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Techniktrend

Neuer Teststand für Blatt- und Rotorlager im Betrieb

Zulieferer Thyssenkrupp Rothe Erde investiert mehr als fünf Millionen Euro in Erweiterung von Test- und Entwicklungszentrum für Windkraftkomponenten.

Katharina Wolf

Der Zulieferer Thyssenkrupp Rothe Erde hat einen neuen Teststand speziell für Blatt- und Rotorlager von Windkraftanlagen in Betrieb genommen. Auf rund 7.500 Quadratmeter Fläche können jetzt Lager für Turbinen von größer zehn Megawatt Leistung unter Realbedingungen getestet und weiterentwickelt werden, teilte das Unternehmen mit.

Der Teststand ermöglicht, die Funktionsweise und Lebensdauer neuer Rotor- und Blattlager für die zukünftigen Generationen von Windkraftanlagen ganzheitlich zu zu simulieren. „Ganzheitlich bedeutet, die Lager werden unter Berücksichtigung der relevanten Turbinenkomponenten, also Rotornabe und Rotorblatt, in Originalausführung getestet“, erläutert Winfried Schulte, CEO von Thyssenkrupp Rothe Erde. Für die neue Generation von Windturbinen der 10 Megawatt-Klasse seien solche Prüfungen von entscheidender Bedeutung, da mit dem Leistungsschritt wesentlich höhere Anforderungen an Funktionalität, Belastung und Qualität der Komponenten verbunden seien.

Hohen Lasten liegen auf den Lagern

Blattlager verbinden die Rotorblätter mit der Rotornabe und ermöglichen die optimale Einstellung der Rotorblätter zum Wind, um die Leistung der Anlage zu regulieren. Speziell auf den Blattlagern lasten während des Betriebs extrem hohe Kräfte. Sie zählen deshalb ebenso wie Rotorlager zu den wichtigsten Bauteilen einer Anlage. Rotorlager lagern den gesamten Antriebsstrang von Nabe, Rotorblättern und Generator. Sie erlauben die Übertragung der Drehmomente aus den Rotorblättern auf den stromproduzierenden Generator und übertragen Windlasten und Gewichtskräfte in den Turm.

Belastungen von 25 Jahren in sechs Monaten simuliert

Der neue Teststand von Thyssenkrupp Rothe Erde mache es möglich, sämtliche Funktionstests, die eine Belastung über die gesamte Lebenszeit des Bauteils von bis zu 25 Jahren simulieren, in sechs bis zwölf Monaten zu absolvieren, so das Unternehmen. Zum Einsatz kommen auch neue digitale Mess- und Prüfverfahren: Einzelne Wälzkörper im Inneren des Lagers werden beispielsweise mit einer speziellen Sensorik ausgestattet und als Messinstrumente genutzt. Diese „intelligenten“ Wälzkörper senden in Echtzeit Messdaten aus dem laufenden Betrieb der Anlage. Das ermögliche neue Erkenntnisse über Realbelastungen und Wirkzusammenhänge auf die Gesamtkonstruktion.

ThyssenKrupp investierte mehr als fünf Millionen Euro

Der Teststand in nordrhein-westfälischen Erwitte gehört zum Test- und Entwicklungszentrum für Windkraftkomponenten von Thyssenkrupp Rothe Erde in Lippstadt. Mehr als fünf Millionen Euro wurden in den neuen Teststandort investiert.

Das Test- und Entwicklungszentrum ist laut Unternehmen weltweit eine der größten und modernsten ihrer Art. Auf rund 10.000 Quadratmetern Fläche werden dort Großwälzlager unter anderem für On- und Offshore-Windkraftanlagen getestet und weiterentwickelt.

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