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Windkraftbranche errichtete 2025 bundesweit Turbinen mit 5,23 Gigawatt

958 neue Land-Großrotoren haben die Windenergieunternehmen in Deutschland im vergangenen Jahr neu in die Windströmungen gestellt. Das waren um die Hälfte mehr, als sie 2024 neu in den Betrieb gebracht hatten. Im Vorvorjahr hatten Windparkerrichter bundesweit noch 635 moderne Windturbinen zugebaut. Die nun von Januar 2025 bis zum Jahreswechsel deutschlandweit neu in Betrieb genommene Onshore-Windkraft-Flotte erreichte eine Kapazität von 5.232 Megawatt (MW) beziehungsweise gut 5,2 Gigawatt (GW). Dies übertraf den Bruttozubau des Vorjahres sogar um 58 Prozent. 2025 wurde somit zum zweitbesten Ausbaujahr nach dem bisherigen Rekordjahr 2017. So kletterte die Zubaukurve in den vergangenen zwölf Monaten erstmals wieder auf ein jährliches Niveau von mehr als fünf Gigawatt. Vor acht Jahren hatte die Windparkbauwirtschaft 5,5 GW Bruttonennleistung neu errichtet. Den damaligen Boom hatte freilich ein Vorzieheffekt befördert. Denn 2017 hatten Unternehmen mit weit fortgeschrittenen Projekten dafür gekämpft, diese noch vor dem 2018 bevorstehenden Ende des damals garantiert hohen Vergütungstarifs in Betrieb zu nehmen.

Diese Bilanz zum deutschen Onshore-Windkraftausbau zogen am Donnerstag in Berlin die Branchenorganisationen Bundesverband Windenergie (BWE), Power Systems als Energiesparte des Maschinen- und Anlagenbauerverbands VDMA sowie Fachagentur Wind und Solar (FA Wind und Solar).

Vermutlich wieder viel Repowering: 4,6 Gigawatt Nettozubau 

Weil der Anteil der für die Windturbinen der modernsten technologischen Generation rückgebauten Altanlagen hoch bleibt, um mehr freie Standorte zu gewinnen, betrug der Nettozubau noch 4,6 GW nach 2,5 GW ein Jahr zuvor. Die von BWE und VDMA Power Systems mit der Statistikerhebung beauftragte FA Wind und Solar geht allerdings von einem noch höheren Rückbau von Altanlagen durch dieses sogenannte Repowering aus. Erfahrungsgemäß meldeten Unternehmen die Anlagenstilllegungen noch einige Zeit später erst nach, deutete FA-Wind-Marktexperte Jürgen Quentin an. Der Rückbau von Altanlagen fürs Repowering falle mittlerweile höher aus, als Politik und Branche es erwartet hätten, betonte BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek. Dieses Phänomen des verstärkten Repowerings könne mitentscheidend dafür sein, dass das gesetzlich im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Ausbauziel einer bis dahin installierten Windkraftflotte an Land mit 115 GW nicht zu erreichen sein werde, sagte Heidebroek. Ende 2025 speisten dagegen Windparks mit vorerst noch 68 GW ihren Strom in die öffentlichen Leitungen.

Zugleich begrüßen die Windkraftorganisationen in Deutschland ein starkes Repowering, weil damit leistungsstärkere und effizientere Windkraftanlagen zum Zuge kommen. „Die Anlagen werden größer, effizienter, lassen die Windparks eine bessere Ausbeute erzielen“ – und machten Windkraft insgesamt wirtschaftlicher, sagte Power-Systems-Geschäftsführer Dennis Rendschmidt.

Branchenvorschlag: kurzfristige Zusatzausschreibung von sechs Gigawatt Extrakapazität jeweils 2026 und 2027?  

Daraus leiten die Windkraftvertretenden nun offenbar eine Forderung an die Bundesnetzagentur (BNetzA) ab. Die für die Ausschreibungen der Vergütungssätze für neue Windkraftkapazitäten zuständige Behörde solle 2026 und 2027 kurzfristig einen Überhang nicht bezuschlagter Nennleistungen von rund 12 GW abbauen, um jährlich 6 GW zusätzlich zu den aktuell vorgesehenen Ausschreibungsvolumen von nun vorgesehenen fast 11 GW auszuloben. Damit ließe sich der Rückstand auf das 115-GW-Ziel wieder aufholen, sagte Heidebroek. Die BNetzA könne dies möglicherweise kurzfristig aufgrund der ihr gesetzlich eingeräumten Gestaltungsfreiheit ohne Änderung im EEG bewerkstelligen, ergänzte Power-Systems-Chef Rendschmidt. Eine Änderung im EEG benötige hingegen mutmaßlich eine – wohl kompliziertere – beihilferechtliche Zustimmung durch die Europäische Union.

