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Kommentar zu FAZ-Artikel

Oskar Lafontaines Kampf gegen Windmühlen

Unfassbar, der alte Linken-Politiker Oskar Lafontaine hetzt gegen die Windkraft, und die Frankfurter Allgemeine Zeitung bietet ihm bereitwillig das Forum dazu. Und was taugen seine Argumente?

Lafontaine kämpft gegen Windmühlen.
Lafontaine kämpft gegen Windmühlen. -
Foto: Die Linke

"Wie Windräder die Umwelt zerstören" betitelt die FAZ einen Gastbeitrag von Oskar Lafontaine vom 12. Dezember. Der ehemalige SPD-Politiker ist für seinen Hang zum Polemischen, zum Polarisieren bekannt. Jetzt also zur Abwechslung mal gegen die Windkraft. Was hat der Saarländer gegen die Turbinen? Sie verschandeln nach seiner Auffassung die Landschaft. "Es ist an der Zeit, die Stromerzeugung durch „Stahlkolosse“, die eine Gesamthöhe von zweihundert Metern erreichen können, zu beenden." schreibt er.

Es geht also um Landschaftsschutz. Dabei wird häufig vergessen, dass wir längst so gut wie gar keine Naturlandschaft in Deutschland haben. Nur noch zwei Prozent unserer Waldflächen werden als unberührte Naturlandschaft angesehen. Alles andere ist vom Menschen umgekrempelte Kulturlandschaft: Statt einstiger unberührter Wälder haben wir Acker und Weideland, sowie Nutzwald. Es kann also keine Rede davon sein, dass unberührte Natur beschädigt wird. Und: Der von der Agentur für Erneuerbare Energien im Jahr 2010 erstellte 'Potenzialatlas Deutschland' kam zu dem Ergebnis, dass Windkraftanlagen auf 0,75 Prozent der Landfläche 20 Prozent des deutschen Strombedarfs 2020 decken könnten.

Nicht höher als die Kirche

Solaranlage auf Vatikansdach.
Solaranlage auf Vatikansdach. -
Foto: Solarworld

Lafontaine geht es auch darum, dass Windkraftanlagen nicht höher sein dürfen als Gotteshäuser. Er rechnet vor, wie hoch der Kölner Dom ist und schreibt. "Gott sei Dank sind noch keine Pläne bekanntgeworden, in unmittelbarer Nähe dieser Sakralbauten Windräder zu errichten, um die Umwelt zu schützen." Gott sei Dank denken viele Gläubige anders. Schöpfungserhalt ist da das Zauberwort. Kirchengemeinden verpachten Ländereien an Windkraftplaner. Der Papst lässt Solarzellen auf dem Vatikansdach installieren. Da ist die Kirche schon einen Schritt weiter als unser Oskarchen. Denn was nützt uns das schönste Gotteshaus, wenn wir unser Klima gegen die Wand fahren, weil wir auf Kohle statt Erneuerbare setzen?

Apropos, das ist doch wohl das eigentliche Thema des Demokraten: Die Kohle. Der Steinkohlebergbau. Die saarländische Existenzgrundlage Für die Kumpels hatte er sich in den 90ern noch stark gemacht. Die Erneuerbaren haben sich als saubere Alternative etabliert. Das ist einerseits gut, andererseits für die Kohleindustrie und deren Lobby ein Problem. Aber zurück zu Lafontaines Kritik an der Windkraft:

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Hohe Flächenpacht

Er kritisiert die hohen Pachteinnahmen, die durch Flächenverpachtung an die Windkraft zustande kommen. Dabei ist dies doch einer der Vorteile der Windkraft. Die Wertschöpfung bleibt in der Region. Die Anwohner profitieren durch Gewerbesteuereinnahmen, Pacht und oft heute auch durch Beteiligungen an Bürgerwindparks. Das sollte eigentlich im Sinne des Linken Politikers sein.

Lächerlich auch, mit einem geringen Primärenergieverbrauchsanteil der Windkraft von 1,3 Prozent zu kommen. Die Erneuerbaren decken 25 Prozent des deutschen Strombedarfs, die Windkraft hat daran den größten Anteil. Was soll also das Kleinrechnen? Die Windkraft kam Mitte 2013 immerhin auf 32,5 Gigawatt. Der Anteil am Nettostromverbrauch lag in Mecklenburg-Vorpommern bei fast 59 Prozent. Die Anteile von Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt liegen mit rund 51 Prozent dicht beinander. In Niedersachsen stieg der Anteil Mitte des Jahres auf rund 26 Prozent des Nettostrombedarfs. Deutschlandweit liegt der Anteil des potenziellen Jahresenergieertrags aller Windenergieanlagen am Nettostromverbrauch bei elf Prozent.

Letztlich kann man sich nur wundern, dass eine überregionale Tageszeitung einem so einseitig gefärbten Artikel Platz einräumt. Jetzt wissen wir jedenfalls, was Oskar Lafontain von der Windkraft hält. Und wir wissen auch, warum die Windkraft im Saarland nur auf knapp drei Prozent kommt. Simone Peter als Grüne Umweltministerin hatte vorübergehend frischen Wind ins Land gebracht. (Nicole Weinhold)