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Akzeptanz

Gut Wind: Forscher wollen Planungshürden für Erneuerbare abbauen

Ein Pilotprojekt könnte bald zeigen, wie kluge Abstimmung einen Windpark und eventuell zusätzliche Photovoltaikanlagen reibungslos entstehen lässt.

Inhaltsverzeichnis

Tilman Weber

Die Klima- und Umweltschutz-Agentur Deutsche Umwelthilfe (DUH) will „mithilfe eines innovativen Ansatzes“ Bürgerinnen und Bürger rings um den Standort eines geplanten Erneuerbare-Energien-Anlagenparks mit Windturbinen an der Projektierung beteiligen. Wie die DUH am Donnerstag angekündigte, soll das von ihr federführend geleitete Forschungsprojekt sogenannte Bürgerexperten an dem Erneuerbare-Energien-Vorhaben beteiligen. Diese sollen in Schulungen eine tiefere Kenntnis über Erneuerbare-Energien-Technologie erhalten – sowie möglicherweise auch bereits über das Projekt selbst, über Auswirkungen für Umwelt und Klima sowie über die Wirtschaftlichkeit der genutzten Erneuerbaren-Anlagen. Über digitale, sogenannte soziale Medien wie Internetkurznachrichtendienste oder Kommunikationsplattformen und in Vereinen und im Umfeld er eigenen Arbeitsplätze sollen sie zudem ihr Wissen weitervermitteln.

Aktive Beteiligung statt Abstandsregeln

Übergeordnetes Ziel des Forschungsvorhabens „Aktive Bürgerexperten in Klimaschutz und Energiewende (Aktiv BüKE)“ ist der Nachweis, so erklärt es die DUH, dass eine gute Bürger-Beteiligung für mehr Akzeptanz und eine sicherere Projektierung sorgt als die derzeit von der Bundesregierung geplanten Abstandsregeln für neue Windparkprojekte. Durch „Aktive Beteiligung statt Abstandsregeln … im Planungsprozess ein aktives, informiertes und lokal verwurzeltes Gegengewicht zu den wenigen, aber lautstarken Energiewendekritikern zu bilden“. Zudem wollen die Forscher in Aktiv Büke nachweisen, wie sie mit ihrem innovativen Vorgehen in den nachfolgenden Genehmigungsverfahren den Behörden sonst häufige Hürden aus dem Weg räumen.

Organisatoren und wissenschaftliche Begleiter des Forschungsvorhabens sind neben der DUH auch Landschaftsarchitekten der Technischen Universität München, Forscher der Umweltpsychologie an der MSH Medical School Hamburg und das Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung.

Organisatoren suchen noch nach geeignetem Projekt

Noch bis Ende des Jahres wollen Forscher und Projektorganisatoren im Bundesgebiet ein bereits von einem Unternehmen geplantes Projekt in einem frühen Anfangsstadium auswählen. Für dieses müsse zudem bereits eine Eignungsfläche für die entsprechende Erneuerbaren-Nutzung in einem gültigen Regionalplan ausgewiesen sein, erklärt Constantin Zerger. Der Leiter Energie und Klimaschutz bei der DUH betont, für das Pilotprojekt geeignete Vorhaben müssten zumindest die Errichtung von Windturbinen vorsehen. „Denn damit wollen wir ja auf die von der Regierung vorgesehene Einführung einer pauschalen Abstandsvorgabe für jeden neuen Windpark von mindestens 1.000 Metern Distanz zur nächsten Siedlung antworten.“

Noch besser geeignet seien zudem Windturbinen in Verbindung mit Photovoltaik- oder Sektorenkopplungsanlagen, die auch eine gleichmäßige und netzverträgliche Einspeisung wahrscheinlicher machen, erklärt Zerger. Insbesondere die sogenannte Sektorenkopplung steht seit einigen Jahren offiziell weit oben auf der Agenda der Bundesregierung. Überschüssig erzeugter Grünstrom speichern solche Anlagen entweder in Batterien ein oder sie wandeln diesen in andere Energieformen wie Wärme oder Wasserstoff um. Diese Energie aber sollen solche Wärmespeicher oder Elektrolyseanlagen zur Nutzung in den Sektoren Wärmversorgung oder Verkehr bereitstellen.

Noch bis Ende 2019 soll der Auswahlprozess für das Pilotprojekt abgeschlossen sein, um 2020 in die Projektierungsphase einzutreten. 2021 endet die Laufzeit des Forschungsprojekts nach den derzeitigen Vorgaben.

Forscher setzen auf interessierte Kommunen, Bürger und Projektierer - auch aus Bayern

„Wir haben bereits ein paar Projektierungen im Auge, freuen uns aber noch über Input durch Vorschläge bundesweiter Vorhaben“, sagt Zerger zu ERNEUERBARE ENERGIEN.

So erhofft sich die DUH derzeit auch noch Vorschläge etwa aus Kommunen oder von Projektierern und Bürgern. Besonders interessant könne beispielsweise auch ein Pilotprojekt in Bayern sein, das innerhalb einer sogenannten 10-H-Zone geplant sei. Denn das süddeutsche Bundesland hatte bereits 2014 eine bundesweit einmalige und besonders strenge Abstandsregel eingeführt, wonach für neue Windparks eine Bannzone um Siedlungen mit dem zehnfachen der Gesamthöhe der Anlage gilt. Die Projektierer müssen daher für die Installation der neuesten Windturbinenklassen mindestens zwei Kilometer Abstand halten, weshalb es kaum noch Flächenpotenzial in Bayern gibt. Allerdings können die Kommunen mit einer eigenen Bauleitplanung freiwillig von der 10H-Regel abweichen und Windparks auch mit geringeren Distanzen zulassen, wenn sie ihre Bauleitplanung mit der Bauleitplanung von Nachbarkommunen abstimmen. „Ein Projekt innerhalb der 10-H-Zone wäre für uns ganz besonders interessant“, betont Zerger.

Hier können sich interessierte beim Projekt melden.

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