Die neue gemeinsame Studie von Windeurope und Hitachi Energy liefert eindeutige Zahlen: Selbst unter Berücksichtigung aller Systemkosten – also Netze, Speicher, Backup und der Elektrifizierung großer Industriezweige – bleibt ein auf erneuerbaren Energien basierendes Energiesystem mit Abstand das günstigste Szenario für Europa. Der Preisunterschied ist eklatant. Das Erneuerbaren-Szenario „Renewables+“ spart gegenüber dem nächstgünstigeren Modell zwischen 487 und 860 Milliarden Euro – und gegenüber dem „Langsamen Übergang“ sogar 1,6 Billionen Euro bis 2050. Das entspricht neun Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts, was etwa den jährlichen Gesundheitsausgaben der gesamten EU entspricht.
Ein wesentlicher Grund sind die wegfallenden Brennstoffkosten: Wer weiter auf fossile Energien setzt, bezahlt nicht nur den hohen CO₂-Preis, sondern bleibt abhängig von globalen Rohstoffmärkten. Europa hätte damit dauerhaft höhere Importkosten – im „Langsamen Übergang“ beträgt die Abhängigkeit 2050 noch 54 Prozent, im Erneuerbaren-Szenario nur 22 Prozent.
Schon bis 2035 könnten laut Studie 331 Milliarden Euro an Systemkosten eingespart werden. Diese Summen sind keine akademischen Berechnungen – sie entscheiden über Standortvorteile, Energiesicherheit und den Wohlstand von Millionen Haushalten.
Technologisch bedeutet das: 350 Gigawatt (GW) Offshore-Wind bis 2050, dazu Photovoltaik in historischem Maßstab. Wind und Sonne liefern dann 83 Prozent des europäischen Stroms, Wind allein mehr als die Hälfte. Europas Importabhängigkeit in Sachen Energie sinkt in diesem Szenario von 71 Prozent im Jahr 2030 auf wie gesagt nur noch 22 Prozent im Jahr 2050. Im „langsamen Übergang“ dagegen bliebe die Abhängigkeit hoch.
Diese Evidenz ist politisch brisant: Ein zögerlicher Ausbau der Erneuerbaren kostet nicht nur Klima und Wettbewerbsfähigkeit, sondern hunderte Milliarden Euro an Mehrkosten. Wer also glaubt, abwarten sei billiger, irrt – und zwar um den Preis der europäischen Zukunft.