08.01.2018
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Klimaversager Deutschland

Viel mehr Grünstrom, aber gleich viel CO2

Die starke Zunahme des Grünstromanteils in Deutschland hat 2017 die bundesweiten Kohlendioxidemissionen gar nicht und selbst im Stromsektor kaum verringert. Eine Studie der Berliner Denkfabrik Agora Energiewende erklärt, warum.

 - Emissionen von Privathaushalten: Im Wärme- und im Verkehrssektor nehmen die CO2-Emissionen noch immer zu.
Emissionen von Privathaushalten: Im Wärme- und im Verkehrssektor nehmen die CO2-Emissionen noch immer zu.
Daniel Bleyenberg/pixelio.de

Die Erneuerbaren Energien haben 2017 bereits 36,1 Prozent zur Stromversorgung in Deutschland beigetragen. Doch der bisherige Rekordzuwachs der eingespeisten Grünstrommenge von 3,8 Prozentpunkten – oder anders gerechnet: um fast zwölf Prozent – reduzierte die Emissionen des Klimaschadstoffes Kohlendioxid (CO2) im Rahmen der Gesamt-Energieversorgung gar nicht. Bei der Stromversorgung alleine gingen die CO2-Emissionen in Deutschland um 14 Millionen Tonnen auf 292 Millionen Tonnen nur leicht zurück. Der Rückgang des für den Treibhauseffekt und damit die Klimaerwärmung verantwortlichen CO2-Ausstoßes im Stromsektor betrug somit entsprechend nur 4,5 Prozent.

Diese von Agora Energiewende nun analysierten Daten beruhen noch teils auf vorläufigen Daten oder gar Schätzungen des Bundesumweltamtes sowie der Netzbetreiber sowie teils auf eigenen Berechnungen von Agora Energiewende. Doch die Berliner Strommarkt-Analysten sehen ein eindeutiges Auseinanderklaffen zweier Trends: Während der Erneuerbaren-Anteil im Stromsektor mehr zunimmt denn je, verharrt Deutschland in der Klimagasbilanz auf dem Niveau des Vorjahres: In Deutschland werden demnach 2017 insgesamt erneut 906 Millionen Tonnen CO2 beim Betrieb von Verkehrsmitteln oder in der Wärme- und der Stromversorgung in die Atmosphäre entwichen sein.

Als Hauptursache nennt Agora Energiewende den weiter gewachsenen Energieverbrauch in Deutschland. Während der Stromverbrauch nach einem leichten Rückgang zuletzt nun wieder um 4,8 auf 600 TWh nur leicht anwuchs nahm der Energieverbrauch in der Wärmeversorgung und im Verkehr deutlicher zu. Bevölkerungs- und anhaltendes Wirtschaftswachstum gingen hier einher mit einer zu geringen Steigerung der Energieeffizienz in Deutschland, analysiert Agora Energiewende.

Mitverantwortlich ist auch der weiterhin angewachsene Netto-Stromexport. Schon 60 TWh Strom flossen laut den Berliner Studienautoren unterm Strich mehr von Deutschland ins Ausland als umgekehrt. Weil vor allem die Braunkohlekraftwerke ihre Produktion trotz starken Ökostrom-Anlagenausbaus nicht reduzierten, wächst der deutsche Stromüberschuss – und nehmen die CO2-Emissionen demnach so wenig ab.

Wie Agora Energiewende damit verdeutlich, entfernt sich Deutschland so auch immer weiter vom politisch vorgegebenen Energiewendepfad – und von einer Erreichbarkeit seiner Klimaziele: So müsste Deutschland in den verbleibenden drei Jahren bis 2020 seine CO2-Emissionen um noch 155 Millionen Tonnen reduzieren, um das Ziel von 40 Prozent weniger Kohlendioxidausstoß im Vergleich zu 1990 zu schaffen. Für die jetzt erreichte Wegmarke von 27,6 Prozent beziehungsweise 345 Millionen Tonnen weniger CO2 binnen 27 Jahren war allerdings vor allem ein Sondereffekt verantwortlich: In den ersten zehn Jahren reduzierte der Abbau der alten ineffektiven Industrieanlagen der nach der deutschen Wiedervereinigung untergegangenen DDR die Emissionen stark – in Verbindung noch mit einer teilweisen wirtschaftlichen Stagnation in ganz Deutschland. Schon im Vergleich zur Entwicklung der vergangenen 27 Jahre aber müsste Deutschland in den kommenden drei Jahren das Tempo der Emissionsminderung vervierfachen, um sein 40-Prozent-Emissionssenkungsziel noch zu erreichen.

(Tilman Weber)

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