28.03.2013
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Fachartikel

Stromfluss kanalisiert

Mit einer neuen Norm führen die USA unter anderem erstmals einen Standard für Kabel ein. Er wird bald das Geschäft verändern.

 - Verkabelt für die Stromversorgung.
Verkabelt für die Stromversorgung.
Grafik: Lapp

UL 6141 ist die erste Norm des US-amerikanischen Normungsinstituts Underwriters Laboratories (UL) für große Windenergieanlagen. Das international anerkannte Sicherheitsprüfzeichen für elektrische und elektronische Anlagen und Komponenten können sich Hersteller freiwillig für ihre Produkte verleihen lassen. Es war erwartet worden, dass die Norm nach langer Vorbereitung 2012 veröffentlicht wird. Derzeit verzögert sich das und damit ihr Inkrafttreten. Doch klar ist: Sie wird kommen – und das ist insbesondere auch für die Verkabelung der Komponenten innerhalb der Windturbinen interessant.

Die Einhaltung der Norm wird für europäische und auch asiatische Windturbinenhersteller Voraussetzung für einen erfolgreichen Export ihrer Maschinen nach Nordamerika sein. Und genauso wird sie zur Voraussetzung für eine Anlagenproduktion in Nordamerika. Welche Veränderungen genau auf die Hersteller und Exporteure großer Windenergieanlagen zukommen, ist bislang nicht vollkommen klar. Sicher ist, dass UL 6141 den gesamten nordamerikanischen Markt mit den USA und Kanada betreffen wird. Geplant ist, sie in Richtung des US-amerikanischen Normungsinstituts ANSI weiterzugeben. Das ermöglicht eine Zertifizierung durch Unternehmen wie GL, ETL oder Intertek, die wiederum alle NRTL-zertifiziert sind: durch den Standard des Instituteverbundes National Recognized Testing Laboratories (NRTL), zu dem auch der kanadische Normausschuss CSA gehört.

Künftig alle US-Normen zu erfüllen

Bei jeder weiteren Beurteilung der aufgrund UL 6141 notwendig werdenden Änderungen etwa für Produktion und Installation der Kabel, aber vor allem auch für die Ausstattung der Windturbinen gilt: Gemäß dem bevorstehenden neuen Standard werden sowohl der allgemeine UL-Komponenten-Standard als auch der Abschnitt der UL 6141, der sich mit der Verkabelung befasst, erfüllt sein müssen. Das heißt, dass keine Norm an die Stelle der anderen tritt. Und falls es für die betreffende Komponente noch keinen UL-Standard gibt, müssen diese Komponenten bei der so genannten interne Verkabelung entweder der Norm UL 508 oder der Norm UL 1741 entsprechen. Dies gilt zusätzlich zum Abschnitt Verkabelung gemäß der nun also erwarteten UL 6141.

Das alles wirkt sehr komplex und unübersichtlich, so man sich mit einer in den Vereinigten Staaten häufig widersprüchlichen Windturbinen-Genehmigungspraxis noch nicht eingehender beschäftigt hat. Erst ein Blick zurück macht das Problem der Kabelnormierung in den Vereinigten Staaten verständlich.

So waren in Vorbereitung der jetzt anstehenden Normierung zwei Entwürfe präsentiert worden: Zum einen der Outline of investigation for Wind Turbine Generating Systems – zu deutsch: Entwurf für die Prüfung von Windturbinen. Und zum anderen der Outline of investigation for Wind Turbine Converters and Interconnecting Systems Equipment – Entwurf für die Prüfung von Umrichtern und Verbindungssystemen. Später waren daraus die Normen UL 6141 für große und UL 6142 für kleine Windenergieanlagen abgeleitet worden sowie eine Norm UL 6171 für Frequenzumrichter und Verbindungssysteme. Grundsätzlich plant die UL, die spezifischen Installationsvorschriften für Nordamerika und Kanada abzudecken und gleichzeitig direkten Bezug auf die IEC 61400-1 zu nehmen, also die europäische Norm für Windkraftanlagen. Denn es gilt, eine Lücke zwischen den europäischen IEC-Standards und den Anforderungen in den USA und in Kanada zu überbrücken.

 
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