06.08.2018
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Vergabe bis Ende 2019

Suedlink-Gleichstromkabel wird ausgeschrieben

Mehrere tausend Kilometer Gleichstrom-Erdkabel werden für den Stromtransport von Nord nach Süd und von Nordost nach Süd gebraucht. Jetzt starten die Übertragungsnetzbetreiber dafür die europaweite Ausschreibung.

 - Suedlink: hier eine Verlaufsvariante durch Westthüringen
Suedlink: hier eine Verlaufsvariante durch Westthüringen
Bundesnetzagentur

Nach jahrelangen Diskussionen und Planänderungen geht es nun bei dem dringend erforderlichen Netzprojekt Suedlink einen riesigen Schritt voran. Die Übertragungsnetzbetreiber Tennet, Transnet BW und 50 Hertz gehen mit den Gleichstromverbindungen Suedlink und Suedostlink, zwei der weltweit größten Erdkabelprojekte in Gleichstromtechnologie, in die Ausschreibungsphase. Zuletzt hatte es im April Streit bezüglich des Trassenverlaufs gegeben. Seit 2015 kämpft Bayern gegen den Netzverlauf auf heimischem Boden. Die Netze werden im Zuge des Regenerativausbaus dringend für den Stromtransport von Nord nach Süd und von Nordost nach Süd benötigt. Mit den jetzt startenden EU-weiten Ausschreibungen der Gleichstrom-Erdkabel kommen die Stromübertragungsnetzbetreiber der Realisierung dieser Verbindungen einen großen Schritt näher. Ab 2025 sollen Suedlink über rund 700 Kilometer und Suedostlink über weitere 580 Kilometer hinweg vor allem Windstrom aus dem Norden und Nordosten Deutschlands in die Wirtschaftszentren und Ballungsräume Bayerns und Baden-Württembergs transportieren. Suedlink wird dabei von Tennet und Transnet BW realisiert, Suedostlink von Tennet und 50 Hertz. Die Ausschreibungen erfolgen über die europäische Plattform https://ted.europa.eu.

Frühzeitiger Ausschreibungsstart

Der Ausbau erneuerbarer Energien und der verschleppte Ausstieg aus der Kohlen bringen das Stromnetz an die Kapazitätsgrenze. Abhilfe schafft der Netzausbau, der aber seit Jahren nicht voran kommt. Nun zeigen sich die Netzbetreiber endlich einmal handlungs- und bedarfsorientiert. „Die beiden großen Gleichstromverbindungen Suedlink und Suedostlink haben eine besonders wichtige Rolle für den Transport des grünen Stroms. Daher geben wir Gas und schreiben die Erdkabel schon sehr frühzeitig aus. Für beide Verbindungen brauchen wir mehrere tausend Kilometer Erdkabel. Darauf muss sich der Markt vorbereiten; damit es hier nicht zu Engpässen kommt“, sagte Lex Hartman, Geschäftsführer von Tennet. „Neben der zügigen Fertigstellung müssen zudem Qualität und Preise der Komponenten stimmen. Hierfür ist ein breiter Wettbewerb auf Seiten der Lieferanten, insbesondere der Erdkabel-Hersteller, ein wichtiger Faktor", unterstrich Boris Schucht, Vorsitzender der Geschäftsführung von 50 Hertz. „Wir zertifizieren derzeit weltweit Lieferanten, Kabelproduktionsanlagen und prüfen die verschiedenen Gleichstrom-Erdkabel auf Herz und Nieren, um eine zuverlässige und sichere Technik für die Energiewende zu garantieren“, ergänzte Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Transnet BW.

Aktuell befinden sich Suedlink und Suedostlink in der Bundesfachplanung. Am Ende dieser Verfahren legt die Genehmigungsbehörde, die Bundesnetzagentur, für die Verbindungen jeweils einen 1.000 Meter breiten Korridor fest. Erst in den anschließenden Planfeststellungsverfahren entscheidet die Bundesnetzagentur über die Erdkabel-Verläufe für beide Verbindungen. Die für die jeweiligen Projekte verantwortlichen Übertragungsnetzbetreiber haben sich entschieden, die Ausschreibungen der Erdkabel bereits in dieser frühen Phase zu starten, um so potenzielle Lieferanten frühzeitig für das große Produktionsvolumen und die damit verbundenen logistischen Herausforderungen zu sensibilisieren. Die EU-weiten Vergabeprozesse für Gleichstrom-Erdkabel für Suedlink und Suedostlink laufen voraussichtlich bis Ende 2019.

Technologieoffen: 320 oder 525 Kilovolt?

Die Erdkabel werden ohne Vorfestlegung auf die Spannungsebene ausgeschrieben. Zur Auswahl stehen neben den in Deutschland bereits eingesetzten 320-Kilovolt- auch die 525-Kilovolt-Kabel, für die es mittlerweile Anbieter gibt. Derzeit finden Präqualifizierungstests zu den 525-Kilovolt-Kabeln statt, die eine Langzeitbelastung unter realen Bedingungen simulieren. Nur bei positiven Ergebnissen kommen die 525-Kilovolt-Kabel für einen Einsatz bei Suedlink und Suedostlink in Frage.

In das Suedlink-Projekt investieren Tennet und Transnet BW rund zehn Milliarden Euro. Die Investitionen von Tennet und 50 Hertz für das Suedostlink-Vorhaben liegen bei rund fünf Milliarden Euro. Die Investitionen werden über 40 Jahre abgeschrieben. Tennet und die anderen Netzbetreiber refinanzieren ihre Investitionen über die Netzentgelte, die von der Bundesnetzagentur festgelegt werden. Die Netzentgelte sind Bestandteil des Strompreises,den die Verbraucher zahlen. Diesen Investitionen stehen Kosten für netzstabilisierende Maßnahmen gegenüber, die direkt in voller Höhe von den Stromverbrauchern getragen werden. Diese Kosten lagen 2017 bundesweit bei 1,4 Milliarden Euro. Mit Verbindungen wie Suedlink und Suedostlink verringern sich diese Kosten, da sie dezentral erzeugten Wind- und Sonnenstrom transportieren werden.

Suedlink und Suedostlink sind „Projekte von gemeinsamem Interesse“ (projects of common interest, PCI) der Europäischen Union sowie seit 2012 im Bundesbedarfsplangesetz festgelegt. Damit sind beide Vorhaben entscheidend für die weitere Verbesserung der Versorgungssicherheit und den Ausbau der erneuerbaren Energien. Darüber hinaus fördert die Europäische Union beide Vorhaben im Rahmen von „Connecting Europe“.

(Nicole Weinhold)

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1 Kommentar zu "Suedlink-Gleichstromkabel wird ausgeschrieben "

  1. Joachim - 17.08.2018, 14:40 Uhr (Kommentar melden)

    Als Freileitung wäre Südlink vermutlich mit Herstellungskosten von weit unter eine Milliarde ausgekommen. Hätten man für die Verkabelung anderer, störenderer Freileitungen, für eine anständige Entschädigung der Bauern und etwas finanzielle Anreize für Anlieger und gequerte Gemeinden nochmal mal 1 bis 2 Milliarden draufgelegt, hätten also über 2/3 der Gesamtkosten eingespart werden können, bei einer im Störungsfall schneller zu reparierenden und daher zuverlässigeren Technik. Außerdem könnte man schneller fertig werden.
    Verschuldet wurde das von dem Dreiklang aus Bundesnetzagentur, TenneT und Horst Seehofer. TenneT wird nun noch mit hohen Renditen auf die zusätzlichen Investitionen belohnt.

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