14.02.2016
Schriftgröße
2 Bewertung(en) Rating
Abo Wind

Stück aus persischem 4,5-Gigawatt-Kuchen

Als einer der ersten traditionellen Windenergieprojektierer will das Wiesbadener Unternehmen Abo Wind in den Iran. Das Land ist mit der Unterzeichnung eines internationalen Abkommens über sein Atomprogramm für wirtschaftliche Projekte wieder interessant geworden – und die hessischen Projektentwickler haben dort eine Niederlassung gegründet. 350 Megawatt (MW) an Projekten seien ausgeguckt, erklärt Abo Wind selbst. Offiziell muss nun alles sehr schnell gehen.

 - Viel unbekannter und ungenutzter Raum für Windkraft: Iran.
Viel unbekannter und ungenutzter Raum für Windkraft: Iran.
Foto: yeowatzup/wikimedia/Fotorechte nach Creative Commons CC BY 2.0

Das Büro in der iranischen Hauptstadt Teheran werde „dieser Tage“ bezogen, meldete Abo Wind in der zweiten Februarwoche. In Iran angeworbene Mitarbeiter bezögen es. Noch im Januar hatte das Unternehmen auch Fachkräfte zur Betreuung des Marktes von der Wiesbadener Zentrale gesucht – mit Anzeigen wie: „Elektro-Ingenieur (m/w) Netzanbindung (Iran und weitere internationale Märkte) am Standort Wiesbaden gesucht“. Die iranische Niederlassung ist erst die zweite außerhalb Europas für das Unternehmen nach einer Abo-Wind-Niederlassung im argentinischen Buenos Aires, die schon seit 2006 besteht. Sechs weitere Auslandsniederlassungen betreiben die Wiesbadener in Europa.

„Fast zehn Jahre litt der Iran unter den wegen der Atompolitik verhängten Sanktionen. Deren Aufhebung entfacht nun eine starke gesellschaftliche und wirtschaftliche Dynamik“, sagte Karsten Schlageter. Der seit Februar als Prokurist des Unternehmens amtierende Abo-Wind-Mann begründet somit, warum sein Unternehmen in dem großen Land im Mittleren Osten an einen nennenswerten Schub auch für Windkraftinvestitionen glaubt.

Abteilung für internationale Geschäftsentwicklung für Iran-Büro verantwortlich

Im vergangenen Jahr hatte Abo Wind eine eigene Abteilung für internationale Geschäftsentwicklung gegründet. Sie soll neue internationale Märkte „darauf abklopfen“, ob sie aufgrund der Struktur des Strommarktes, der Ausbauziele für Erneuerbare, der Windverhältnisse und der Rechtssicherheit geeignet für das Geschäft der Wiesbadener sind. Die Wiesbadener Auslandseinheit entwickelt zudem jeweilige nationale Strategien für die Markteintritte und bereitet sie vor: „Im Iran kommen wir dabei besonders gut voran“, erklärte Schlageter, warum das Büro in Teheran so früh nach dem Ende der Sanktionen gegen das bisher nur als Öl- und Atomkraftstaat bekannte Land eröffnen kann. Mit unterschiedlichen regionalen Partnern hat Abo Wind nach eigenen Angaben rund 350 Megawatt (MW) möglicher Windpark-Projekte gemäß einem offenbar nationalen Zulassungsverfahren des Landes „vorregistriert“.

Der Iran ist ein Land mit 75 Millionen Einwohnern und zählt damit zu den 20 bevölkerungsreichsten Nationen der Welt. Allerdings sind nicht nur die Menge an Stromabnehmern und ein wachsender Strombedarf wichtig für die Projektierer, sondern auch die Hoffnung auf eine neue nationale Energiepolitik. Im Atomstreit mit dem Iran gab es nach vielen Jahren 2015 eine Einigung mit insbesondere europäischen Ländern, den USA und Russland die den Iran der Entwicklung einer Atombombe verdächtigt hatten. Nachdem Teheran und seine Verhandlungspartner 2015 eine Vereinbarung entwickelt hatten, die den Betrieb iranischer Atomanlagen in einem vertrauenserweckenden Ausmaß unter internationale Kontrolle bringt, sollen nun nach und nach Sanktionsmaßnahmen enden. Allerdings ist damit noch nicht alles geregelt: Nur Sanktionen, die jegliches für Atomtechnologie geeignetes Material betrafen, sollen nun zu Ende gehen. Andere Sanktionen bestehen weiter, so sie Menschenrechtsverletzungen oder iranische Verbindungen zu anderswo als Terrororganisationen bezeichnete Gruppierungen betreffen. Ausländische Kreditgeber trauen sich aus verschiedenen Gründen noch nicht in das Land.

Ehrgeiziges 4,5-Gigawatt-Ziel

Nun hat Iran ehrgeizige Ziele bis 2018 sollen 4.500 MW Windkraftleistung neu ans Netz gehen. Bisher sind im Land 350 MW ausgebaut. Allerdings hatte Iran schon einmal, im Jahr 2011, den Bau der geplanten 4.500 MW bis im Jahr 2016 angekündigt – und hat davon heute noch nichts erreicht. Der internationale angelsächsische Marktanalysedienst Bloomberg New Energy Finance schätzt, dass Iran bis Ende 2020 braucht um wohl eher auf 3.900 MW ans Netz angeschlossene Windkraft zu kommen. Das Land hat indes bereits einen sehr hohen Fördersatz für erneuerbare Energien ausgelobt - insbesondere für Windkraft und Photovoltaik mit über 10 und über 20 Eurocent pro Kilowattstunde (kWh) – und eine lange Förderdauer von bis zu 20 Jahren. Als Windreich gilt insbesondere eine Grenzregion im Osten des Landes in Nachbarschaft zu Pakistan und Afghanistan sowie auch im kurdischen Nordwesten in Richtung des Nachbarlandes Türkei. Zudem hat Iran große Küstenlinien im Süden und im Norden am Kaspischen Meer und am Persischen Golf. Möglicherweise ist das Land geeignet für Windparks mit modernen Schwachwindturbinen.

Auch andere Unternehmen haben sich bereits für den Eintritt in den Iran als neuen Markt entschieden. So hat die Firma MTorres zuletzt einen Joint Venture für den Iran unterzeichnet .

(Tilman Weber)

Ist dieser Artikel für Sie hilfreich?
  • Artikel
  • kommentieren
  • |
  • drucken

Kommentar schreiben

Ihre persönlichen Daten:

Sicherheitsprüfung: (neu laden)

Bitte füllen Sie alle Felder mit * aus! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.