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Unterlegscheibe liest Schraubenvorspannungen in Echtzeit aus

Wie geht Innovation so schnell?

Uwe Steinkamp: Als Spin-off aus dem Fraunhofer LBF verbinden wir wissenschaftliche Expertise mit einem industriellen Fokus: Wir konzentrieren uns auf das konkrete Produkt – die altosens.disc, unseren Sensor also. Er basiert auf einer normierten Unterlegscheibe der Größen M20 bis M42, in die wir eine innovative Kraftmesstechnik integrieren. Durch frühe Feldtests brachten wir Prototypen schnell in reale Anwendungen. Das Feedback unserer industriellen Partner beschleunigt die Weiterentwicklung.

Was bringt Ihre Technik zuerst ein?

Volker Bibelhausen: Kenntnis der realen Schraubenvorspannung im Betrieb – ohne Modifikationen des Schraubsystems, neue Vorrichtungen am Bolzen und Extra-Bauraum. Wir tauschen nur die Unterlegscheibe. So lassen sich Lockerungen, Überlasten und kritische Lastzustände früh erkennen. Das führt zu weniger ungeplanten Stillständen: mehr Verfügbarkeit und weniger Wartungskosten. Ein Service wird planbar, manuelle Prüfungen entfallen zum Teil.

Wo kommt KI ins Spiel?

Volker Bibelhausen: Die altosens.disc misst Kraft, Temperatur und Beschleunigung direkt im Schraubsystem, also zum Beispiel im Blattbolzen. Unsere Unterlegscheibe verfügt über einen Mikrocontroller und wird über „CANopen“ vernetzt. Mit einem Gateway oder Edge-Device – wir nennen es altosens.edge – werden die Daten vorverarbeitet und in die Leitwarte oder Cloud übertragen. Dort erfolgt die Analyse. Und hier kommt auch die Künstliche Intelligenz, die KI ins Spiel: Algorithmen erkennen Abweichungen, bewerten Lastkollektive und ermöglichen Aussagen zur Restlebensdauer. So entsteht belastbares Zustandsmonitoring.

Wo wird die Technik eingesetzt? Wie wartungsarm ist sie?

Uwe Steinkamp: Unser Business Case zielt auf kritische Schraubverbindungen in allen Bereichen, aber besonders im Turm, Antriebsstrang oder an den Rotorblättern. Aktuell haben wir Anfragen fürs Retrofit bestehender, meist älterer Anlagen. Sie benötigen eine Genehmigung zum Weiterbetrieb, und das Digitalisieren kritischer Schraubverbindungen ist sinnvoller als ein vorsorgliches Austauschen aller Blattbolzen. (tw)

Uwe Steinkamp,
Geschäftsführer

Foto: altosens

Volker Bibelhausen,
Business Development, beide Altosens

Foto: altosens

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