09.05.2018
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Offshore-Windfeld Princess Amalia

Warum Siemens-Gamesa jetzt einen Vestas-Windpark auffrischt

Windturbinenbauer Siemens Gamesa erneuert die Getriebe des Offshore-Windparks Princess Amalia. Erstmals erhält die Wartungs-Service-Sparte des deutsch-spanischen Unternehmens damit den Auftrag, Anlagen eines konkurrierenden Windturbinenherstellers zu reparieren – und zwar ausgerechnet des Hauptkonkurrenten Vestas.

 - Wartung von Getrieben bei Siemens Gamesa in Spanien.
Wartung von Getrieben bei Siemens Gamesa in Spanien.
Siemens Gamesa

Der niederländische Projektentwickler und Energiekonzern Eneco beauftragte Siemens Gamesa nun mit einem Fünf-Jahres-Vertrag zur Erneuerung der Antriebsstränge des zehn Jahre alten Offshore-Windparks. Dabei soll der mit Vestas inzwischen um die Krone des weltweit größten Windturbinenlieferanten im Wettbewerb stehende Unternehmen zunächst noch vor Ablauf des ersten Halbjahres 2018 fünf Getriebe des Windparks herausnehmen und durch gleichartige Antriebskomponenten des Herstellers ZF aus Belgien ersetzen. Die herausgenommenen Getriebe wiederum sollen die Reparatur- und Generalüberholungs-Teams in einem der spanischen Reparaturzentren der früheren Windturbinenschmiede Gamesa erneuern. Die Reparaturwerkstatt soll die Auffrischung der Drehzahlübersetzer in einem Rhythmus von vier Einheiten in jeweils zehn Wochen bewältigen.

Warum Eneco Siemens Gamesa das Vertrauen erteilt hatte und nicht dem Hersteller der Turbinen dieses Windparks, gaben die Beteiligten nicht bekannt. Auch über den Zustand der Getriebe nach einer Laufzeit von immerhin langen zehn Jahren erteilten sie keine Informationen.

Im vergangenen Herbst hatte Siemens Gamesa die neue Strategie seiner Instandhaltungssparte für einen sogenannten Multi-Brand-Service angekündigt. Die 60 Anlagen mit je zwei MW Erzeugungskapazität in dem Oldie-Windpark vor der niederländischen Küste, Princess Amalia mit V-80-Turbinen, sind aber nicht der erste Aufsehen erregende Fall der Branche. 2016 beispielsweise hatte umgekehrt ausgerechnet Vestas und das ausgerechnet im Heimatmarkt des US-amerikanischen Wettbewerbers GE einen Wartungsauftrag für 15 Windparks mit Turbinen aus GE- Fertigung eingeheimst. Der damals hartnäckigste Konkurrent von Vestas um die Weltranglistenposition Nummer eins hatte vom Betreiber Berkshire Hathaway Energy nicht mehr das Vertrauen erhalten, um die Winderntefelder in den Bundesstaaten des Mittleren und äußeren Westens Iowa, Wyoming und Oregan wieder fit zu machen.

Weil das lukrative Instandhaltungsgeschäft seit einigen Jahren einen zunehmend größeren Anteil im Geschäft der Windturbinenbauer einnimmt, nehmen Branchenvertreter diese Entwicklung als nicht unbedeutend wahr. Aus den Reihen der amerikanischen Windenergievereinigung war der GE-Reparatur-Auftrag für Vestas 2016 mit einem drastischen Kommentar versehen worden: „Es ist eine Schlacht.“

(Tilman Weber)

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