Die Preise für Solarmodule sind etwas in Bewegung geraten. Doch noch herrscht Wartestimmung, nachdem die chinesische Regierung den 1. April 2026 als Datum zur Streichung der bisherigen Vergünstigungen genannt hat. Denn bisher müssen die chinesischen Modulhersteller auf ihre Exporte neun Prozent weniger Mehrwertsteuern bezahlen, als wenn sie die Paneele im Inland verkaufen. Diese Vergünstigung fällt dann weg. Doch werden dann die Solarmodule tatsächlich neun Prozent teurer?
Module werden schon teurer
Bisher ist es nur eine kleine Welle. Denn in den vergangenen vier Wochen sind die Modulpreise nur moderat gestiegen – aber immerhin schon gestiegen. So werden die effizienten Module mit modernen Zelltechnologien und einem Wirkungsgrad von mindestens 23 Prozent derzeit für durchschnittlich 11,5 Cent pro Watt gehandelt. Das sind 4,5 Prozent mehr als im Vormonat, als diese Module im Schnitt noch elf Cent pro Watt kosteten.
Auch die komplett schwarzen Module sind teurer geworden. Die Großhändler verkaufen sie derzeit für durchschnittlich 13 Cent pro Watt. Das ist ebenfalls ein halber Cent pro Watt mehr als noch im Vormonat. Damit ist der Preis vom Anfang des vergangenen Jahres wieder erreicht.
Den gleichen Trend gibt es bei den Standardmodulen. Auch diese werden wieder zum gleichen Preis gehandelt wie am Anfang des vergangenen Jahres. Sie kosten jetzt im Schnitt 10,5 Cent pro Watt. Das ist ebenfalls ein halber Cent pro Watt mehr als im Vormonat.
Preise bis zu 30 Prozent höher
Dieser Trend könnte sich aufgrund der gestrichenen Exportrabatte in China weiter entwickeln. „Was zunächst als laues Lüftchen in nicht allzu weiter Ferne beginnt, scheint sich schneller als erwartet zu einem ausgewachsenen Tsunami zu entwickeln“, prognostiziert Martin Schachinger, Geschäftsführer des Onlinemarktplatzes für Solarkomponenten PV Xchange. „Aktuell informieren etliche Händler ihre Kunden per E-Mail-Newsletter, sozialen Medien oder persönlich darüber, dass die Preise ab Anfang April steigen werden und sie sich entsprechend ihrer Projektpipeline bitte bevorraten möchten“, sagt er.
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Doch wenn die Kunden daraufhin schon versuchen, Module für das zweite Quartal zu ordern, verlangen die Hersteller bereits die höheren Preise. „Diese stehen auch kaum im Verhältnis zu den neun Prozent, die durch die Anpassungen in China gerechtfertigt wären“, erklärt Martin Schachinger. „Vielmehr sind im Projektbereich Preiserhöhungen um bis zu 20 Prozent zu akzeptieren, im Distributionsbereich beziehungsweise in Webshops wurden die Modulpreise in den vergangenen Tagen teilweise bereits um bis zu 30 Prozent nach oben korrigiert.“
Linien laufen auf Hochtouren
Der PV-Xchange-Chef führt dies einerseits auf den Wegfall des Exportrabatts und andererseits auf den Preisanstieg der Vorprodukte wie Siliziumingots, Silberpaste, Solarzellen, Glas und Aluminium zurück. Doch selbst dies rechtfertige keinen Preisanstieg um 20 oder sogar 30 Prozent. „Aktuell laufen die Produktionen in China auf Hochtouren – man versucht bis März noch so viel Ware zu fertigen, wie die Produktionslinien hergeben“, erklärt Schachinger. „Bis Ende März heißt es dann: Alles muss raus! So viel Ware wie möglich soll bis dahin auf dem Seeweg oder bereits in den Zielländern sein, um die bereits jetzt eingepreiste Steuererhöhung als Marge mitnehmen zu können.“
Danach werden die Hersteller in China die Linien zunächst herunterfahren, um weitere Kosten zu sparen, prognostiziert der Marktexperte. Er geht davon aus, dass viele Produzenten die von Staatsseite angekündigte Verteuerung nutzen, um Verluste aus der Vergangenheit zu kompensieren. Denn sie erwarten, dass durch die Streichung des Exportrabatts die Kunden vermeintlich höhere Preise akzeptieren. „Diese Tendenz zum Überkompensieren von Ereignissen, die sich auf den Modulpreis auswirken, konnten wir in den vergangenen Jahren bereits häufiger beobachten“, weiß Martin Schachinger.
Markt ist unter Druck
Doch das könnte nach hinten losgehen. „Oft können sich die Preise auf dem überzogenen Niveau aber durch die automatisch einsetzende geringere Nachfrage nicht halten und müssen zeitnah wieder nach unten korrigiert werden“, sagt der PV-Xchange-Chef. „Die Rechnung wird nämlich – wie so oft – ohne die Kunden und potenziellen Abnehmer der verteuerten Ware gemacht.“
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Schließlich sind die Märkte in Europa derzeit unter Druck. Die Zubauzahlen für Kleinanlagen gehen zurück und auch die Prognosen für dieses Jahr sehen nicht besonders positiv aus. Die Solarbranche muss sich auf größere gewerbliche Projekte und Solarparks konzentrieren. „Allerdings sind solche Projekte sehr preissensibel, sodass ein Preisanstieg in der oben genannten Höhe sehr viele Planungen aufgrund wegfallender Wirtschaftlichkeit zunichtemachen dürfte“, warnt Schachinger. „Bereits bei dem bisherigen Preisniveau mussten Projektierer sehr selektiv vorgehen – rein durch das EEG finanzierte Photovoltaikanlagen lohnen sich nur noch unter gewissen Umständen, wie zum Beispiel geringen Planungs- und Netzzugangskosten.“
Bürokratie endlich abbauen
Er rät den Herstellern, die Preiserhöhungen mit Bedacht vorzunehmen, um den Markt nicht gleich in den ersten Monaten abzuwürgen. „Gleichzeitig muss der seit Jahren geforderte und viel zitierte Bürokratieabbau endlich Fahrt aufnehmen, damit die verschleppten Netzzusagen und alle anderen erforderlichen Genehmigungen und Zertifikate nicht zum Terminator eines jeden Bauvorhabens werden“, fordert Martin Schachinger. „Wenn dann auch noch eine, wenn auch zu geringe, EEG-Vergütung als Fall-Back-Lösung, sowie auskömmliche Zuschlagswerte in den Ausschreibungen erhalten bleiben, könnte der sich ankündigende Wandel in diesem Jahr noch in eine wünschenswerte solare Zukunft führen, anstatt zurück in die fossile Vergangenheit“, sagt er.