Herr Simon, warum wird Umsetzungskompetenz bei Energieinfrastrukturprojekten zunehmend zum entscheidenden Erfolgsfaktor?
Hannes Simon: Die Energiewende erfordert einen schnellen Ausbau der Energieinfrastruktur. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Projekte: Lieferketten sind angespannt, Fachkräfte knapp und die technische sowie regulatorische Komplexität nimmt zu.
Entscheidend ist deshalb heute nicht mehr nur eine gute Planung, sondern vor allem die Fähigkeit, Projekte zuverlässig in die Umsetzung zu bringen. Umsetzungskompetenz bedeutet für uns, Komplexität beherrschbar zu machen, indem wir Projekte ganzheitlich steuern, Verantwortung übernehmen und sie auch unter anspruchsvollen Marktbedingungen zuverlässig realisieren.
Spie bringt hierfür mehr als 100 Jahre Erfahrung im Umspannwerksbau sowie umfangreiche Expertise aus zahlreichen Netzinfrastrukturprojekten für Netzbetreiber, Energieversorger und Projektentwickler mit. Unser Anspruch ist es, Energieinfrastrukturprojekte von der Planung bis zur Inbetriebnahme zu realisieren.
Wo erleben Sie derzeit Engpässe in der Lieferkette und wie gehen Sie damit um?
Hannes Simon: Besonders bei Transformatoren, Schaltanlagen, Kabeln sowie Komponenten der Schutz- und Leittechnik beobachten wir weiterhin lange Lieferzeiten. Die hohe Nachfrage im Zuge der Energiewende wirkt sich weltweit auf die Verfügbarkeit dieser Schlüsselkomponenten aus.
Wir reagieren darauf, indem wir die Marktsituation früh in der Projektplanung berücksichtigen, kritische Komponenten identifizieren und Lieferzeiten realistisch ansetzen. Außerdem stimmen wir Beschaffung und Termine kontinuierlich mit Lieferanten und Kunden ab.
Dank langjähriger Lieferantenbeziehungen, technischer Expertise und strukturierter Prozesse schaffen wir für unsere Kunden auf diese Weise ein hohes Maß an Planungssicherheit sowie verlässliche Projektabläufe.
Immer mehr Projekte kombinieren Photovoltaik, Windenergie und Batteriespeicher. Welche Erfahrungen haben Sie mit solchen Hybridprojekten gesammelt?
Hannes Simon: Unsere Erfahrung zeigt, dass Hybridprojekte vor allem dann erfolgreich sind, wenn Photovoltaik, Windenergie, Speicher und Netzanbindung von Beginn an gemeinsam geplant werden. Werden diese Elemente getrennt betrachtet, entstehen später häufig zusätzliche Abstimmungsbedarfe, technische Anpassungen und vermeidbare Verzögerungen.
In der Umsetzung wird schnell deutlich, wie eng die einzelnen Komponenten miteinander verknüpft sind. Entscheidungen beim Netzanschluss beeinflussen die Auslegung des Umspannwerks, die Trassenführung wirkt sich auf Genehmigungen und Bauabläufe aus, und auch die Schutz- und Leittechnik muss frühzeitig integriert werden.
Deshalb ist es entscheidend, alle Beteiligten frühzeitig einzubinden und das Projekt als Gesamtsystem zu betrachten. Genau diesen Ansatz verfolgt Spie: Wir denken Erzeugung, Speicher und Netzinfrastruktur zusammen und sorgen dafür, dass technische, regulatorische und betriebliche Anforderungen von Anfang an aufeinander abgestimmt sind.
Was verstehen Sie bei Spie unter „Umspannwerken aus einer Hand“ und welchen Mehrwert bietet dieser Ansatz für Kunden?
Hannes Simon: Für uns bedeutet „aus einer Hand“ vor allem, Verantwortung für den gesamten Lebenszyklus des Projekts zu übernehmen. Das heißt konkret: Wir begleiten ein Umspannwerk wirklich von der Planung bis zur Inbetriebnahme. Das beinhaltet sämtliche Leistungen wie Planung, Genehmigungsmanagement, Trassierung, Beschaffung, und Errichtung – um nur einige zu nennen. Bei Bedarf übernehmen wir den Betrieb der Anlage.
Dabei verstehen wir Umspannwerke nicht isoliert, sondern als zentralen Baustein eines funktionierenden Energieinfrastrukturprojekts. Deshalb betrachten wir von Beginn an auch die Schnittstellen zu Erzeugungsanlagen, Speichern, Netzanschlüssen und den späteren Betriebsanforderungen.
Denn in der Praxis merken wir immer wieder: Die größten Herausforderungen entstehen an den Schnittstellen. Genau dort, wo viele Beteiligte zusammenkommen, wird es schnell komplex. Wenn wir diese Schnittstellen bündeln, wird es für unsere Kunden deutlich einfacher. Sie haben einen Ansprechpartner, klare Verantwortlichkeiten und ein Projekt, das durchgängig gesteuert wird. Das schafft Transparenz, Planbarkeit und am Ende vor allem Verlässlichkeit.
Wie verändert sich die Zusammenarbeit zwischen Projektentwicklern, Betreibern, Netzbetreibern und Umsetzungspartnern durch die steigende Komplexität der Projekte?
Hannes Simon: Die Zusammenarbeit ist deutlich enger und partnerschaftlicher geworden. Energie-
infrastrukturprojekte lassen sich heute kaum noch effektiv umsetzen, wenn Projektentwickler, Betreiber, Netzbetreiber und Umsetzungspartner nacheinander oder getrennt voneinander arbeiten. Dafür sind die Zusammenhänge im Projekt zu vielfältig und technische Entscheidungen, Netzanforderungen und Genehmigungen greifen zu stark ineinander.
Daher sind eine gemeinsame Projektsteuerung und frühzeitige Abstimmungen zwischen allen Beteiligten entscheidend, um technische, regulatorische und terminliche Anforderungen in Einklang zu bringen. Unsere Rolle als Umsetzungspartner ist dabei nicht nur die Ausführung, sondern auch das frühzeitige Mitdenken: Wir liefern die Perspektive, wie sich ein Konzept später tatsächlich realisieren und betreiben lässt.
Was braucht der Markt aus Ihrer Sicht, damit mehr Energieinfrastrukturprojekte schneller in die Umsetzung kommen?
Hannes Simon: Neben schnelleren Genehmigungsprozessen braucht es vor allem mehr Planungssicherheit für Investitionen, zusätzliche Fachkräfte sowie eine frühzeitige Einbindung aller Projektbeteiligten. Nur wenn diese Faktoren zusammenkommen, lassen sich die für die Energiewende erforderlichen Infrastrukturprojekte im notwendigen Tempo realisieren. Darüber hinaus braucht es Unternehmen, die die vorhandenen Projekte mit ausreichenden Ressourcen, Erfahrung und Umsetzungskraft in die Realität bringen können. Genau hier unterstützt Spie seine Kunden mit technischer Expertise, langjähriger Erfahrung und umfassenden Umsetzungskapazitäten.
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