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Mehr Strom vom Acker

Die Scheunendächer sind seit Jahren mit Modulen belegt und dennoch bleibt am Ende des Monats eine saftige Stromrechnung. Viele Landwirte und Flächeneigentümer stellen sich deshalb gerade die gleiche Frage: Lohnt sich auf meinen Flächen eine Agri-PV-Anlage mit Speicher oder produziert sie am Ende einfach nur Überschussstrom, der kein Geld bringt? Wie so oft: Es kommt drauf an.

Landwirtschaftliche Betriebe konnten sich in den letzten zwei Jahren sowohl über die baurechtliche Privilegierung von 2,5 ha Agri-PV-Anlagen sowie das Solarpaket 1 – temporär zu Recht - freuen. Doch das Ausbleiben der Genehmigung für das Solarpaket sowie neue Verschärfungen vor allem über das Solarspitzengesetz bzw. § 51 EEG haben bundesweit die Euphorie über Eigeninvestitionsprojekte in Hof-Nähe nahezu zunichte gemacht.

Vielmehr geht die Tendenz insgesamt klar wieder zu größeren Agri-PV-Anlagen. Ab einer zusammenhängenden Fläche von acht bis neun ha sehen wir meistens rentable Projekte für alle Beteiligten. Auch wenn sich diese Anlagen nur noch in Co-Location mit Grünstromspeichern wirklich rentieren. Die alte Welt mit kalkulierbaren EEG-Einspeisevergütungen über 20 Jahre für eine Erzeugungsanlage ist vorbei. Das Unternehmen prüft jeden Einzelfall individuell und übernimmt die Kommunikation sowie Netzkapazitäts-Prüfungen mit dem hiesigen Netzbetreiber, meistens das Nadelöhr für die Projekte.

Denn die ökologischen und wirtschaftlichen Vorteile von Agri-PV-Anlagen mit Batteriespeichern sind noch nicht ausgeschöpft. Zum einen kann eine Fläche durch die Doppelnutzung sehr effizient bewirtschaftet werden. Das erhält Böden und steigert die Akzeptanz in der Gemeinde. Zum anderen bestehen weiterhin vielschichtige Vorteile (Bau-, Erb-, Steuer-, Agrarrecht), die den Betrieb einer Anlage wirtschaftlich besonders attraktiv machen können.

Voraussetzung für Projekte sind ausreichende Netzanschluss- und gegebenenfalls Bezugskapazitäten – und genau diese sind in ländlichen Netzen nicht immer in ausreichendem Umfang vorhanden. Eine mögliche Alternative ist daher das Eigenverbrauchsmodell für Höfe mit hohem Strombedarf, zum Beispiel durch Biogasanlagen mit nachgeschalteter Methanisierung. Doch ab wann lohnt sich das? Genau hier setzt die folgende Auswertung von Diveo an. Die Projektentwickler haben 28 Szenarien von Biogashöfen berechnet, die sich insbesondere in ihrem Jahresstromverbrauch und dem verfügbaren PV-Potenzial unterscheiden. Zentrales Kriterium war die Eigenverbrauchsquote – also der Anteil des erzeugten Solarstroms, der direkt am Hof genutzt wird. Je höher diese Quote, desto eher lässt sich die Anlage allein über eingesparte Stromkosten tragen. Berücksichtigt wurde dabei zudem, dass viele Höfe bereits über Solaranlagen auf den Dächern verfügen. Im Kern ging es um die praktische Frage, wann es Sinn ergibt, zusätzlich zur großen Dachanlage noch eine privilegierte Agri-PV-Anlage mit Speicher zu bauen.

Drei Hofgrößen, drei Antworten

Aus den 28 betrachteten Biogashöfen lassen sich drei typische Gruppen ableiten – sortiert nach ihrem jährlichen Stromverbrauch. Bei kleineren Betrieben mit weniger als 1.200 MWh im Jahr zeigt sich: Schon mit gut genutzter Dach-PV erreichen sie Eigenverbrauchsquoten um die 70 Prozent. Wird dann noch eine 1,5-MW-Agri-PV-Anlage mit vier MWh Speicher realisiert, fällt diese Quote in vielen Fällen auf nur noch 20 bis 40 Prozent. Der Hof erzeugt also deutlich mehr Strom, als er sinnvoll selbst nutzen kann. In dieser Klasse ist eine zusätzliche große Agri-PV-Anlage im reinen Eigenverbrauchsmodell meist überdimensioniert – wirtschaftlich sinnvoller ist es, zunächst das Dachpotenzial vollständig auszuschöpfen und Freiflächen-PV nur sehr dosiert zu ergänzen.

Ganz anders die mittleren Höfe mit etwa 1.800 bis 3.000 MWh Jahresstromverbrauch: Hier erreicht die Kombination aus Dach-PV, 1,5-MW-Agri-PV und Speicher Eigenverbrauchsquoten von rund 60 bis 80 Prozent. Der Speicher verschiebt Mittagsspitzen in Abend- und Nachtstunden, in denen BHKW, Lüftung oder Kühlung weiterlaufen. Ab etwa 2.000 MWh Jahreslast wird die Agri-PV-Anlage damit allein aus Eigenverbrauchssicht interessant – ein Großteil des Solarstroms bleibt auf dem Hof.

Die deutlichsten Ergebnisse liefern große Biogashöfe mit mehr als 3.000 MWh Stromverbrauch pro Jahr. In dieser Gruppe liegt die Eigenverbrauchsquote der Gesamtanlage meist zwischen rund 70 und über 90 Prozent. Die Agri-PV-Anlage arbeitet hier faktisch wie ein eigenes Kraftwerk für den Hof, selbst wenn die Dächer bereits umfangreich mit PV belegt sind. Für diese Betriebe ist eine 1,5-MW-Agri-PV-Anlage mit Speicher im Eigenverbrauchsmodell klar attraktiv.

Was heißt das für die Praxis?

Übersetzt in die Sprache des Alltags heißt das: Unter etwa 1.200 MWh Jahresstromverbrauch ist eine große Agri-PV-Anlage mit Speicher meist zu viel des Guten. Ab rund 2.000 MWh wird es spannend, ab über 3.000 MWh spricht vieles für einen belastbaren Business-Case.

Gerade diese Betriebe sollten ihre Lastprofile, vorhandene Dach-PV und mögliche Agri-PV-Flächen einmal sauber durchrechnen lassen. Die Auswertung der 28 Höfe legt nahe: Wo Fläche und Strombedarf zusammenpassen, kann Agri-PV mit Speicher nicht nur das Klima entlasten, sondern sich auch finanziell sehr deutlich lohnen.

Wer keine Biogasanlage betreibt, muss nicht außen vor bleiben: Ab etwa acht bis neun Hektar kann eine Agri-PV-Anlage wirtschaftlich spannend werden – hier steigt Diveo gemeinsam mit den Landwirten in eine pragmatische Projektprüfung ein. In der Praxis gibt es viele Variablen, die wir in einer halben Stunde einschätzen können. Darum lohnt sich eine unverbindliche Prüfung eigentlich immer.

Die Eigenverbrauchsquote hängt von vielen Faktoren ab. Eine professionelle Prüfung bringt Klarheit.

Grafik: diveo GmbH

Die Eigenverbrauchsquote hängt von vielen Faktoren ab. Eine professionelle Prüfung bringt Klarheit.
Autor:
Kai Klapdor, ­Geschäftsführer der Diveo GmbH, eine Ausgründung des Fraunhofer ISE

Foto: diveo GmbH

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