19.05.2017
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Basis für marktwirtschaftliches Modell

Fairer Wettbewerb auf dem Strommarkt

Um Flexibilitätsoptionen in der Energiewende ging es bei einer Konferenz des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (BNE) in Berlin. Auch die Politik ist bei der Umgestaltung der Energiesysteme gefordert. Die Referenten hatte in dieser Hinsicht zahlreiche Anregungen für die Politik.

 - Moderator Karsten Wiedemann, Nina Scheer und Julia Verlinden
Moderator Karsten Wiedemann, Nina Scheer und Julia Verlinden
Nicole Weinhold

Wie sieht die Energiewelt von morgen aus? Unter diesem Titel veranstaltete der BNE gerade in Berlin eine Konferenz rund um das Thema Flexibilisierung der Energiesysteme. Der Zubau von volatilen erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne und der zu erwartende Zuwachs bei Speichern, Power-to-Heat-Anwendungen und Elektroautos stellen die Kapazität der Verteilernetze vor neue Aufgaben. Sie müssen das System stabil halten, während gleichzeitig große Strommengen dezentral eingespeist und verbraucht werden. Auf der Konferenz ging es auch um die Frage, wie der politische Rahmen auf europäischer Ebene und auf Bundesebene aussehen müsste. Der BNE hat bereits vor einem Jahr Vorschläge zu einem dezentralen Flexibilitätsmechanismus vorgestellt. Demnach müssten die Verteilnetzbetreiber Zeitfenster und Gebiete in einem Versorgungsbereich festlegen, in denen etwa ein gleichzeitiger Abruf der maximalen Anschlussleistung durch die angeschlossenen Kunden vermieden werden soll, um das Netz stabil zu halten. Hierfür geben sie Viertelstunden an, in denen verhindert werden soll, dass die gesamte theoretisch verfügbare Leistung gezogen wird oder, dass alle kleineren dezentralen Einspeiser zeitgleich einspeisen.

Die Integration von Flexibilität wird tatsächlich bereits vielerorts praktiziert. Im Rahmen der Konferenz gab eine Reihe von Unternehmen hier Einblicke in die eigenen Aktivitäten. Frédéric Gastaldo, CEO, Swisscom Energy Solutions AG, Tiko, stellte ein virtuelles Kraftwerk mit Haushaltskunden für die Schweiz vor. Martin Stiegler, Leiter Produktmanagement bei der SAG GmbH, stellt das Projekt Flex2Market mit intelligenter Verteilnetztechnologien vor. Caspar von Ziegner, Leiter Unternehmensentwicklung bei der niederländischen Alliander AG, sprach über neue Netze. Alliander ist Verteilnetzbetreiber, der nach einem Unbundling aus Nuon hervorgegangen ist. Gesellschafter sind die Stadt Amsterdam und Kommunen. In Deutschland betreibe Alliander Strom- und Gasnetz in Heinsberg bei Aachen. Die Netzinfrastruktur soll intelligent werden. "Dort haben wir schlimmstenfalls doppelt so viel Windstrom wie Lasten", so Ziegner. Über intelligente Vernetzung können langfristig Produktionsspitzen und Lastspitzen reduziert werden.

Alliander bietet Haushalten dafür Smart Meter an. Der Netzbetreiber unternimmt in Heinsberg einen Roll-Out mit der neuen Zähler-Generation. Das digitale Gerät dient der Energieverbrauchs- und Zählerstands-Messung, hilft aber auch, einen besseren Überblick über den Energieverbrauch zu erhalten. Auch können über den Smart Meter in Absprache mit den Kunden Zählerstände durch den Netzbetreiber komfortabel fern ausgelesen werden, ohne Ablesekarte oder online Eintrag durch den Kunden.

Im Rahmen der Konferenz meldeten sich auch die SPD-Politikerin Nina Scheer und die Grüne Julia Verlinden in einer Diskussionsrund zu Worte. Scheer wies darauf hin, dass Flexibilisierung im Energiemarkt nur dann gelingen könne, wenn Schadstoffe in der Energie eingepreist würden. Ein marktwirtschaftliches Modell sei nicht möglich, wenn man keinen Fairen Wettbewerb hat - etwa wenn Kohle immer noch als billig gilt. Sie sprach sich auch dafür aus, eine Ausbaubegrenzung bei Erneuerbaren müsse fallen. Verlinden bestätigte: " Für uns ist der Kohleausstieg die rote Linie." 20 Kraftwerksblöcke müssten sofort vom Netz, wenn die Grünen am Tisch für Koalitionsverhandlungen bei der Bundestagswahl im September sitzen. (Nicole Weinhold)

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