Foto: Axpo

Durchdachte Flächennutzung

Axpo baut Solarkraftwerk an eine Staumauer in den Alpen

Der Energieversorger Axpo will an der Staumauer des Muttsees hoch oben in den Alpen Solarmodule montieren. Die Anlage hat mehrere Vorteile im Vergleich zu herkömmlichen Solarparks. Aber auch die Herausforderungen sind groß.

Der Schweitzer Energieversorger Axpo will eine riesige Solaranlage an die Staumauer des Muttsees bauen. Hoch oben in den Alpen auf über 2.400 Metern Höhe reguliert sie derzeit nur den Ablauf des Muttsees, der seinerseits das Staubecken des Wasserkraftwerks Limmern ist. In Zukunft sollen an der nach Süden hin ausgerichteten Staumauer Photovoltaikmodule zusätzlichen Strom liefern.

Auf die Fläche finden insgesamt mehr als 6.000 Solarmodule Platz. Diese sollen nach Angaben des Unternehmens zusammen etwa zwei Megawatt leisten. Laut Berechnungen der Planer ist es möglich, damit jedes Jahr 2,7 Gigawattstunden Strom zu produzieren. Denn einerseits ist die Einstrahlung in solchen alpinen Höhen höher als in den Schweizer Tälern. Andererseits gehen die Planer davon aus, dass in den langen und schneereichen Wintern der sogenannte Albedoeffekt – die Steigerung der Einstrahlung durch die Reflexion der Sonnenstrahlen vom weißen Schnee auf die Solarmodule – den Ertrag steigert.

50 Prozent Ertrag im Winter

Dadurch sei es möglich, dass der Solarparks an der Staumauer die Hälfte seiner Ertrags in den Wintermonaten liefert. Das vor allem auch, weil die Module besser zur tief stehenden Wintersonne ausgerichtet sind als die in normal aufgeständerten Solarparks. Der Vorteil: Die Stromproduktion ist auch dann üppig, wenn die meiste Energie gebraucht wird – in den kalten Monaten.

Mit hohe Schneelasten rechnen

Die Anlage soll im Sommer 2021 in Betrieb gehen. Inzwischen hat die zuständige Verwaltung des Kantons Glarus den Bau schon genehmigt. Doch die Planer müssen bis zur Inbetriebnahme noch einige Herausforderungen meistern. Denn Axpo hat beim Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) eine Studie über die zu erwartenden Schnee- und Windlasten in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Trotz der fast senkrechten Montage, ist mit hohen Schneelasten zu rechnen. „Vor allem am Fuß der Mauer sammelt sich viel Schnee”, erklärt Annelen Kahl vom SLF. Deshalb müssen die Planer die Anlagenauslegung nochmals anpassen. Sie prüfen derzeit auch alternative Unterkonstruktionen.

Finanzierung steht noch aus

Noch nicht in trockenen Tüchern ist auch die Finanzierung der Anlage. „Wir stehen derzeit in Verhandlung mit Unternehmen, die interessiert sind, den Strom der Muttseesolaranlage abzunehmen”, erklärt Christoph Sutter, Leiter Neue Energien bei Axpo. Deshalb fällt die endgültige Entscheidung, ob die Anlagen tatsächlich gebaut wird, erst im Laufe dieses Jahres.