Unabhängig davon ist die Dynamik des Windparkzubaus an Land in Deutschland offenbar inzwischen so auf Touren gekommen, dass zumindest der Bruttozubau auch 2026 und 2027 jeweils noch einmal sehr stark zunehmen dürfte. Das deuten auch die Windenergievertreter sowie die VDMA-BWE-Zubaustatistik an. 2025 genehmigten die Behörden neue Windparkplanungen für 20,765 GW, knapp die Hälfte mehr als sie 2024 mit dem damaligen Rekordwert von 14,07 GW frei gaben. Bei einer genehmigten und noch nicht bezuschlagten Nennleistung von 14,8 GW werde den Berechnungen zufolge Ende 2026 ein Volumen von 3,8 GW ohne Zuschlag übrigbleiben. Weil für 2026 gemäß Umfragen weitere 20 GW an Neugenehmigungen hinzukommen, werde für die 2027-er Ausschreibungen eine Kapazität von schon 24 GW da sein.

Genehmigungsdauer geht weiter zurück, aber bis zum Windparkbau dauert es nach der Genehmigung immer länger

Den hohen Zuwachs der ausschreibungsfreifen Plankapazitäten begünstigt die inzwischen stark verkürzte beschleunigte Genehmigungspraxis. So benötigten Genehmigungsverfahren für neue Windparks vom Moment eines fertig eingereichten vollständigen Genehmigungsantrags bis zur behördlichen Freigabe im bundesweiten Durchschnitt nur noch 16,4 Monate. Das Median betrug sogar nur noch 12,4 Monate, kaum mehr als ein Jahr. Dies ist demnach der Mittelwert der meisten Genehmigungsverfahren, die zeitlich in einem noch üblichen Rahmen bleiben. Allerdings legte andererseits erstmals die durchschnittliche Dauer der Windparkrealisierung von der Genehmigung bis zur Inbetriebnahme wieder auf sogar 29 Monate zu. Mitverantwortlich könnten außer seit Jahren vorherrschender Engpässe bei den Straßentransportzeitfenstern insbesondere langwierige Netzanschlussprüfungen durch die Netzbetreiber sein, heißt es.

Die technologische Entwicklung zeigt sich derweil in immer größeren zugebauten Anlagen. Die durchschnittliche Nennleistung der neu errichteten Turbinen betrug 2025 genau 5,46 MW, der mittlere Rotordurchmesser hatte ein Maß von 151 Meter. Dies entspricht den Maßen der vor rund fünf Jahren in die Windparkerrichtungspraxis übernommenen Fünf- bis Sechs-MW-Klasse.

Starke Konzentration auf Nordwesten bleibt bestehen

Die Windturbinenerrichtungen blieben auch 2025 noch auf wenige Hauptwindkraft-Bundesländer in der Nordhälfte konzentriert. So kamen alleine die beiden Top-Zubau-Länder Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auf zusammen 2,5 GW neu angeschlossene Erzeugungskapazität, womit schon knapp die Hälfte der Bruttoneuerrichtungen sich auf die Großregion im deutschen Nordwesten konzentrierte. Wer noch Schleswig-Holstein mit einem Zubau von 790 MW und Brandenburg mit neuen Anschlüssen ans Netz von 622 MW dazuzählt, erkennt eine nur wenig mehr als ein Drittel der Bundesfläche einnehmende Windkraftkonzentrationszone, auf der ziemlich genau drei Viertel des Zubaus stattfand. Zusammen mit Sachsen-Anhalts 331 MW und Mecklenburg-Vorpommerns 167 MW waren somit die Bundesländer, die in etwa die Nordhälfte des Landes bilden, der Bauraum für 4,4 GW und damit knapp 85 Prozent des Zubaus.

Die zunehmende Konkurrenz der in den Ausschreibungen mitbietenden Akteure drückte zuletzt auf die Zuschlagspreise: In der 3,45 GW großen Novemberausschreibung hatten mitbietende Windparkprojektierer mehr als 8 GW an projektierter Erzeugungskapazität für die Vergütungszuschläge angeboten. Der mittlere mengengewichtete Vergütungszuschlag sank auf einen Wert von 6,06 Cent pro Kilowattstunde (kWh) eingespeisten Windstroms. Erlaubt sind gemäß den aktuellen BNetzA-Auktionsregeln Höchstgebote bis 7,35 Cent. Trotz allerdings weiter erwarteten hohen Wettbewerbsdrucks sei nicht von einer noch tiefer sinkenden Vergütung zu rechnen, zeigten sich BWE-Präsidentin Heidebroek und Power-Systems-Chef Rendschmidt einig.