaik in den Sommermonaten tagsüber immer häufiger und für immer längere Zeiträume auf dieses niedrige Niveau sinken werden.

Damit sind die Szenarien widerlegt, die von den Kritikern der Energiewende vorgebracht werden, der Ausbau der Photovoltaik werde zu steigenden Strompreisen führen. Außerdem wird sich die Marktprämie, die in das Erneuerbare-Energien-Gesetz aufgenommen wurde, als überflüssig erweisen. „Ich sehe keinen vernünftigen Grund, warum ein anständiger Photovoltaikanlagenbetreiber auf die Einspeisevergütung verzichten sollte, um auf höhere Preise an der Strombörse zu spekulieren“, meint Frank Rothacher, Geschäftsführer des Photovoltaiksystemanbieters Relatio in Balingen.

Die Kunden profitieren

Der Preis, der an der Strombörse bezahlt werden muss, richtet sich nach dem jeweils teuersten Anbieter. Damit konnten die vier großen Kraftwerksbetreiber EnBW, Eon, RWE und Vattenfall hohe Gewinne machen, indem sie billigen Grundlaststrom zur Mittagszeit sehr teuer verkauften. Doch je preiswerter Solaranlagen und damit Solarstrom wird und je mehr Strom aus Photovoltaikanlagen ins Netz eingespeist wird, was in der Regel hauptsächlich zur Mittagszeit passiert, desto geringer wird der Preis an der Strombörse. Die Profiteure dieser Entwicklung sind trotz Einspeisevergütung für Solarstrom und EEG-Umlage die Endkunden. „Vor allem stromintensive Unternehmen profitieren schon heute von niedrigen Börsenstrompreisen durch die erneuerbaren Energien“, sagt Björn Klusmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE). „Im letzten Jahr betrug dieser Effekt immerhin rund drei Milliarden Euro.“ Dazu kommt, dass mit dem neuen EEG ab kommendem Jahr noch weitere Unternehmen teilweise von der EEG-Umlage befreit werden.

Wertschöpfung hauptsächlich im Inland

Diese Entwicklung zeigt, dass isolierte Hochrechnungen voraussichtlicher Einspeisevergütungen nicht ausreichen, um eine umfassende Bewertung der Kosten und des wirtschaftlichen Nutzens der erneuerbaren Energien anzustellen. Vielmehr muss man die Kosten der erneuerbaren Energien den wahren Kosten der fossilen Energieträger gegenübergestellt werden. Allein im letzten Jahr haben die Erneuerbaren insgesamt Umweltschäden in Höhe von 8,4 Milliarden Euro und Energieimporte in Höhe von 7,4 Milliarden Euro vermieden. Dazu kommt, dass ein großer Teil der Wertschöpfung bei den erneuerbaren Energien im Inland stattfindet. Insgesamt sind allein in den 15.000 Unternehmen der Solarbranche 150.000 Menschen beschäftigt. (Sven Ullrich)

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